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Hauptversammlung : Thyssen-Krupp-Chef räumt Fehler ein

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Heinrich Hiesinger räumt Rückschläge ein, verkündet aber keine tiefgreifenden Neuerungen. Bild: REUTERS

Thyssen-Krupp geht es überhaupt nicht gut. Nach einem weiteren Milliardenverlust nimmt Vorstandschef Hiesinger Fehler auf die eigene Kappe, will aber keine übereilten Veränderungen. Das strapaziert die Geduld der Aktionäre.

          Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger will sich auch nach einem weiteren Milliardenverlust des Konzerns nicht zu übereilten Entscheidungen hinreißen lassen. Der seit drei Jahren amtierende Vorstandschef warb am Freitag auf der Hauptversammlung des Konzerns bei den Anlegern weiter um Geduld. „Wir werden uns auch in Zukunft die Zeit nehmen, die notwendig ist, um Probleme fundiert anzupacken.“ Die grundlegenden Veränderungen benötigten Zeit. „Und wir haben auch den Mut da, wo es notwendig ist, Umwege in Kauf zu nehmen.“ Einen Schritt gab der Konzern am Freitag bekannt: Nach einer Serie von Korruptionsvorwürfen und Kartellverstößen berief der Aufsichtsrat den früheren Metro -Manager Donatus Kaufmann zum Vorstand für gute Unternehmensführung. An der Börse waren die ThyssenKrupp-Aktien gefragt: Am Vormittag kletterten die Papiere um knapp vier Prozent auf 19,42 Euro und waren damit größter Dax-Gewinner.

          Schon vor Beginn der Hauptversammlung hatte Hiesinger in ungewöhnlicher Offenheit eigene taktische Fehler eingestanden. In einem Interview mit der Zeitung „Handelsblatt“ sagte er in Bezug auf den missglückten Verkauf eines verlustbringenden Stahlwerks in Brasilien: „Sicherlich war es ein taktischer Fehler, den Verkauf des Stahlwerks bis zum vergangenen Mai angekündigt zu haben“. Auch auf die nur schleppend verlaufende Sanierung von Thyssen-Krupp insgesamt ging er ein und sagte, er hätte sich gewünscht alle Großbaustellen auf einen Schlag zu lösen, doch man müsse die Themen Stück für Stück anpacken.

          Während der Hauptversammlung bekräftigte Hiesinger die Prognose für das laufende Geschäftsjahr und kündigte an, die Schulden weiter zu senken. Thyssen-Krupp drückten Ende September Schulden von fünf Milliarden Euro. Etwas Erleichterung brachte danach eine Kapitalerhöhung. Im Geschäftsjahr 2012/13 (per Ende September) fuhr der Konzern einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro ein. Dieser habe sich damit zwar verringert, sei aber „für uns alle absolut unbefriedigend“, räumte Hiesinger ein.

          Im laufenden Jahr steuert Thyssen-Krupp nach eigenen Angaben deutlich „in Richtung eines ausgeglichenen Ergebnisses“. Wann das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreibt, ist aber offen. Hiesinger hat noch einen Vertrag bis September 2015. Er hat eine Reihe von Problemen vom früheren Management geerbt und versucht, den Konzern stärker auf das Technologiegeschäft mit Anlagen, Aufzügen und U-Booten und weniger auf das konjunkturanfällige Stahlgeschäft auszurichten. „In allen Geschäftsbereichen, mit Ausnahme von Steel Americas, haben wir im vergangenen Jahr ein positives operatives Ergebnis erzielt“, sagte er.

          Der Umbau des Konzerns geht indes einigen Aktionären nicht schnell genug. Die Anleger erhalten das zweite Mal in Folge keine Dividende. Finanzinvestoren wie Cevian aus Schweden dürften nun aufs Tempo drücken. Cevian hält knapp elf Prozent an Thyssen-Krupp und gilt als aktivistischer Investor, der auch bei der Strategie mitmischen will. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Investor auch in den Aufsichtsrat drängen wird. Auf der Rednerliste für die Hauptversammlung standen die Schweden jedoch nicht. Wer gehofft hatte, mehr von ihren Plänen zu erfahren, wurde enttäuscht.

          Hiesinger verteidigte den Entschluss, mit der Anlage in den Vereinigten Staaten zunächst nur eines der beiden verlustreichen Stahlwerke in Übersee zu verkaufen. „Knackpunkt bei den Verhandlungen war nicht der Verkaufspreis.“ Vielmehr seien die umfassenden Lieferverträge das Haupthindernis gewesen. Nach einer Reihe von Problemen waren die Kosten für die Werke auf fast 13 Milliarden Euro explodiert. Thyssen-Krupp will sich auf Dauer auch weiter von dem Werk in Brasilien trennen. Dies sei für die Schwierigkeiten aber nicht alleine verantwortlich. Die Verluste von Steel Americas hätten sich zuletzt nahezu hälftig zwischen Brasilien und den Vereinigten Staaten aufgeteilt.

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