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Hauptstadtflughafen : Air Berlin will Millionen wegen geplatzter BER-Eröffnung

Air Berlin fordert 48 Millionen Euro Schadenersatz Bild: REUTERS

48 Millionen Euro fordert Air Berlin für Belastungen wegen der mehrfach verschobenen Eröffnung des Hauptstadtflughafens. Am Mittwoch wird darüber vor Gericht verhandelt.

          Als Hauptkunde des künftigen Hauptstadtflughafens BER sieht sich die Fluggesellschaft Air Berlin besonders durch die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins belastet. Wie an diesem Dienstag bekannt wurde, verlangt Deutschlands zweitgrößtes Luftverkehrsunternehmen von der Flughafengesellschaft 48 Millionen Euro Schadenersatz.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das sagte ein Sprecher des Potsdamer Landgerichts am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Am Mittwoch soll vor dem Gericht über die von Air Berlin angestrengte Klage verhandelt werden. Die Airline will demnach feststellen lassen, dass der Flughafenbetreiber grundsätzlich zu Schadensersatz verpflichtet ist, und außerdem die Erstattung laufender Mehrbelastungen bis zur BER-Eröffnung erstreiten.

          Von der Flughafengesellschaft heiß es, man äußere sich nicht zu einem laufenden Verfahren. Auch Air Berlin bestätigt die Höhe der Forderung nicht. Allerdings hatte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Prock-Schauer am Montag auf einer Veranstaltung des Unternehmens davon gesprochen, dass Air Berlin einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ fordere.

          Außergerichtliche Einigung möglich

          Ein Grund dafür, dass die Fluggesellschaft ihre Forderung nicht offensiv nach außen trägt, dürfte darin liegen, dass Air Berlin an einer schnellen Kompensation gelegen ist, die aus Sicht des Unternehmens auch ohne eine Gerichtsentscheidung möglich ist. „Wir sind offen für eine außergerichtliche Einigung. Aber da gehören immer zwei dazu“, sagte Prock-Schauer – wohl an den Flughafen und dessen Eigner – den Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg – gerichtet.

          Pikant an der Auseinandersetzung ist, dass die Klage von Air Berlin eingereicht wurde, als noch Prock-Schauers Vorgänger Hartmut Mehdorn auf dem Chefposten der Fluggesellschaft saß. Vor fast genau einem Jahr erfolgte der Wechsel. Im März 2013 übernahm Mehdorn den Chefposten in der Geschäftsführung der Berliner Flughafengesellschaft – und sitzt seitdem in der Auseinandersetzung formal auf der anderen Seite.

          Zwischenzeitlich hatte Mehdorn seinem früheren Arbeitgeber einen Einigungsvorschlag unterbreitet. Am Montag deutete Mehdorn vor dem Flughafen-Untersuchungsausschuss des Brandenburger Landtags an, der Vorschlag sei an den Flughafeneigentümern gescheitert. Im Aufsichtsrat hätte sie einem Schadenersatzangebot von 10 Millionen Euro nicht zugestimmt.

          Der wichtigste Kunde

          Air Berlin ist der wichtigste Kunde der Berliner Flughafengesellschaft. Mit 64 aus der deutschen Hauptstadt angesteuerten Zielen ist die zweitgrößte Fluggesellschaft des Landes in Berlin Marktführer. Doch obwohl die Hauptstadt das zentrale Drehkreuz der Gesellschaft sein soll, bietet Air Berlin aktuell mehr Transatlantikflüge von Düsseldorf statt von Berlin aus an.

          Prock-Schauer begründete dies am Montag auch mit der Enge, die auf dem Flughafen Berlin-Tegel herrsche. Als weiteres Hindernis kommt hinzu, dass Air Berlin seine Flüge von Tegel abwickelt, während der neue 2012 fertiggestellte Wartungshangar der Gesellschaft am Rande des BER-Geländes steht.

          Trotz der beschränkten Platzverhältnisse auf dem alten West-Berliner Flughafen hat sich Air Berlin aber darauf eingestellt, auch im kommenden Jahr von Tegel aus zu starten. Prock-Schauer verdeutlichte, dass der Gesellschaft aktuell mehr an einem Umzugstermin liegt, auf den sie sich verlassen kann als auf einem schnell angesetztes Datum. „Wir wollen einen gut geplanten Eröffnungstermin mit langem Vorlauf“, sagte er.

          Der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Hartmut Mehdorn, hatte am Montag gesagt, er strebe einen Abschluss der Bauarbeiten noch in diesem Jahr an. Allerdings nannte er keinen Eröffnungstermin. Nach Abschluss der Arbeiten seien noch umfangreiche TÜV-Abnahmen und Genehmigungen nötig, deren Dauer noch nicht absehbar seien. Außerdem strebt Mehdorn an, schon ab Juli in einem Testbetrieb bis zu zehn Flugzeuge am Tag auf dem neuen Flughafen abzufertigen. Dafür soll der Nordflügel, den nach der Eröffnung Billigfluggesellschaften nutzen sollen, vorübergehend ausgerüstet werden. Allerdings fehlen dafür noch die nötigen Genehmigungen und die Zustimmung des Flughafen-Aufsichtsrats.

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