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Kein Haribo-Flieger mehr : Ein Paradiesvogel verliert sein buntes Gefieder

Frisch lackiert: Die Qantas-Maschine ist eine Hommage an das Gemälde „Yam Dreaming“ der Aborigine-Künstlerin Emily Kame Kngwarreye. Bild: Getty

Haribo beendet nach zehn Jahren seine Flugzeugwerbung. Andere tun das Gegenteil. Ein besonders buntes Beispiel stammt aus Australien.

          Das kunterbunte "Haribo"-Flugzeug kommt plötzlich hinter den Baumwipfeln hervor und immer näher - wer einmal den Kinderjubel während eines Landeanflugs dieser TUI-Fly-Maschine miterlebt hat, der wird diesen Moment so schnell nicht vergessen. Die Rufe laut und wild durcheinander, die Augen vor Begeisterung leuchtend. Selbst die Väter denken in einem solchen Moment wie diesem an den letzten Urlaub und den Flug mit dieser Maschine zurück. Ein normaler Sonntagvormittag am Frankfurter Flughafen. Momente wie diesen wird es nun nicht mehr geben: Denn das auch "Paradiesvogel" genannte Flugzeug wird umlackiert, eine neue Haribo-Lackierung ist nicht geplant.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Was ist geschehen? Der Vertrag mit dem Süßwarenhersteller Haribo sei einfach ausgelaufen, sagt ein Sprecher von TUI Fly. Die Fluggesellschaft, die mit ihren 41 Boeing 737 Reiseziele in Europa anfliegt, vermietet die Außenhaut ihrer Flugzeuge als Werbefläche. Nun hat der Fotodienstleister Cewe hier ein Alleinstellungsmerkmal, der mit einer roten Maschine sein Fotobuch bewirbt, und das schon seit 2012. Auf vier weiteren besonders lackierten Flugzeugen macht TUI Fly für Unternehmen des TUI-Konzerns selbst Werbung, wie für Robinson- oder Riu-Hotels.

          Haribo-Maschine bekommt neues Design

          Die ganz klassische Lackierung war zeitweise gelb und ist inzwischen einem blau-weißen Wellenmuster mit etwas TUI-Rot gewichen. Genau dieses "Dolphin"-Design bekomme die Haribo-Maschine mit dem offiziellen Kennzeichen D-ATUJ nun, sagt der Sprecher. Lackiert werde sie, wenn alles nach Plan laufe, am Dienstag und werde anschließend wieder im regulären Flugbetrieb eingesetzt.

          Über die Preise schweigen die Beteiligten. Flugzeuge müssen in regelmäßigen Abständen neu lackiert werden, weil der Lack mit der Zeit unter der starken Sonneneinstrahlung, den hohen Temperaturunterschieden oder Verschmutzungen und Sand in der Luft leidet. Oft ist das alle fünf bis sechs Jahre der Fall und Teil der Wartung eines Flugzeugs, bisweilen aber auch häufiger. Branchenkenner nennen Preise von 50.000 bis zu 100.000 Euro für eine normale Lackierung, die für ein Flugzeug der Größe einer Boeing 737 anfallen könnten. Nach oben seien aber keine Grenzen gesetzt. Je nach Größe der Maschine, der Art der Lackierung und der Temperatur dauere dies üblicherweise zwischen fünf und sieben Tagen.

          Sonderlackierungen sind aufwändiger. Viele Flugzeuge werden jedoch inzwischen oft nur mit dünnen Folien beklebt, die einfach und schnell aufgebracht und rasch auch wieder entfernt werden können. Selbst die mit Blick auf Sonderlackierungen sehr zurückhaltende Deutsche Lufthansa nutzt diese Folien zum Beispiel für ihren "Siegerflieger". Zudem könnte ein Flugzeug durch zusätzliche Farbe auch deutlich mehr wiegen und damit im Betrieb teurer werden.

          Im Fall von TUI Fly und Haribo endet damit eine fast zehn Jahre währende Verbindung. Im Jahr 2008 gab es die erste Boeing 737-800 in einer blauen Haribo-Sonderlackierung, die "GoldbAIR". 2010 ging diese Marketingkooperation mit einer goldlackierten Boeing gleichen Typs weiter, die "HaribAIR" - sie ist schon längst vom Himmel verschwunden. Aus dem April 2015 stammt die letzte farbenfrohe Tropifrutti-Lackierung.

          Kein Kinderjubel mehr: „Tropifrutti“ wird nicht mehr fliegen. Bilderstrecke

          Derweil setzt Qantas am anderen Ende der Welt ein Zeichen und zelebriert die Kultur Australiens auf eigene Art und Weise. Die drittälteste Fluggesellschaft der Welt wirbt so nicht zum ersten Mal für sich und den "Spirit of Australia", den Geist des Landes. Binnen 20 Jahren hat sie fünf Flugzeuge mit Motiven der Aborigines, der Ureinwohner Australiens, geschmückt. Jüngstes Beispiel ist eine erst vor wenigen Tagen ausgelieferte, nagelneue Boeing 787-900, die vierte von Qantas. Sie ziert eine aufwendige Lackierung, die auf dem Gemälde "Yam Dreaming" von Emily Kame Kngwarreye aus dem Jahr 1991 basiert, die erst im Alter von fast 80 Jahren mit der Malerei begann und dennoch mit ihrer abstrakten Kunst zu einem der am meisten verehrten und bedeutendsten Künstler Australiens wurde. Im Jahr 1996 verstarb sie.

          Das neue Design mit rund 5000 rötlichen Punkten zeigt die Bedeutung der Yam-Pflanze für das tägliche Überleben der Aborigines. Ein Team aus 60 Designern, Ingenieuren und Malern hat dafür am Stammsitz von Boeing in Everett mehr als zehn Tage dafür benötigt, um es fertigzustellen. Sogar das Rot des Leitwerks wurde ausnahmsweise verändert, damit alles stimmig ist. Dieser Dreamliner trägt den Namen der Künstlerin und soll später auch im internationalen Flugverkehr eingesetzt werden.

          Die zweite aktuell fliegende Qantas-Maschine mit einer von den Ureinwohnern inspirierten Lackierung ist dagegen ausschließlich auf dem fünften Kontinent unterwegs - eine Boeing 737 names "Mendoowoorrji". Hier dominieren die Farben Weiß, Rot und Schwarz. Die übrigen drei Flugzeuge, allesamt große Boeing 747 fliegen nicht mehr.

          Auch hierzulande landen und starten immer wieder besonders lackierte Flugzeuge vor allem internationaler Fluggesellschaften. Sun Express, ein Gemeinschaftsunternehmen von Deutscher Lufthansa und Turkish Airlines, versieht immer mehr Jets mit bunten Figuren und dürfte so vor allem Kinderherzen höher schlagen lassen. Aus Kooperationen rund um Sony stammen Lackierungen mit Schlümpfen, Minions, Playstation-Figuren und seit wenigen Tagen auch mit "Peter Hase". Der Titelheld des jüngsten Animationsfilms von Sony Pictures ziert auf Folien und 130 Quadratmetern den Rumpf und das Leitwerk einer kleinen Boeing der Ferienfluggesellschaft. Am Dienstag landete der "Hasen"-Vogel erstmals auch in Frankfurt.

          Für die Haribo-Maschine wiederum ging es in dieser Woche nach Fuerteventura, Teneriffa und am Freitag laut Plan wohl letztmals von Hannover ins ägyptische Hurghada und wieder zurück. Die nächsten Flüge im normalen Flugbetrieb erfolgen dann ganz klassisch und sicherlich mit weniger Augenmerk.

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