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Wetten gegen Europas Konzerne : Hedgefonds-Legende Ray Dalio tritt ab

Übergibt die Kontrolle an seine Nachfolger: Bridgewater-Gründer Ray Dalio Bild: Bloomberg/Getty Images

Mit seinem Hedgefonds Bridgewater hat Ray Dalio immer wieder auf den Kursverfall europäischer Konzerne gewettet – und nicht selten auf deren Schwachstellen hingewiesen. Nun übernimmt die nächste Generation.

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          Mit seinen Wetten gegen europäische Großkonzerne hat Ray Dalio immer wieder für Aufsehen gesorgt. Zuletzt hatte er mit seinem Hedgefonds Bridgewater im Juni dieses Jahres mit umfangreichen Leerverkäufen auf den Kursverfall deutscher Aktiengesellschaften wie Siemens, SAP und Adidas gesetzt. Im August waren fast alle diese Positionen aber wieder so weit verringert worden, dass sie nicht mehr meldepflichtig waren.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit Bridgewater Associates hat Dalio im Jahr 1975 einen Hedgefonds ins Leben gerufen, der heute mit einem verwalteten Vermögen von rund 150 Milliarden Dollar als einer der größten der Welt gilt. Nachdem Dalio schon in den vergangenen Jahren einen Teil seiner Macht und seiner Anteile an der Gesellschaft abgegeben hat, übergibt der 73 Jahre alte Dalio nun die Kontrolle ganz an seine Nachfolger, wie das Unternehmen mitteilte. Damit geht die Führung auf die beiden Ko-Vorstandsvorsitzenden Nir Bar Dea und Mark Bertolini sowie die beiden obersten Investmentstrategen Bob Prince und Greg Jensen über. In der Mitteilung von Bridgewater wird hervorgehoben, dass dieser Übergang von einer vom Gründer geführten Boutique zu einer unter der nächsten Generation fortbestehenden Institution nicht immer einfach gewesen sei.

          In der Tat verkörperte Dalio die im US-Bundesstaat Connecticut beheimatete Bridgewater-Gesellschaft ähnlich stark wie Warren Buffett seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway. Vor allem wegen seiner ausgiebigen Short-Wetten auf den Kursverfall von Aktien, die er gerne auch öffentlich kommentierte, wurde Dalio aber oft kritischer gesehen als Buffett.

          Sohn eines Jazzmusikers

          Dass Dalio einmal zu einem der mächtigsten Investoren der Welt werden würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Sein Vater war Jazzmusiker mit bescheidenem Besitz; aber mit einem Aktiendepot, wie Dalio kürzlich in einem Interview mir der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erzählte. So habe er seine erste Aktie mit zwölf Jahren gekauft. „Die Kombination aus dem Spielerischen und der Möglichkeit, Geld zu gewinnen oder verlieren, hat mich fasziniert“, berichtete er. „Und immer wenn ich 50 Dollar übrighatte, legte ich sie an der Börse an.“ Dalios Vermögen wird heute auf 19 Milliarden Dollar geschätzt.

          Fan von Aktien ist er geblieben. Vor allem in Zeiten der hohen Inflation sollten Anleger auf keinen Fall in Anleihen investieren, da diese schließlich in der Zukunft mit „entwertetem Geld“ zurückgezahlt würden. Doch Dalio macht sich auch Gedanken zum Leben jenseits der Börsen und veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt in diesem Sommer das Werk „Weltordnung im Wandel“. Darin warnt er vor den Parallelen der aktuellen Weltlage zu jener zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg.

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