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Hartmut Mehdorn : „Ich habe die Bahn nicht kaputtgespart“

  • Aktualisiert am

Verteidigt seine Strategie: Der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn Bild: Andreas Pein / F.A.Z.

Das Winterwetter, nicht seine frühere Strategie sei Schuld am Bahn-Chaos im vergangenen Dezember. Das sagte der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er habe die Bahn nicht kaputtgespart, sondern saniert.

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          Der langjährige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, wehrt sich gegen Vorwürfe, sein früherer Sparkurs für den geplanten Börsengang der Bahn sei verantwortlich für die derzeigen Verspätungen und Zugausfälle. „Von Kaputtsparen kann keine Rede sein“, sagte Mehdorn der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Mein Vorstand hat die Bahn nicht kaputtgespart, wir haben sie saniert.“ An der aktuellen Misere sei das Winterwetter schuld, so Mehdorn.

          Mehdorn, der 2009 nach zehn Jahren an der Spitze der Bahn abtreten musste, wird vorgeworfen, er habe die Bahn für den geplanten Börsengang schön machen wollen und dafür das Schienennetz vernachlässigt und zu viele Stellen abgebaut. Zur Kritik, er habe die Logistik gepäppelt, aber am Personenverkehr gespart, sagte Mehdorn der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der Auftrag der Politik sei gewesen, mehr Verkehr auf die Schiene zu bekommen: „Mit Börsengang hat das gar nichts zu tun, das wird von einigen Ideologen vorgeschoben und ist falsch.“

          „Für den Steuerzahler ist die Bahn billiger geworden“

          Mehdorn stellt in dem Interview seinen Erfolg heraus: Vor seinem Amtsantritt 1999 habe die Bahn Verlust gemacht, zum Ende seiner Amtszeit habe ein Gewinn von 2,4 Milliarden Euro gestanden. „Für den Steuerzahler ist die Bahn also billiger und effizienter geworden“, sagte Mehdorn. Allerdings räumte er ein: „Die Bahn muss weitermachen mit dem Verbesserungsprojekt. Wahrscheinlich wird sie nie fertig.“ Für die aktuelle Misere gibt er der Politik die Schuld: „Die Bahn-Infrastruktur ist unterfinanziert. Der zuständige Bund hat keine Mittel, um in das Schienennetz zu investieren.“

          Mehdorn streitet auch die Verantwortung für das derzeitige Chaos um die Berliner S-Bahn ab, die ständig ausfällt. „In keine andere S-Bahn wurde mehr investiert“, sagte Mehdorn. Die heutigen Probleme hätten die Zulieferer zu verantworten.

          Ramsauer plant Änderungen in der Organisation der Bahn

          Derweil plant Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nach einem Vorabbericht der Zeitschrift „Spiegel“ offenbar aufgrund des Winterchaos weitgehende Änderungen in der Organisation der Deutschen Bahn. Das Maßnahmenpaket solle mehr Wettbewerb auf die Schiene bringen. Ramsauer wolle sicherstellen, dass Gewinne aus den Trassenentgelten, die bei der Bahntochter DB Netz anfallen, künftig ausschließlich in die Schieneninfrastruktur investiert werden.

          „Wir werden einen Finanzierungskreislauf Schiene schaffen“, sagte Verkehrsstaatssekretär Klaus-Dieter Scheurle dem Blatt. Über Details werde derzeit mit dem Vorstand der Deutschen Bahn verhandelt. Die Ergebnisse sollen in den nächsten Wochen präsentiert werden.

          Noch weitreichender seien die Pläne, die derzeit in den Koalitionsfraktionen im Bundestag diskutiert würden, heißt es in dem Bericht. Demnach sollen nur noch die Logistik- und Auslandssparte der Bahn privatisiert werden, das lukrative Geschäft mit Netz und Zugverkehr aber im Staatseigentum bleiben. Vor allem DB Netz solle künftig aber unabhängiger von der Mutter operieren können. Dazu soll der „Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag“ gekappt werden. So könnten Gewinne, die die Bahn-Tochter erwirtschaftet, wieder in das Netz investiert werden, heißt es. Die Pläne sollen angeblich Mitte kommender Woche mit Ramsauer diskutiert werden.

          Die Bahn musste für Verspätungen und Zugausfälle im Winter heftige Kritik von Politik und Kunden einstecken. Erstmals will Ramsauer am Mittwoch im Verkehrsausschuss konkrete Zahlen dazu vorlegen.

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