https://www.faz.net/-gqe-9m893

EU-Zölle auf Motorräder : Harley ächzt, Trump droht

Harley Davidson lieferte im vergangenen Jahr etwa 59.000 Motorräder aus. Bild: www.alessiobarbanti.com

Der Hersteller der legendären Motorräder stöhnt unter den Gegenzöllen der EU. Amerikas Präsident Trump, Auslöser des Zollstreits, findet das „so unfair“ – und kündigt weitere Maßnahmen an.

          Harley-Davidson ist im vergangenen Jahr mitten in Handelskonflikte zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Regionen der Welt geraten. Erst trafen den Hersteller der legendären Motorräder die vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump verhängten Importzölle auf Stahl und Aluminium, dann folgten Vergeltungszölle, mit denen die Europäische Union darauf reagierte. Die von der EU erhobenen Zölle auf Motorräder, die aus Amerika importiert werden, stiegen von sechs auf 31 Prozent, was die Kosten für jedes Exemplar nach Schätzung von Harley-Davidson um 2200 Dollar anhoben. 2021 sollen sie sogar auf 56 Prozent klettern.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Harley-Davidson sah sich zu der Ankündigung gezwungen, seine in der EU verkauften Motorräder künftig nicht mehr in den Vereinigten Staaten zu fertigen, sondern an einem seiner ausländischen Standorte. Damit zog sich das Unternehmen den Zorn von Trump zu, der ihm drohte, es zu besteuern „wie noch nie zuvor“ und behauptete, viele Eigentümer einer Harley wollten das Unternehmen fortan boykottieren.

          Jetzt hat Harley-Davidson seine Zahlen für das erste Quartal vorgelegt, und dabei kochte die Zolldiskussion aufs Neue hoch. Das Unternehmen meldete im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Gewinnrückgang, der unter anderem auf Zollaufwendungen zurückging. Das wiederum veranlasste Trump zu einem abermaligen Tweet, in dem er seinen Zorn aber nicht auf das Unternehmen richtete, sondern auf die EU. Ohne zu erwähnen, dass die von Europa verhängten Zölle eine Reaktion auf seine Stahl- und Aluminiumabgaben waren, nannte er sie „so unfair gegenüber den Vereinigten Staaten“ an und kündigte an: „Wir werden zurückschlagen.“

          Für das erste Quartal wies Harley-Davidson einen Nettogewinn von 127,9 Millionen Dollar aus, rund 47 Millionen Dollar weniger als im Vorjahr. Von dieser Differenz entfielen knapp 21 Millionen Dollar auf Belastungen durch Zölle. Für das Gesamtjahr sagte Vorstandsvorsitzender Matt Levatich am Dienstag Zollaufwendungen von 100 Millionen bis 120 Millionen Dollar vorher. Diese Zahl bezieht sich allein auf Einfuhrzölle für Motorräder in der EU und China und berücksichtigt nicht höhere Rohstoffkosten aufgrund der Zölle auf Stahl und Aluminium. Levatich sagte, die Vergeltungszölle in Europa seien die größte Belastung für das Unternehmen. Er nannte sie „bedauerlich“, wies aber gleichzeitig auf die Bedeutung des europäischen Marktes für Harley-Davidson hin.

          Erstes Elektro-Motorrad angekündigt

          Trotz der Belastungen aus den Zöllen fielen die Zahlen von Harley-Davidson insgesamt etwas besser als erwartet aus, auch wenn das Unternehmen abermals einen Umsatzrückgang meldete und auch weniger Motorräder verkaufte. Der Umsatz fiel im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Dollar und lag damit leicht über den Erwartungen von Analysten. Die Zahl der ausgelieferten Motorräder fiel um acht Prozent auf rund 59.000, was allerdings die Prognose übertraf, die Harley-Davidson selbst vor drei Monaten gegeben hatte. Der Gewinn je Aktie vor Sonderposten von 98 Cent war um 16 Cent besser als erwartet.

          Harley-Davidson musste in allen Regionen der Welt Rückgänge bei den Verkaufszahlen hinnehmen. Auf dem amerikanischen Heimatmarkt fielen die Absätze um mehr als vier Prozent, in Europa lag das Minus bei weniger als einem Prozent. Harley-Davidson versucht derzeit, seine Produktpalette aufzufrischen und hat für die kommenden Jahre eine ganze Reihe neuer Modelle angekündigt.

          Im Verlauf dieses Jahres soll außerdem das erste Elektro-Motorrad des Unternehmens herauskommen, das den Namen „Livewire“ trägt. Die Maschine kann seit wenigen Tagen auch in Deutschland vorbestellt werden, sie hat einen Startpreis von knapp 33.000 Euro. Das Unternehmen wagt sich auch in neue Segmente. Im März kündigte es den Kauf von Stacyc an, einem Hersteller von elektrischen Fahrrädern für Kinder. Der Aktienkurs von Harley-Davidson notierte am Dienstagnachmittag leicht im Plus.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fall Lübcke : Bundesanwaltschaft geht von rechtsextremistischer Tat aus

          Der im Fall Lübcke festgenommene Tatverdächtige soll mehrfach wegen schwerer Straftaten aufgefallen sein – und einer Neonazi-Vereinigung nahestehen. Die Bundesanwaltschaft hat „umfassendes Beweismaterial“ sichergestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.