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Computerpioniere in Deutschland : Zeit der Gründer

Berliner Hoffnung: Nagual-Marketingchef Matthias Strobel, Komponist Mark Moebius und der Mann für die Geschäfte, Artur Reimer (v.l.) Bild: Pein, Andreas

Computer und Software verändern die Wirtschaft und die Welt. Auch in Deutschland entstehen neue Unternehmen – doch Geldgeber finden sie selten. Ein Altmeister der Branche zeigt ihnen den Weg.

          Artur tanzt. Vor ihm die Kamera, hinter ihm der Computer, neben ihm der Lautsprecher. Der Klang eines Synthesizers schwebt durch den Raum. Artur macht zwei Schritte vor und einen zurück. Eine Trommel setzt ein. Er tänzelt zur Seite. Ein Bass erklingt. Artur dreht sich im Kreise. Die Trommel schlägt schneller, der Bass wird lauter, ein Himmel voller Geigen. Plötzlich bleibt Artur stehen. Die Musik bricht ab. Stille. Er hat es geschafft. Das Programm läuft, der Algorithmus klappt. Ein Ballett der Bits und Bytes. Die Software ist marktreif. Artur Reimer atmet durch.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er hat sich nicht nach der Musik bewegt, die Musik spielt nach seinen Schritten. Eine Revolution. Der Computer macht sie möglich. Die Kamera hat jede Bewegung erfasst, an den Rechner geschickt, sie in Noten umgewandelt und durch den Lautsprecher gejagt. Sphärische Klänge. Softwarecode und Notenschlüssel. Sie machen Artur zum Tanzmeister und Tonsetzer. Ein Discjockey neuer Schule. „Auf die Idee kamen wir vor drei Jahren“, sagt er später. Damals hatte man ihm eine Videospielkonsole mit Bewegungsmelder auf den Tisch gestellt. Mit ein paar Freunden machte er aus dem Einfall eine Firma: Nagual Sounds. Ein Start-up mit beschränkter Haftung. Eins von vielen.

          Von kleinen App-Entwicklern bis zu erfolgreichen Virenjägern ist rund um Software und Computer binnen einer Generation eine milliardenschwere Industrie entstanden. „Software verändert alles“, sagt Friedrich Vollmar von IBM. Der Internetpionier Marc Andreessen meint: „Sie frisst die Welt.“ Ein Festmahl im Binärcode: Eins oder null, Erfolg oder Scheitern, landauf und landab. In Magdeburg sind sie auf Virenjagd. In Köln machen sie das Smartphone zur Geldbörse. In Walldorf sitzt mit SAP das erfolgreichste Start-up ganz Europas.

          Ideen, Pläne und Patente – aber kein Geld

          Ein Konzern, der heute viel Geld verdient, junge Talente und frische Ideen sucht, der seine Scouts dafür in alle Welt geschickt und mit Hana eine superschnelle Datenbank geöffnet hat. Eine technische Plattform für Tausende Entwickler. Sie digitalisieren die alten Industrien neu durch. SAP hatte einst die Buchhaltung reformiert, nun geht es an den Rest. Produktion, Vertrieb, Konsum. Die Jungs von Nagual Sounds tanzen bislang allein. Artur und seine Mannen haben noch alle Karten in der Hand. Mitten in Deutschland, mitten in Berlin, mitten auf der Chausseestraße.

          Früher stand hinter dem Haus die Berliner Mauer. Ganz früher nieteten sie drei Blocks weiter Deutschlands erste Dampflok zusammen. Heute fegt ein sandiger Wind über das Pflaster. Häuser aus der Gründerzeit. Halbe Treppe, hohe Decke, ein ächzendes Parkett. Es riecht nach Kaffee und nach Arbeit. Im Zimmer links spielt sich Mark Moebius über die Tasten des Klaviers; im Zimmer rechts hackt Sebastian Roger auf die Tastatur. Komponist und Programmierer, Piano und Computer. Moebius wird von Noten und Roger wird von Software sprechen; Artur Reimer redet vom Geschäft. Im Herbst kommt ihre erste App auf den Markt; zu Weihnachten soll der kleine Laden richtig brummen. Auf den Technikmessen von Cannes und Austin haben sie mit ihrer großen Idee gerade ordentlich abgeräumt. Tanz der Millionen. Sie haben Ideen, Pläne und Patente – doch Geld haben sie nicht. Berlin ist arm und das Silicon Valley weit. Bei Nagual Sounds hoffen sie auf einen Investor.

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