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Hauptversammlung : Allianz-Aktionäre schließen das Kapitel Dresdner Bank ab

Die Aktionäre kommen Bild: ddp

Viel schlimmer hätte das Kapitel Dresdner Bank nicht enden können. Darin waren sich die Aktionäre auf der Hauptversammlung einig. Kritik gab es bei Boni und Prämien.

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          Viel schlimmer – da waren sich die Allianz-Aktionäre im weiten Rund der Olympia-Halle einig – hätte das Kapitel Dresdner Bank nicht enden können. „Tiefrote Spuren“ habe die marode Bank in der Bilanz des Versicherungskonzerns hinterlassen, klagte ein Aktionär, von einem „14 Milliarden teuren Ausflug in die Allfinanz“ sprach ein anderer. Und als in der Hauptversammlung ein Anteilseigner dem Vorstand gratulierte, beim Verkauf an die Commerzbank „überhaupt noch Geld für die Dresdner“ bekommen zu haben, konnten sich Beobachter nicht sicher sein, ob das nun purer Sarkasmus war – zutiefst verärgert zeigten sich manche der gut 3000 Besucher.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Die Aktionärsschelte traf nicht nur den Vorstand um den Vorsitzenden Michael Diekmann. Auch für den Aufsichtsratsvorsitzenden Henning Schulte-Noelle geriet die Begegnung mit den Aktionären zu einer wenig willkommenen Erinnerung in eigener Sache: 2001 hatte Schulte-Noelle die Übernahme für stolze 24 Milliarden Euro eingefädelt und das Allfinanzkonzept eines eng verzahnten Versicherungs- und Bankkonzerns beschworen. Acht Jahre später blieb dem Grandseigneur der deutschen Finanzindustrie nichts anderes übrig, als kleinlaut Verständnis zu zeigen: „Ich bin genauso enttäuscht wie Sie“, sagte Schulte-Noelle. „Mit dem Wissen von heute ist es leichter, die Entscheidung von damals zu beurteilen.“ Entschuldigen wollte er sich nicht. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) verweigerte Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung. „Ich kann dieses Armutszeugnis nicht einfach durchwinken“, sagte Bergdolt unter großem Beifall. Trotzdem wurden Vorstand und Aufsichtsrat am Ende mit einer Zustimmung von jeweils mehr als 97 Prozent entlastet.

          Diekmann räumt „Fehlsteuerungen und Fehlanreize“ ein

          Für Vorstandschef Diekmann hatte der Tag der Abrechnung schon nicht schlecht begonnen. Auffallend braun gebrannt und guter Dinge trat er vor die Versammlung, im Gepäck vorläufige Zahlen zum ersten Quartal: Danach hat die Allianz zwar operativ fast 1 Milliarde Euro weniger verdient als ein Jahr zuvor. Aber es blieb immerhin noch ein Gewinn von voraussichtlich 1,3 Milliarden Euro, der deutlich über dem Ergebnis des vierten Quartals von 956 Millionen Euro lag. Das Nettoergebnis sei angesichts weiterer Abschreibungen auf Finanzanlagen „in etwa ausgeglichen“, sagte Diekmann. Und die Dresdner Bank dürfte die Ertragsrechnung der Allianz mit 400 Millionen Euro belasten – ein letztes Mal. Der Umsatz stieg vor allem wegen eines guten Lebensversicherungsgeschäfts von 27,0 auf 27,7 Milliarden Euro. An der Börse kam das gut an: Der Kurs der Allianz-Aktie gewann zeitweise mehr als 3 Prozent.

          Eine Vorschau auf das laufende Jahr vermied der Vorstand. „Ich möchte nichts versprechen, was ich nicht halten kann“, sagte Diekmann. Den meisten Aktionären ging es ohnehin vorrangig um die Rückschau. Harsche Kritik handelte sich der Vorstand wegen umstrittener Boni, Abfindungen und Halteprämien für Vorstände und Investmentbanker der Dresdner Bank ein. Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte, „Tantiemen und Bleibeprämien über 400 Millionen Euro“ würden an Leute gezahlt, die die ehemals stolze Bank an den Rand der Zwangsschließung geführt hätten. Diekmann räumte zwar „Fehlsteuerungen und Fehlanreize“ ein, stellte jedoch klar, dass gewisse Zahlungen notwendig gewesen seien, um die Bank gerade in der Finanzkrise am Laufen zu halten: „Mir liegt auch daran, dass Sie nachvollziehen, dass es keine Abfindungsexzesse gegeben hat.“

          Ebenfalls beruhigend für die Aktionäre: Neues Kapital ist nach den Worten des Vorstandschefs nicht nötig. Die Allianz habe „auch bei widrigen Marktverhältnissen genügend Mittel, um keine neuen Aktien ausgeben zu müssen“, sagte Diekmann. Eine Kapitalerhöhung oder ein Einstieg des Staates stehe nicht auf der Tagesordnung. Trotz des Verlusts zahlt die Allianz für 2008 eine Dividende von 3,50 (Vorjahr: 5,50) Euro je Aktie.

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