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F.A.Z. exklusiv : Früherer Thyssen-Chef erhält eine Millionenabfindung

Heinrich Hiesinger während der letzten Aktionärsversammlung am 19. Januar. Bild: Reuters

Heinrich Hiesinger hat selbst entschieden, von der Spitze des deutschen Traditionsunternehmens abzutreten. Zum Abschied bekommt er nach Informationen der F.A.Z. mindestens 2,7 Millionen Euro.

          Der aus freien Stücken abgetretene Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger erhält nach F.A.Z.-Informationen eine millionenschwere Abfindung. Mit dem Aufsichtsrat sei vereinbart, dass Hiesinger zwei Jahresgehälter sowie einen Teil der Boni bekomme, verlautet von mehreren mit den Vorgängen vertrauten Quellen.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Fixgehalt beträgt jährlich 1,34 Millionen Euro – woraus sich bei zwei Jahresgehältern allein knapp 2,7 Millionen Euro Abfindung ergeben. Wie viel an Boni hinzukommt, war nicht zu erfahren. Die gesamte Abfindung sei deutlich entfernt vom Zweifachen der jährlichen Gesamtbezüge, war zu hören. Im Geschäftsjahr 2016/17 hatte der Manager 6 Millionen Euro erhalten, inklusive Versorgungsaufwand mehr als 8,2 Millionen Euro.

          Hiesinger hatte im Juli seinen Wunsch bekundet, abzutreten. „Ich habe heute den Aufsichtsrat darüber informiert, dass ich mein Mandat als Vorstandsvorsitzender von Thyssen-Krupp beenden möchte“, ließ er sich zitieren. „Ich gehe diesen Schritt bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion im Aufsichtsrat über die Zukunft von Thyssen-Krupp zu ermöglichen.“

          So wie im Kodex?

          Ein Sprecher bestätigte für den Aufsichtsrat eine Zahlung, ließ die Höhe aber offen. Beide Seiten hätten das Mandat einvernehmlich beendet. „In diesem Zuge ist auf Basis des Vertrags von Herrn Dr. Hiesinger eine Abfindung vereinbart worden. Diese liegt im Rahmen dessen, was der Deutsche Corporate Governance Kodex empfiehlt.“

          Offenbar enthielt der Vertrag also eine Abfindungsregelung – auch für den Fall, dass Hiesinger den Abgang selbst initiiert. Personalberatern zufolge ist das verbreitet. „Sehr viele orientieren sich an dem Kodex“, sagte ein Vergütungsfachmann, der nicht genannt werden wollte. Der Kodex zur guten Unternehmensführung sieht vor, dass bei „wichtigem Grund“, also etwa grober Pflichtverletzung durch den Vorstand, nichts gezahlt wird.

          Viele lassen sich dann im Umkehrschluss den Anspruch auf eine Auszahlung in den anderen Fällen in den Vertrag schreiben – unabhängig davon, wer die Trennung will. Der Kodex sieht zwei Jahresgehälter als Deckel vor. Hiesingers Vertrag hätte im September 2020 geendet. Der Manager war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

          Peter Dehnen, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland, wollte auf Anfrage keinen direkten Bezug auf den Fall Hiesinger nehmen, führte aber allgemein an, man müsse die Ebene des Vorstands als Organ eines Unternehmens getrennt sehen von der des Vorstands als Angestelltem. „Die rechtliche Position des Vorstands als Organ ähnelt der eines selbständigen Unternehmers. Wenn ein Vorstand sein Mandat – im Rahmen des rechtlich Erlaubten – niederlegt, bleibt der Anstellungsvertrag davon zunächst unberührt.“ Die Verträge sähen aber üblicherweise Trennungsregelungen vor.

          Formal dürfte die Abfindung also kaum zu beanstanden sein. Doch stellt sich die Frage nach der Außenwirkung, wenn jemand, der sehr explizit selbst den Vertrag auflösen will, noch zwei Jahresgehälter plus Zusatzleistungen bekommt.

          „Erschreckend verantwortungslos“

          Anders machte es im Frühjahr der scheidende Deutsche-Bank-Vorstand Marcus Schenck, wie er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) sagte. „Ich gehe auf eigenen Wunsch, insofern verzichte ich auf eine Abfindung.“

          Hiesinger hatte nach Querelen mit Aktionären um die Zukunft des Stahlgeschäfts und um die weitere Strategie aufgegeben. Kurz danach trat Aufsichtsratschef Ulrich Lehner ab. Das stieß auf Kritik, etwa durch Lehners Stellvertreter Markus Grolms von der Arbeitnehmerbank, der nun interimistisch das Kontrollgremium leitet: Unverständlich sei, dass jemand „wie ein beleidigtes Kind abhaut, nur weil es mal eine Auseinandersetzung mit einem Teil der Eigentümer gibt“. Der frühere Investmentbanker Dirk Notheis – selbst ein gefallener Star der deutschen Wirtschaft – nannte in einem Meinungsbeitrag für die F.A.Z. die Entscheidungen der beiden Topmanager „erschreckend verantwortungslos“.

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