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Harte Konkurrenz : Die Bahn kämpft um lukrativen Nahverkehr

Für die Deutsche Bahn wird die Konkurrenz härter Bild: dpa

Im Nahverkehr gerät die Deutsche Bahn ins Hintertreffen. Dieses Jahr wird ein Viertel der Strecken ausgeschrieben. Bahnchef Grube dringt bei der Politik um Hilfe.

          Bahnfahrer haben sich an bunte Züge im Nahverkehr gewöhnt. Die roten Wagen der Bahn-Tochtergesellschaft DB Regio rollen schon lange nicht mehr allein auf weiter Flur. Die Konkurrenz fährt silbern, blau oder grün-gelb. Auch die Innenausstattung bietet Abwechslung: Doppelstock oder einfach, Raum für Sperriges oder mehr Sitzplätze, verstellbare Rückenlehnen und Armstützen. Die Kunden interessieren sich in der Regel nicht dafür, ob auf ihrer Pendlerstrecke der ehemalige Monopolist Deutsche Bahn fährt oder eine andere Eisenbahn. Ihnen ist wichtig, dass ihr Zug pünktlich, sauber und sicher ist - und dass der Fahrpreis stimmt.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Für die Deutsche Bahn steht indes in diesem Wettbewerb viel auf dem Spiel: Die Nahverkehrssparte DB Regio verdient gutes Geld für den Konzern. Vergangenes Jahr trug sie immerhin rund 780 Millionen Euro zum 2,2-Milliarden-Ergebnis bei. Das könnte sich aber bald ändern. Im Jahr 2013 hat die Bahn zwar drei Viertel aller Ausschreibungen im Nahverkehr gewonnen. Doch der Marktanteil von noch rund 75 Prozent sinkt. 2014 könnte für die Bahn ein Schicksalsjahr werden. Denn die Besteller der Nahverkehrsleistungen schreiben dieses Jahr 140 Millionen Zugkilometer neu aus, ein Viertel des gesamten Marktes. Sind diese Aufträge vergeben, sind die Pfründe im Nahverkehr für die nächsten 10 bis 15 Jahre verteilt.

          Die laufenden Vergabeverfahren sind allerdings nicht nach dem Geschmack der Bahn. Bahnchef Rüdiger Grube hat seinen Unmut jetzt schriftlich bei Hannelore Kraft kundgetan, der nordrhein-westfälischen SPD-Ministerpräsidentin. Im konkreten Fall geht es um einen lukrativen Nahverkehrsvertrag über 15 Millionen Zugkilometer in Nordrhein-Westfalen. Derzeit fährt dort die Deutsche Bahn, von 2018 an könnte es ein anderes Unternehmen sein. Vor einigen Wochen entschied der „Aufgabenträger“, die für die Bestellung zuständige Behörde, zusammen mit dem Land, „RRX“-Fahrzeuge und deren Instandhaltung getrennt vom Betrieb auszuschreiben. Die Bahn empfindet das als Affront. „Weil wir keine Züge herstellen, sind wir von der Bewerbung um das Los ,Fahrzeuge und Instandhaltung‘ ausgeladen“, ärgert sich der Vorstandsvorsitzende von DB Regio, Manfred Rudhart.

          Die Personalkosten entscheiden

          Bewerben kann sich die Bahn damit nur noch um den Betrieb der Züge. Da sieht sie sich im Wettbewerb mit den anderen, die überwiegend Tochtergesellschaften ausländischer Staatsbahnen sind, im Hintertreffen. Grube schreibt an Kraft: „Hier werden die Personalkosten das entscheidende, wenn nicht das einzige Kriterium über Sieg und Niederlage in der Ausschreibung darstellen.“ Und er warnt vor der „schwer beherrschbaren Schnittstelle zwischen Fahrzeughersteller als Instandhalter und dem künftigen Betreiber“.

          Rudhart beziffert den Personalkostenvorteil der Konkurrenten auf „mindestens 10 Prozent“. Ginge der NRW-Auftrag verloren, wären bei der Bahn 530 Arbeitsplätze in Gefahr. Grube dringt bei Kraft deshalb auf eine Übernahmeverpflichtung: Die Bahn bitte darum, „allen Bewerbern die Übernahme des Personals vom Altbetreiber aufzuerlegen“. Nur so sei sichergestellt, dass die RRX-Verkehre durch Menschen betrieben würden, die sie durch ihre langjährige Erfahrung zum Erfolg werden ließen. Rudhart will den Vorwurf, so wolle die Bahn ihre Konkurrenz mit den Kosten für ihre hohen Sozialstandards belasten, nicht gelten lassen. „Das ist keine perfide Methode. Wir bewegen uns zwanzig Jahre nach der Liberalisierung in einem reifen Markt. Auch wir bewerben uns um die Rückgewinnung von Strecken. Die Übernahmeverpflichtung müssen auch wir dann ja erfüllen.“

          Nordrhein-Westfalen ist kein Einzelfall: Auch die Aufgabenträger in Niedersachsen und Sachsen haben die Lose für Fahrzeuge und Betrieb in ihren Ausschreibungen aufgesplittet. Der Zuschlag für den NRW-Vertrag wird wohl Ende des Jahres erteilt. Kraft hat Grubes Brief, den dieser „in persönlicher Verbundenheit“ unterzeichnete, seit sechs Wochen auf dem Tisch - und noch nicht geantwortet.

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