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Krise in der Bierbranche : Heineken baut 8000 Stellen ab

Das Traditionsunternehmen produziert mehr als 250 Biermarken: Heineken ist die wichtigste, Bild: Reuters

Der zweitgrößte Bierbrauer der Welt will jede zehnte Stelle streichen. Die geschlossenen Kneipen machen ihm zu schaffen.

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          Heineken streicht global achttausend Arbeitsplätze und damit jede zehnte bis elfte Stelle. Der zweitgrößte Brauereikonzern der Welt konkretisiert damit das Abbauprogramm, das er im Herbst in Aussicht gestellt hatte. Seitdem galt beispielsweise: In der Amsterdamer Zentrale und in den Regionalbüros der Niederlande sollten Personalkosten um ein Fünftel sinken. 300 Arbeitsplätzen in den Niederlanden dürften entfallen.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Viele Details blieben am Mittwoch offen – etwa dazu, wie vielen Beschäftigten betriebsbedingt gekündigt wird und wie sich der Stellenabbau über den Globus verteilt. Heineken will die Personalkosten um 350 Millionen Euro drücken. Die Kosten insgesamt sollen bis 2023 um 2 Milliarden Euro sinken, auch durch höhere Produktivität und Neuerungen in der Logistik und im Produktangebot.

          Die Corona-Krise setzt dem Konzern zu. Gaststätten in aller Welt sind monatelang geschlossen, mancherorts wurde sogar ein Alkoholverbot verhängt. Über Supermärkte und andere Läden verkauft das Unternehmen zwar mehr – aber dieser Zuwachs kann das Minus im Gastgewerbe nicht kompensieren. Mengenmäßig wurden im vergangenen Jahr 8 Prozent weniger Bier abgesetzt. Dabei kam die namensgebende Kernmarke mit dem weltbekannten roten Stern in grünem Kreis mit einem kleinen Minus davon, nämlich 0,4 Prozent. Die Menschen wählten in der Krise gerne vertraute Marken, sagte Heineken-Chef Dolf van den Brink.

          Heineken-Chef Dolf van den Brink
          Heineken-Chef Dolf van den Brink : Bild: Heineken

          Der Gesamtumsatz sank um ein Sechstel auf 23,8 Milliarden Euro, unterm Strich fielen 204 Millionen Euro Verlust an. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen seine Abnehmer in der Corona-Krise mit Dutzenden Millionen Euro gestützt: So habe man Gaststätten und Kneipen annähernd 50 Millionen Euro Miete erlassen und mehr als 10 Millionen Euro aufgewendet, um 50.000 Standorte in 21 Ländern zu stützen.

          Für das laufende Jahr prognostiziert der Vorstand wegen des anhaltenden Lockdowns in vielen Ländern ein Betriebsergebnis unter dem Niveau von 2019. „Nur wenn die ganze Welt bis zu einem gewissen Grad geimpft ist, können wir sagen, dass wir es wirklich geschafft haben“, teilte van den Brink mit.

          Der Niederländer war erst im Juni an die Spitze von Heineken gerückt als Nachfolger des langjährigen Heineken-Chefs Jean-François van Boxmeer, der große Fußstapfen hinterlassen hatte. In dessen 15 Jahre dauernder Amtszeit hatte sich der Heineken-Umsatz mehr als verdoppelt – auch wegen zahlreicher Zukäufe.

          Van den Brink dürfte für seine Sparmaßnahmen die Rückendeckung von Charlene de Carvalho-Heineken haben, die nach dem Tod ihres Vaters Freddy Heineken 2002 dessen Anteile am Unternehmen geerbt hat und mit einem geschätzten Vermögen von rund 16 Milliarden Dollar laut Bloomberg heute die reichste Frau der Niederlande ist. Ihre Familie verfügt mittels einer komplizierten Konstruktion noch immer über die Kontrollmehrheit an dem Brauunternehmen. Heute gehören rund 250 Biermarken rund um die Welt zu Heineken – neben der namensgebenden Hauptmarke etwa Desperados, Foster‘s Murphy‘s, Krusovice, Birra Moretti und Amstel. In den Brauereien des Konzerns werden knapp 13 Prozent des globalen Bierausstoßes gebraut, damit liegt Heineken hinter AB Inbev (29 Prozent) in der globalen Rangliste auf Platz zwei noch vor Carlsberg aus Dänemark und dem chinesischen Braukonzern CR Snow (jeweils 6 Prozent).

          Zentrale der Heineken-Brauerei in Amsterdam
          Zentrale der Heineken-Brauerei in Amsterdam : Bild: dapd

          Auf dem deutschen Biermarkt spielt Heineken nur eine untergeordnete Rolle. Das Unternehmen hat hier nur rund 140 Mitarbeiter, die laut Heineken nicht vom Stellenabbau betroffen sind. Heineken ist in Deutschland zudem mit einem Anteil von 30 Prozent noch an der Paulaner Brauerei Gruppe in München beteiligt. Das Sagen dort hat aber die bayrische familiengeführte Schörghuber-Gruppe, der 70 Prozent der Anteile gehören. Paulaner gibt sich auf Nachfrage zurückhaltend: „Wir sehen wie Heineken die Notwendigkeit zu reagieren, sind aber nicht Teil der verkündeten Maßnahmen“, heißt es von Paulaner.

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