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Hasbro : Monopoly ist jetzt bargeldlos

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„Monopoly Ultimate Banking“: Kein Bargeld mehr, dafür variable Mieten. Bild: Hersteller

Steuern wir auf eine Welt ohne Bargeld zu? Die Debatte ist entbrannt. Zumindest bei Monopoly ist das jetzt schon Realität.

          2 Min.

          Wer hat in seiner Kindheit nicht mindestens einen verregneten Sonntagnachmittag im Kreis von Familie oder Freunden mit einer schier endlosen Runde Monopoly verbracht? Meist endete das Spiel nach zwei bis drei Stunden im Frust, weil einfach niemand gewinnen konnte - und sich seltsamerweise immer ausgerechnet der Spieler ständig vor der drohenden Pleite retten konnte, der die Bank beaufsichtigte. Der Reiz des Spiels war es, ein Vermögen anzuhäufen - und zwar buchstäblich, sodass der Spielgeldstapel am Brettrand von Runde zu Runde wuchs und die neidischen Blicke der anderen auf sich zog.

          Das jedoch ist bei dem beliebten Brettspiel inzwischen Geschichte. Hasbro hat Monopoly modernisiert. Im August bringt das Unternehmen die Version „Monopoly Ultimate Banking“ auf den Markt. Die aktuell viel diskutierte bargeldlose Welt ist dort Realität. Anstatt von Stapeln aus Papiergeld, die mühsam abgezählt werden mussten - und Kindern im Übrigen auch sehr bildlich und spielerisch das Zählen beibrachten - gibt es Kreditkarten für die Spieler.

          Wie auch in der echten Welt ist einer der Gründe für die Abschaffung des Monopoly-Spielgeldes die Bekämpfung der Kriminalität. Die EZB und die Bundesregierung erhoffen sich von der Abschaffung des 500-Euro-Scheins, die der erste Schritt auf dem Weg in eine bargeldlose Welt sein könnte, den Terrorismus zu bekämpfen. In Monopoly geht es hingegen darum, die Versuchung für den Spieler, der die Hoheit über die Bank hat, einzudämmen. Diebstahl und Geldschieberei, die beim klassischen Monopoly schlicht dazu gehörten, indem sich Spieler heimlich aus der Bank bedienten, sind so nicht mehr möglich.

          Monopoly als verfilmtes Familienabenteuer

          Statt Geld in Papierform ausbezahlt zu bekommen, wird zu Beginn des Spiels das Geld mit dem „elektronischen Ultra-Banker“, wie der Hersteller Hasbro das Lesegerät nennt, auf die Geldkarten der Spieler gebucht. Die Straßenkarten und Ereigniskarten sind mit einem Barcode ausgestattet, der einfach eingescannt wird. Wer eine Straße kaufen möchte, bucht so den entsprechenden Betrag von seiner Karte ab. Kinder sollen so bereits früh ein Verständnis für das bei Erwachsenen so beliebte „Plastikgeld“ bekommen. Schon frühere Versionen ermöglichten das Bezahlen mit Kreditkarte. Dort musste der Betrag jedoch noch mühsam in ein Gerät eingetippt und dann abgebucht werden.

          In der neuen Version wartet Hasbro mit einer weiteren Neuerung auf. Da Immobilienpreise auch im echten Leben teils starken Schwankungen unterzogen sind, gibt es in „Monopoly Banking Ultra“ in Zukunft variable Mieten, schreibt der Hersteller auf seiner Internetseite. Je nachdem wie sich die Nachbarschaft verändert, verändern sich die Mietpreise. Zieht beispielsweise - dank Ereigniskarte - ein Promi in die Gegend, kann der Hausbesitzer eine höhere Miete verlangen. Wird hingegen in der Nähe ein Klärwerk gebaut, ist das Gegenteil der Fall.

          In Deutschland ist der amerikanische Spielwarenkonzern Hasbro derzeit nur die Nummer sechs auf dem Markt. Doch neue Ideen sollen helfen, den Barbie- und Playmobil-Figuren der Konkurrenz den Kampf anzusagen. Ein zweistelliges Wachstum will der Konzern 2016 in Deutschland erzielen und damit zur Nummer zwei nach Lego aufsteigen. Wie Lego auf die Vermarktung der Weltraumsaga „Star Wars“, setzt Hasbro auf die „Transformers“. Schon 2015 hat das Unternehmen von dem Film, der 2014 in die Kinos kam, profitiert. Und noch bevor dessen Fortsetzung folgt, soll ein „Monopoly“-Film entstehen.

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