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Aktionäre rüsten zum Kampf : Immer Ärger um die Boni!

  • -Aktualisiert am

Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, hat am Donnerstag eine anstrengende Hauptversammlung zu überstehen. Bild: Getty

Die Deutsche Bank hat neue Prämien für Vorstände erfunden. Das passt den Aktionären gar nicht. Was bedeutet das für die bevorstehende Hauptversammlung? Eine „Ohrfeige für den Aufsichtsrat“?

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          Immer diese Boni! Nichts als Ärger! Da hat die Deutsche Bank den Bonus für den Vorstand nach einem Rekordverlust gestrichen – und trotzdem gibt es Krach: Vor der Hauptversammlung am Donnerstag zetteln maßgebliche Investoren eine Revolte an. Die neuen Vergütungsregeln lehnen sie rundweg ab. Wenn der jeweilige Bereich eines Vorstandes läuft, so schlägt es der Aufsichtsrat mit Paul Achleitner an der Spitze vor, dann sollen extra Prämien fließen. „Die Kriterien und Zielvorgaben eines wesentlichen Teils des neuen Systems sind intransparent“, kritisiert Hans-Christoph Hirt, Ko-Chef der britischen Firma Hermes EOS, einer der wichtigsten Aktionäre der Bank.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schärfer ausgedrückt: Der Aufsichtsrat kann freihändig Bonbons ans Management verteilen. Das passt einflussreichen Investoren nicht. Hirt, so viel ist sicher, wird am Donnerstag in der Frankfurter Festhalle gegen das neue Bonussystem stimmen, wie wahrscheinlich die Mehrheit der Investoren (denen die Bank die Dividende gestrichen hat). „Es würde mich wundern, wenn die Deutsche Bank ohne deutliche Abmahnung der Aktionäre damit durchkommt“, sagt Hirt und prophezeit eine „Ohrfeige für den Aufsichtsrat“.

          Keine Scheu mehr vor dem Konflikt

          Für diese Prognose sprechen vor allem die drei Namen, die heutzutage maßgeblich sind für die Mehrheitsverhältnisse in den Hauptversammlungen: ISS, Ivox und Glass Lewis sind sogenannte Stimmrechtsberater. An ihren Empfehlungen richten professionelle Investoren, und auf die kommt es an, ihr Urteil aus – und dies lautet in diesem Fall in völliger Eintracht: Nein zum neuen Bonussystem der Deutschen Bank. Es bedarf keiner weiteren variablen Vergütung, um Vorstände zu motivieren, lautet ein Grund (so ähnlich hat Bankchef John Cryan es übrigens selbst schon formuliert).

          Gehälter in diesen Größenordnungen sind eh nicht mehr zu vertreten, ist der nächste Einwand. Verwerflich schließlich sei die „unerklärte und drastische Erhöhung“ der Fixgehälter. In Großbritannien rollt die Protestbewegung der Aktionäre schon die ganze Saison. BP – als das prominenteste Beispiel – wurde gerade schmachvoll gerüffelt für überzogene Gehälter des Spitzenpersonals bei mangelnder Leistung. „Wenn es um die Vergütung geht, haben Investoren keine Scheu mehr, sich gegen das Management aufzulehnen“, sagt Hirt.

          Was muss passieren, damit die Bank einknickt?

          Einen Vorstand davonzujagen, einen Aufsichtsrat weg zu putschen, das mag wohlüberlegt sein: Was kommt danach? Den leitenden Herren eines Konzerns aber die Boni zu streichen, wenn deren Leistung nicht danach ist – das ist den Aktionären heute ein Leichtes. Hans-Christoph Hirt wundert sich deshalb, warum der Deutschen Bank im Vorfeld offenbar die Sensibilität für das Thema gefehlt hat. So ziehe sie in einen „völlig unnötigen Konflikt mit den Aktionären“.

          Das Votum der Eigentümer ist freilich nicht bindend, was das neue Vergütungssystem betrifft. Eine Niederlage in der Hauptversammlung wäre für den Aufsichtsrat zwar eine Blamage, aber rechtlich folgenlos. Die spannende Frage ist nun: Wie hoch darf die Ablehnung sein, damit Paul Achleitner sie noch ignorieren kann? Was muss passieren, damit die Bank einknickt und die Boni-Regeln überdenkt? Von der Deutschen Bank gibt es dazu keinen Kommentar.

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