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Hans-Jörg Vetter : Ein Banksanierer für die LBBW

  • -Aktualisiert am

Hans-Jörg Vetter (l) und Siegfried Jaschinski Bild: dpa

Unter Führung des bisherigen LBBW-Chefs Jaschinski hat die Bank rund 90 Milliarden Euro in hochkomplexe Papiere investiert. Jetzt muss Jaschinski gehen. Mit Hans-Jörg Vetter steht ein Nachfolger bereit, der zuvor schon einen Sanierungsfall erfolgreich gelöst hat.

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          Lange vor Ausbruch der Finanzkrise hat Hans-Jörg Vetter den bis dahin größten Sanierungsfall einer deutschen Bank erfolgreich gelöst. In der Bankgesellschaft Berlin, die 2001 nach fehlgeschlagenen Immobilienprojekten nur mit Hilfe des Landes Berlin am Leben erhalten wurde, gelang dem 56 Jahre alten Immobilienexperten Vetter ein Meisterstück. Wann immer daher in den vergangenen Wochen ein neuer Bankchef gesucht wurde, war Vetters Name im Gespräch. Jetzt ist es Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) gelungen, den gebürtigen Schwaben, der im Rhein-Main-Gebiet wohnt, für den Posten als Vorstandsvorsitzender der angeschlagenen Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart zu gewinnen.

          Oettinger hat damit wohl nur formal dem Ansinnen seines Koalitionspartners FDP nachgegeben, der seit Tagen auf eine Ablösung des seit 2005 als Vorstandsvorsitzender amtierenden Siegfried Jaschinski drängte. Es gibt durchaus Anzeichen dafür, dass auch Oettinger seit längerem das Vertrauen in Jaschinski verloren hatte, es ihm jedoch an einem geeigneten Nachfolger fehlte.

          Milliarden in „Kreditersatzgeschäfte“ investiert

          Tatsächlich hat Jaschinski in der Finanzkrise Fehler gemacht: Lange ging der Kapitalmarktexperte davon aus, Verluste der Wertpapiere im Depot der Bank seien "nur vorübergehend"; bis heute weigert sich die LBBW, die dem Land Baden-Württemberg, den regionalen Sparkassen und der Stadt Stuttgart gehört, Quartalszahlen zu veröffentlichen.

          Doch der Jahresverlust von 2,1 Milliarden Euro im Jahr 2008 ließ sich irgendwann nicht mehr verschleiern. Als die Bankenaufsicht angeblich bis zum 31. März 2009 eine Kapitalerhöhung von 5 Milliarden Euro von den Eignern forderte, schickte Oettinger Gutachter in die LBBW. Unter Führung von Jaschinski hat die Bank in hochkomplexe Papiere rund 90 Milliarden Euro investiert und nennt das "Kreditersatzgeschäft". Die überfällige Kapitalerhöhung ist immer noch nicht erfolgt. Allein das zeigt das Misstrauen der Träger in Jaschinski.

          Vetter hat mit harter Hand saniert

          Jaschinskis Stern begann aber schon zu sinken, als sich sein Weg mit seinem jetzigen Nachfolger Vetter im Jahr 2007 kreuzte. Als Pfeifenraucher Vetter, dessen Gelassenheit nicht mit Gemütlichkeit verwechselt werden sollte, die Bankgesellschaft mit harter Hand saniert hatte, musste das Land Berlin die Bank verkaufen. Auch Jaschinski warf damals für die LBBW den Hut in den Ring - zum Ärger der Sparkassen. Sie mussten die LBBW in einem aufsehenerregenden Wettbewerb überbieten und zahlten für die in Landesbank Berlin Holding umbenannte Bankgesellschaft den heute fast unvorstellbar hoch erscheinenden Preis von 5,3 Milliarden Euro.

          Für Vetter war das ein Triumph, seine Arbeit war getan. Jaschinski aber hatte sich Gegner gemacht, darunter Heinrich Haasis, ehemals stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Landtag und heute Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Haasis lässt nun seinen besten Mann, Vetter, zu Oettinger ziehen und wird in Jaschinski einen seiner Gegner los.

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