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Verbindungen zur FPÖ? : Marsaleks Geheimkontakte

Jan Marsalek: Von dem Ex-Wirecard-Manager fehlt jede Spur. Bild: © wirecard

Seit gut zwei Wochen ist der frühere Wirecard-Manager auf der Flucht. Nun werden neue Details über Jan Marsalek bekannt: Er soll Kontakte in die österreichische Geheimdienstszene haben und könnte in die „Ibiza-Affäre“ verstrickt sein.

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          Noch immer fehlt von Jan Marsalek jede Spur. Der ehemalige Wirecard-Vorstand, gegen den ein Haftbefehl vorliegt, ist seit gut zwei Wochen auf der Flucht. Dass der Manager, der tief verstrickt ist in den Bilanzskandal des Münchner Dax-Konzerns, über gute Kontakte in die Geheimdienstszene verfügt, wird seit längerem gemutmaßt. Wie gut sie sind und zu wem der 40 Jahre alte Österreicher in Beziehungen stand, darauf liefert nun ein Medienbericht einige Hinweise.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          So soll Marsalek einem Mittelsmann geheime Informationen aus dem österreichischen Bundesamt für Verfassungsschutz (BVT) und dem Innenministerium an die rechtspopulistische FPÖ weitergegeben haben, heißt es in der Tageszeitung „Die Presse“. Beleg dafür sollen SMS-Chatprotokolle zwischen dem ehemaligen FPÖ-Politiker Johann Gudenus und dessen Vertrauten Florian S. sein.

          Die Information über Marsalek reicht hinein in einen anderen Skandal: In der sogenannten „Ibiza-Affäre“ hatten Gudenus und der damalige österreichische FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache ihre Bereitschaft zu illegaler Parteienfinanzierung und zur verdeckten Übernahme der Kontrolle über parteiunabhängige Medien signalisiert.

          Prahlen mit einem Nervengift

          Im Zuge dieser Ermittlungen war das Handy von Gudenus beschlagnahmt worden, auf dem die fraglichen Textnachrichten mit dem Gesprächspartner „Jan“ gespeichert sind. Bei ihm soll es sich um Jan Marsalek handeln. Die Informationen, die Marsalek angeblich weitergab, schürten laut „Presse“ das Misstrauen der FPÖ gegen den damaligen Koalitionspartner ÖVP und sollen den Skandal um das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) mit ausgelöst haben. Beamte dort stehen unter anderem im Verdacht, südkoreanischen Geheimagenten nordkoreanische Passrohlinge beschafft zu haben. Das österreichische Innenministerium kündigte an, den Vorwürfen gegen Marsalek nachzugehen, schließt aber aus, dass Marsalek unter seinem echten Namen als Informant tätig war.

          Jan Marsalek war bis zum Skandal um den Finanzdienstleister Wirecard dort Manager.

          Die britische „Financial Times“, die früh über mögliche Bilanzfälschungen des Dax-Konzerns berichtet hat, schreibt wiederum, dass Marsalek mit Geheimdokumenten bei seinen Gesprächspartnern prahlte. Darunter war offenbar die geheime Formel von Nowitschok, dem Nervengift, das bei dem Mordversuch an dem früheren russischen Agenten Sergej Skripal eingesetzt wurde.

          Marsalek war bei Wirecard für das Asien-Geschäft verantwortlich. Vor drei Wochen musste der Wirecard-Vorstand gestehen, dass Firmengelder über 1,9 Milliarden Euro, die auf asiatischen Treuhandkonten verbucht waren, sehr wahrscheinlich gar nicht existieren. Kurz darauf meldete der Konzern Insolvenz an. Während sich der Vorstandsvorsitzende Markus Braun der Justiz stellte und gegen eine Kaution von 5 Millionen Euro aus der Untersuchungshaft wieder entlassen wurde, ist Marsalek flüchtig. Seine Spur verlor sich auf den Philippinen. Doch waren die Daten, die Marsaleks Einreise und Ausreise Ende Juni dokumentieren sollen, offenbar gefälscht. Das jedenfalls behauptet der philippinische Justizminister.

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