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Haustechnik : Wie intelligent dürfen digitale Stromzähler sein?

Intelligenz im Haushalt: Moderner Stromzähler Bild: dpa

Auch private Haushalte sollen in den nächsten Jahren auf „Smart Meter“ umrüsten. Verbraucherschützer und Stadtwerke äußern Kritik.

          2 Min.

          Nach und nach sollen Privathaushalte in Deutschland auf digitale Stromzähler umrüsten. Eine konkrete Einbaupflicht für mehr als 30 Millionen Haushalte, die jährlich im Durchschnitt zwischen 3000 und 4000 Kilowattstunden Strom verbrauchen, ist allerdings weiterhin nicht vorgesehen. Nur Großverbraucher und Gewerbetreibende müssen vom kommenden Jahr an „Smart Meter“ einsetzen, wenn sie 10.000 Kilowattstunden oder mehr Strom verbrauchen. Vom Jahr 2020 an gilt dies auch ab 6000 Kilowattstunden. Zum Vergleich: Ein Dreipersonenhaushalt in einem Mehrfamilienhaus verbraucht gemäß Stromspiegel durchschnittlich 2900 Kilowattsunden Strom im Jahr.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Gesetz, welches am Donnerstagabend im Bundestag zur Verabschiedung stand, verfolgt den Plan, dass bis Ende des nächsten Jahrzehnts alle Messstellen im Lande mit digitalen Zählern ausgestattet sind. Stromlieferanten können ihren Kunden aber jederzeit die neuen Zähler als freiwilligen Service anbieten – bei einer festgelegten Kostenobergrenze von 40 Euro per anno für Haushalte mit einem Verbrauch bis zu 4000 Kilowattstunden. Das Sparvolumen soll in diesem Fall 20 Euro ausmachen. Mit dem Verbrauch wächst das Einsparpotential, aber zugleich auch der Preis des Versorgers für die digitalen Messgeräte. Für 6000 Kilowattstunden liegt die Deckelung bei 60 Euro, das von der Regierung angenommene Sparvolumen bei 40 Euro. „Kosten und Nutzen müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen“, heißt es im Gesetz, mit dem sich die Länder im Bundesrat dann am 8. Juli noch befassen werden.

          Mit der Digitalisierung soll künftig besser gesteuert und erfasst werden, wann und wo Strom gebraucht wird. Die intelligenten Geräte sollen detaillierten Einblick in das Verbrauchsverhalten geben und so Einsparpotentiale sichtbar machen. Die Idee: Stromkunden sehen, wann sie wie viel verbrauchen und ändern ihre Verhaltensweisen. Zum Beispiel könnten sie nachts, wenn der Strom billiger ist, ihre Waschmaschine laufen lassen. Verbraucherschützer übten im Vorlauf zum Gesetz Kritik an der Umrüstung für Privathaushalte. Zwang sei der falsche Weg, hieß es vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Für die meisten Haushalte lohne sich der Einbau nicht. Die „Smart Meter“ seien zu teuer, hülfen weder beim Sparen von Energie noch im Portemonnaie der Verbraucher. Die intelligenten Stromzähler bedeuteten einen gravierenden Einschnitt in die Souveränität der Stromkunden, ließen Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten zu.

          Sorgen über den Datenschutz

          Ein Vertrauensdefizit der Verbraucher zeigt eine aktuelle Umfrage des IT-Sicherheitsunternehmens Kaspersky Lab in Zusammenarbeit mit dem Analysedienst Statista. So gebe es „erheblichen Aufklärungsbedarf“ in der Bevölkerung. Mehr Akzeptanz werde nur entstehen, wenn Datenschutzbelange nachvollziehbar und die Sicherheit der Infrastruktur gewährleistet seien. Der Umfrage zufolge hat ein Drittel der Befragten kein Vertrauen in die digitale Erfassung und Abrechnung der Verbrauchsdaten. 71 Prozent der Nutzer äußerten Sorgen über den Datenschutz. Die neuen Messsysteme übermitteln teils im Viertelstundentakt, wie viel Strom von welchem Gerät im Haushalt verbraucht wird. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hält die Bedenken um einen gläsernen Verbraucher jedoch für unbegründet. Es werde einen wasserdichten Datenschutz geben. Die Zertifizierung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik soll gewährleisten, dass nur die Nutzer selbst sehen können, wann sie welche Stromgeräte wie benutzen.

          Derweil wehren sich Stadtwerke und Energieversorger dagegen, die Verbraucherdaten beim Stromverbrauch an die vier großen Betreiber der Übertragungsnetze einfach weitergeben zu müssen. Es geht hier um künftige Vermarktungserlöse aus dem Datenmanagement. Verbraucherschützer fürchten, dass die Daten durch eine unkontrollierte Weitergabe gezielt für kommerzielle Zwecke missbraucht werden könnten. Klar ist: Umfassende Smart-Home-Anwendungen bei Haus- und Wohnungsbesitzern besitzen Marktpotential. Selbst die Verbraucherschützer stellen den Vorteil heraus, wenn elektrische Geräte im Haushalt nicht nur vernetzt sind, sondern durch digitale Zähler zusätzlich auf Informationen des Strommarktes reagieren können.

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