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Hauptversammlung : Ausländische Anleger attackieren Siemens-Aufsichtsratchef Cromme

  • Aktualisiert am

Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Bild: picture-alliance/ dpa

Siemens kommt nicht zur Ruhe. Auf der heutigen Hauptversammlung stand einmal mehr die Korruptionsaffäre im Mittelpunkt. Ausländische Aktionäre fordern weitere Konsequenzen - insbesondere von Aufsichtsratchef Gerhard Cromme.

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          Ausländische Aktionäre von Siemens sind immer noch empört. „Vor allem der Schock der anhaltenden Korruptionsaffäre sitzt noch tief“, urteilt Roland Rott, der heute auf der Hauptversammlung von Siemens die Interessen mehrerer großer Fonds vertrat. „Und deren Konsequenzen sind in vollem Ausmaß noch nicht absehbar: die zu erwartende SEC-Strafe in Milliardenhöhe einschließlich der Kosten für Anwälte und Berater in dreistelliger Millionenhöhe kann durchaus die Größenordnung eines Jahresgewinns erreichen. Hinzu kommen der kaum meßbare Reputationsschaden und negative Auswirkungen auf das operative Geschäft.“

          Daher halten es ausländische Aktionäre für besonders wichtig, noch klarere Strukturen im Siemens-Konzern zu schaffen. Auf der Hauptversammlung unterstützte Rott den neuen Vorstandschef Peter Löscher. Starke Kritik musste dagegen der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme ertragen.

          Was kritisieren wichtige ausländische Anleger an Siemens?

          Er ist nicht belastet, also wird er entlastet: Siemens-Chef Peter Löscher

          1. Die Vergütung des Siemens-Vorstandes orientiert sich zu wenig am Aktienkurs. Das ist im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich.

          Die Überarbeitung der Vergütungspolitik für Vorstand und Aufsichtsrat sollte weit oben auf der Agenda stehen. Vergütungsfragen liegen in der Verantwortung des Aufsichtsrats, dieser Verantwortung gilt es, in Zukunft besser gerecht zu werden. Herr Löscher, Sie haben bereits bei einer Analystenveranstaltung im November sehr deutlich darauf hingewiesen, daß die aktuelle Vergütungspolitik für den Vorstand nicht ausreichend an den Interessen der Aktionäre ausgerichtet ist. Dem stimmen wir voll und ganz zu. Bislang fällt vor allem auf, daß nur 20 Prozent der Gesamtvergütung an der Aktienkursentwicklung orientiert sind. Der Anteil bei vergleichbaren Wettbewerbern ist doppelt so hoch. (Die verbleibenden 80 Prozent der Gesamtvergütung entfallen auf das Grundgehalt und die variable Barvergütung, die wesentlich an Bilanzgrößen orientiert ist wie EVA-Ergebnis und Geldsaldo-Zielen). Auch die mangelnde Differenzierung der Vergütung für die einzelnen Vorstandsmitglieder entspricht nicht der Realität ihrer jeweiligen Verantwortung oder. Performance. Weiterhin ist der Aktienbesitz der Verwaltung mit lediglich 0,06 Prozent des Grundkapitals ausgesprochen niedrig. Europäische Vergleichsunternehmen wie ABB und Daimler haben deutlich höhere Quoten von 0,4 Prozent und 0,7 Prozent.

          2. Die Vergütung des Aufsichtsrates provoziert Interessenkonflikte. Von dem Aktienrückkaufprogramm profitieren Mitglieder des Aufsichtsrates, ohne dass die Performance des Unternehmens steigt.

          Auch die Vergütung des Aufsichtsrats ist nicht optimal strukturiert. Der variable Anteil fällt in diesem Jahr mit über 60 Prozent der Gesamtvergütung viel zu hoch aus. Maximal ein Drittel wäre hier angemessen, um die Bedeutung der Überwachungsfunktion zu unterstreichen. Es wäre noch besser, den erfolgsorientierten Anteil durch eine feste Vergütung zu ersetzen - so wie es international üblich ist, um bereits dem Anschein eines Interessenkonfliktes entgegenzuwirken. So ist die am Gewinn pro Aktie orientierte variable Komponente nicht zielführend wie am Beispiel des heute zu beschließenden Aktienrückkaufsprogramms gezeigt werden kann: allein durch das Rückkaufprogramm steigt die Vergütung des Aufsichtsrats in den kommenden drei Jahren um bis zu 10 Prozent, ohne daß dies auf eine Steigerung der Unternehmensperformance zurückzuführen wäre. Denn der Rückkauf führt (ceteris paribus) durch die verringerte Anzahl ausstehender Aktien zu einer rein kalkulatorischen Erhöhung des Gewinns pro Aktie.

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