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Hans-Jörg Vetter : Privatisierungshelfer in Berlin

  • -Aktualisiert am

Hans-Jörg Vetter, Vorstandschef der Bankgesellschaft Berlin Bild: picture-alliance/ dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Bankgesellschaft, Hans-Jörg Vetter, hat die Berliner Bank gut verkauft. Damit hat er seine Bankgesellschaft gerettet und sich selbst mal wieder als harten Brocken präsentiert.

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          Am Abend nach der Verkündung des Verkaufs der Berliner Bank an die Deutsche Bank wollte sich Hans-Jörg Vetter ein Glas guten Rotweins gönnen. Der Vorstandsvorsitzende der Bankgesellschaft hat allen Grund zur Zufriedenheit. Ein Verkaufspreis weit über den Erwartungen, eine hohe Arbeitsplatzsicherheit für die Beschäftigten zumindest für vier Jahre, dazu ein dickes Lob vom Berliner Finanzsenator als Vertreter seines Mehrheitsaktionärs (“Der erzielte Preis ist hervorragend“) - was will man mehr? „Wir wissen die Bank in guten Händen“, sagt der gebürtige Göppinger des Jahrgangs 1952 in seinem schwäbelnden Tonfall.

          Um 20 Uhr war der Kaufvertrag unterschrieben, unmittelbar danach trat der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft zusammen, um das Geschäft abzusegnen. Vetter legt Wert auf den Hinweis, daß er nie etwas zum Verkaufspreis gesagt habe. Aber in der Nähe der ausgehandelten 680 Millionen Euro seien einige Interessenten gewesen, gibt er jetzt preis.

          Umfeld mit harten Bandagen

          Kein Preis vorab von Vetter, aber irgendwoher müssen die stets kolportierten 400 Millionen Euro für die Berliner Bank ja kommen. Vielleicht spiegelt die Differenz zum endgültigen Verkaufserlös die neue Wertschätzung des deutschen Bankenmarkts wider. Vielleicht wurde die Zahl 400 Millionen aber auch bewußt gestreut, um den späteren Vertragsabschluß in einem um so helleren Licht erstrahlen zu lassen. Eine solch läßliche Sünde würde zu Vetter passen, ist er doch in einem Umfeld tätig, in dem alle Beteiligten mit besonders harten Bandagen unterwegs sind.

          Man muß sich nur in den Gremien des Sparkassenverbandes umschauen, dem Vetter als Bankchef in Berlin (noch) angehört, um diesen Eindruck bestätigt zu bekommen. Sein Auftrag ist die Privatisierung der Bankgesellschaft, und der Verkauf der Berliner Bank ist nur eine Vorstufe. Zur Bankgesellschaft gehört die Berliner Sparkasse.

          Hier erheben die Sparkassen eine Art Sonder-Vorkaufsrecht, über das inzwischen eine Debatte im Dreieck Sparkassenverband, EU-Kommission und Bundesregierung entbrannt ist. Vetter und das Land Berlin wollen in jedem Fall den von Brüssel geforderten „diskriminierungsfreien Verkauf“ durchsetzen, nicht zuletzt deswegen, weil nur so die Hoffnung besteht, mindestens vier Milliarden Euro für die 81 Prozent des Landes an der Bankgesellschaft einzufahren.

          Große Herausforderung

          In diesem Interessengeflecht bewegt sich Vetter mit einigem Geschick. Das Erscheinungsbild des stets gut gekleideten und sich jovial gebenden Bankmanagers täuscht darüber hinweg, welch „harter Knochen“ er in seiner Arbeit ist. Die Drohung eines Ausschlusses aus dem Sparkassenverband schreckt Vetter nur begrenzt. Er glaubt die Entwicklung auf seiner Seite, nach der sich die Sparkassen je länger, desto mehr für privates Kapital öffnen müssen.

          Obwohl der vor den Toren Frankfurts lebende Vorstandschef seit mehr als zehn Jahren für die öffentlich-rechtlichen Institute tätig ist, schätzt er die Vorzüge der Privatwirtschaft. Begonnen hatte Vetter nämlich 1972 bei der Deutschen Bank. Dort wurde die Immobilienwirtschaft sein Spezialgebiet. 1990 wechselte er zur damaligen Bank für Gemeinwirtschaft und 1997 für drei Jahre zur Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Seine ehrgeizigen Hoffnungen, dort Vorstandsvorsitzender zu werden, erfüllten sich allerdings nicht.

          Statt der Helaba wurde die Bankgesellschaft zu Vetters großer Herausforderung. Als er dort im November 2001 eintrat und zum 1. Dezember als Nachfolger von Wolfgang Rupf Vorstandschef wurde, war die Bank durch Immobilienskandale und durch geschäftliche Mißerfolge ausgeblutet. Wenn sie heute als saniertes Institut privatisierungsfähig ist, gilt dies nicht zuletzt als Vetters Verdienst. Da kann man sich schon in Gelassenheit üben. Was macht Vetter, sollte die Sparkassenorganisation mit dem Erwerb der zehn Prozent, die die Norddeutsche Landesbank an der Bankgesellschaft hält, einen Fuß in die Tür bekommen? Er könne vor solchen Hoffnungen nur warnen, sagt Vetter. Ein Käufer des Landesanteils könne die Sparkassen ohne weiteres aushungern. Er ist eben ein harter Knochen, der Vetter.

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