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Hasso Plattner : „Ich werde alles tun, damit SAP wieder happy wird“

SAP-Mitgründer Hasso Plattner Bild: Archivbild 2004

Europas größtes Softwarehaus steckt in schwer bewegten Zeiten. Das Betriebsklima gilt als schlecht, die Mitarbeiter sind unzufrieden, viele Kunden verprellt, die Aktionäre gefrustet. Das kostet Vorstandschef Leo Apotheker nun den Posten. Seine Nachfolger haben einiges vor sich.

          Europas größtes Softwarhaus steckt in schwer bewegten Zeiten. Das Betriebsklima gilt als schlecht, die Mitarbeiter sind unzufrieden, viele Kunden verprellt, die Aktionäre gefrustet. Das kostet dem kaum seit zwei Jahren amtierenden Vorstandschef Leo Apotheker nun den Posten. Damit wird Platz für die neue Führungsriege um den Amerikaner Bill McDermott und den Dänen Jim Hagemann Snabe.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir sind ein börsennotiertes Unternehmen und daher sind wir gewinnorientiert“, sagte Hasso Plattern, Aufsichtsratschef, Gründer und einer der größten Anteilseigner von SAP. „Doch um Gewinn zu machen, muss man auch happy sein, und ich werde alles tun, damit SAP wieder happy wird.“ In den vergangenen Monaten war die Unzufriedenheit der Mitarbeiter, Partner und Kunden spürbar gewachsen. Die Markteinführung einer neuen Software für den unternehmerischen Mittelstand musste aufgrund einiger Pannen in den verschiedenen SAP-Entwicklungszentren auf der Welt mehrfach verschoben werden.

          Die drei Gründer halten noch 27 Prozent der Aktien

          Leo Apotheker hatte SAP vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen des Nachfrageverhaltens der Softwarekunden und neuer Computertechniken zwar einige zeitgemäße Management- und Geschäftsmethoden verpasst. Doch dabei habe er viel Vertrauen verspielt, hieß es bei der Nutzervereinigung DSAG. So müssen McDermott und Snabe nun richten, was schief gelaufen war, und das war einiges: Ganz oben auf der Liste steht der rasant gewachsene Frust über Programme und Dienstleistungen von SAP. Vielen Nutzern waren die Produkte zu kompliziert, Neuentwicklungen zu undurchsichtig, die Gewinnspannen von SAP mit 27 Prozent zu hoch, Leistungen und Produkte daher um einiges zu teuer. Als der Vorstand im Herbst 2008 ankündigte, höhere Gebühren für die Wartung seiner auf den jeweiligen Rechnern der Unternehmen installierten Software-Systeme zu verlangen, gingen viele Kunden auf die Barrikade. Der SAP-Vorstand um Apotheker hielt dagegen. Er verwies auf seine seit Jahren konstant gebliebenen SAP-Wartungspreise. Die Nutzervereinigung DSAG aber meinte, die Weltwirtschaftskrise habe tiefe Spuren durch die Bilanzen der Unternehmenskunden gezogen. Daher könnten sie die Mehrbelastung durch höhere IT-Ausgaben nicht vertragen. In Zeiten einer solchen Krise die Preise zu erhöhen, sei instinktlos, hieß es bei der DSAG. Dagegen erklärte Leo Apotheker, Konkurrenten wie Oracle verlangten schon seit Jahren höhere Gebühren. Diese Gebühren bemessen sich an den Kaufpreisen für Unternehmenssoftware. SAP verlangte 18 Prozent des Kaufpreises, Oracle mehr als 20 Prozent.

          Die neue SAP-Doppelspitze: Jim Hagemann Snabe (l) und Bill McDermott

          SAP wollte nachziehen. Doch die Kunden wehrten sich. Die DSAG blieb daher hart, Apotheker auch. Der Druck wuchs, als alte Kunden mit ihren Beschwerden den Vorstand umgingen. Sie wandten sich direkt an den Aufsichtsrat von SAP. Dort sitzt Hasso Plattner an der Spitze. Er ist einer von drei Gründern des Unternehmens, die zusammen heute noch 27 Prozent der Anteile an SAP halten. Plattner galt weder als Vertrauter, noch als Freund von Apotheker. Gleichwohl hatte er ihn im April 2008 auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden gesetzt. Damals hatte Plattners Wunschkandidat für den Sessel des Vorstandschefs, Shai Agassi, SAP überraschend verlassen. So rückte Apotheker nach. Zunächst stand er gemeinsam mit Henning Kagermann an der Spitze von SAP. Als der im Mai 2009 in Pension ging, war Apotheker alleiniger Vorstandschef.

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