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Handy des Amazon-Gründers : Hat der saudische Kronprinz Jeff Bezos gehackt?

Amazon-Chef Jeff Bezos Mitte Januar bei einem Firmenevent im indischen Neu Delhi. Bild: Reuters

Einem Bericht zufolge soll der Amazon-Chef von Muhammad Bin Salmans persönlichem Konto eine infizierte Whatsapp-Nachricht bekommen haben. Das wirft Fragen auf, ob es einen Zusammenhang zum ermordeten Dissidenten Jamal Khashoggi gibt. Und zu einem Boulevardskandal um Bezos.

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          Die Geschichte war auch bisher schon abenteuerlich genug: Anfang vergangenen Jahres verkündete Jeff Bezos, Vorstandsvorsitzender des Online-Händlers Amazon.com und reichster Mensch der Welt, das Ende seiner langjährigen Ehe. Kurz danach veröffentlichte das amerikanische Klatschblatt „National Enquirer“ eine pikante Enthüllungsgeschichte über eine außereheliche Affäre von Bezos und machte dabei auch schlüpfrige Textnachrichten publik, die er verschickt haben soll.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Sache wuchs sich wenig später zu einer Verschwörungsgeschichte aus, als der Amazon-Chef öffentlich den Vorwurf erhob, Opfer eines Erpressungsversuchs geworden zu sein. Er machte Briefe aus dem Verlag des „National Enquirer“ publik, in denen ihm mit der Veröffentlichung anzüglicher Fotos gedroht wurde, die er mit seiner Geliebten ausgetauscht haben soll. Und er suggerierte, bei dem Erpressungsversuch könnten die Verbindungen des „National Enquirer“-Verlegers David Pecker zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump und nach Saudi-Arabien eine Rolle gespielt haben. Er heuerte einen renommierten Sicherheitsspezialisten an, der Sache nachzugehen, und der schrieb im vergangenen März in einem Beitrag für die Publikation „Daily Beast“, nach eingehender Prüfung lasse sich „mit hoher Sicherheit“ sagen, dass die Saudis Zugang zu Bezos‘ Smartphone hatten und an private Informationen gelangt waren. Er sprach auch von einem „engen Verhältnis“ zwischen dem Verleger und dem saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman.

          Videobotschaft mit Schadsoftware

          Nun hat die britische Zeitung „The Guardian“ der Angelegenheit eine weitere dramatische Wendung gegeben. In einem explosiven Bericht heißt es, Jeff Bezos sei das Opfer eines Hacking-Angriffs geworden, der vom persönlichen Whatsapp-Konto des Kronprinzen ausgegangen sei. Bezos und Bin Salman hätten auf dem Kurzmitteilungsdienst zunächst einen „scheinbar freundlichen Austausch“ gehabt, bis dann am 1. Mai 2018 ein mit Schadsoftware infiziertes Video an Bezos geschickt worden sei. Innerhalb von Stunden seien dann „große Mengen von Daten“ aus dem Smartphone des Amazon-Chefs herausgezogen worden. Dieser Hergang werde in einer „digitalen Forensikanalyse“, auf die sich die Zeitung beruft, als „hochwahrscheinlich“ beschrieben.

          Die Zeitung sagt, sie wisse nicht, welche Daten genau von Bezos‘ Handy erbeutet worden seien. Sie stellt aber einen Zusammenhang zu der Veröffentlichung im „National Enquirer“ knapp neun Monate später her. Der Verlag des Klatschblatts hat bislang gesagt, er habe die Informationen vom Bruder von Bezos‘ Geliebter bekommen, und „keinerlei dritte Partei“ sei in irgendeiner Weise involviert gewesen. Saudi-Arabien hat einen Hacking-Angriff auf Bezos bestritten.

          Rolle der „Washington Post“

          In dem Bericht ist von Experten die Rede, die der Auffassung seien, Bezos sei ins Visier genommen worden, weil ihm neben seiner Rolle bei Amazon auch die „Washington Post“ gehöre und den Saudis die kritischen Berichte und Kommentare über ihr Land missfielen. Dazu hätten auch von der „Washington Post“ publizierte Kolumnen des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi gehört, der im Oktober 2018, also einige Monate nach dem angeblichen Hacking-Angriff auf Bezos, in Istanbul umgebracht wurde. Der amerikanische Geheimdienst CIA kam zu dem Schluss, dass Bin Salman persönlich die Ermordung angeordnet hatte. Trotz dieser Einschätzung hat Präsident Donald Trump weiter ein freundliches Verhältnis zu Saudi-Arabien und dem Kronprinzen kultiviert.

          Trump ärgert sich selbst regelmäßig über die Berichterstattung der „Washington Post“ und hat die Zeitung wie auch Amazon und Bezos persönlich regelmäßig auf Twitter attackiert. Es gibt Anzeichen dafür, dass dies das Geschäft von Amazon in Mitleidenschaft zieht. Amazon behauptet, einen kürzlich vergebenen Milliardenauftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums deswegen nicht bekommen zu haben, weil Trump Druck ausgeübt habe. Trump führe einen „persönlichen Rachefeldzug“ gegen Amazon, Bezos und die „Washington Post“, heißt es in einer Klage, mit der Amazon gegen die Entscheidung bei dieser Auftragsvergabe vorgeht.

          Als Jeff Bezos im vergangenen Jahr den Vorwurf der Erpressung erhob, sagte er, die „Washington Post“ mache sein Leben „komplexer“. Es sei unvermeidbar, dass „bestimmte mächtige Leute“, über die in der Zeitung berichtet werde, der Meinung seien, er sei ihr Feind. Bezos nannte dabei Trump ausdrücklich als Beispiel und fügte hinzu, dass auch die Berichterstattung über den Khashoggi-Mord „ohne Zweifel in bestimmten Zirkeln unpopulär“ sei. Trotzdem bereue er den Kauf der „Washington Post“ nicht. Und wenn er das Glück habe, einmal 90 Jahre zu werden und dann über sein Leben nachdenken, werde er auf nichts so stolz sein wie auf seine Rolle bei der Zeitung.

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