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Hanns Ostmeier : Der Private-Equity-Onkel

  • -Aktualisiert am

Hanns Ostmeier gibt dem Investor Blackstone in der Öffentlichkeit ein freundliches Gesicht. Doch er kann auch anders.

          2 Min.

          Stephen Schwarzman ließ es sich nicht nehmen, persönlich aufzuwarten. Als vor knapp zwei Jahren das deutsche Büro der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Blackstone in Hamburg eröffnet wurde, kam der Mitgründer vorbei, um seinem frischgebackenen Statthalter Hanns Ostmeier viel Erfolg zu wünschen. Mit dem persönlichen Abstecher von der Park Avenue in Manhattan in die Große Elbstraße am Hamburger Hafen demonstrierte der 58 Jahre alte Firmenpatriarch aber auch den hohen Erwartungsdruck, der auf Ostmeier lastete. Als Deutschland-Chef der zu den weltgrößten Beteiligungsgesellschaften zählenden Blackstone wurde von ihm nichts weniger erwartet, als den deutschen Markt mit großen Übernahmen zu erobern und dabei hohe zweistellige Renditen zu erwirtschaften.

          Nur freundschaftliche Übernahmen

          Und Ostmeier rollte auf. Der 44 Jahre alte Vater von vier Kindern griff binnen kurzer Zeit nach bekannten Unternehmen wie Gerresheimer Glas, dem Entsorgungsunternehmen Sulo und dem Chemiekonzern Celanese. Auch bei Immobilien der Deutschen Bank und von WCM griff Blackstone in Deutschland zu. Doch damit ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. In den gediegenen Büros der sieben Blackstone-Deutschland-Mitarbeiter stapeln sich Geschäftsberichte von Unternehmen; die Daten der Übernahmeobjekte seziert der promovierte Betriebswirt wie ein Biologe einen toten Frosch. Dabei bleibt er dem Credo seines autoritären Chefs und Firmengründers Schwarzman treu, Unternehmen nur freundschaftlich zu übernehmen.

          Wer Ostmeier erstmals in seinem Büro mit einem Traumausblick auf die Elbe und den Hamburger Hafen begegnet, schaut in ein freundliches, gar gemütlich wirkendes Gesicht. Der Mann mit dem graumelierten Haaren und der runden Brille erinnert ein wenig an den Spaßonkel des deutschen Fernsehens, Harald Schmidt. Doch hinter der Fassade des Private-Equity-Onkels mit dem herzlichen Gemüt verbirgt sich mehr: Der passionierte Hochsee-Segler kann ebenso eiskalt sein wie der Atlantik, den er mit seinem Boot schon überquert hat. Wer in der Beteiligungsbranche erfolgreich sein will, muß knallhart kalkulieren und darf auch vor harten Schritten - der Auswechslung eines Managements etwa oder der Entlassung von Mitarbeitern - nicht zurückschrecken. Langfristig bringt diese kühle Rationalität die von Beteiligungsgesellschaften erworbenen Unternehmen im ebenso beinharten internationalen Wettbewerb allerdings häufig weiter.

          Respekt aus der Branche

          Branchenkollegen zollen dem Durchstarter denn auch gehörigen Respekt für seine "Deals", wie die Übernahmen genannt werden. Vor allem der Kauf von Celanese - die hierzulande bisher größte Übernahme eines börsennotierten Unternehmens durch Private Equity - gilt in der Beteiligungsbranche als Meisterstück. Denn nur zehn Monate nach dem Erwerb nutzte Ostmeier die höheren Bewertungen für Chemieunternehmen in Nordamerika aus und brachte Celanese dort an die Börse - mit einem riesigen Gewinn. Gerade dieses Arbitrage-Geschäft in großem Stil hat aber in der breiten Öffentlichkeit die Gemüter erhitzt. Hier häufen sich die Vorwürfe der Kritiker, die darin einen Ausverkauf der hierzulande immer noch börsennotierten Celanese nach Amerika vermuten - zu Lasten deutscher Aktionäre. Denn das Amerikageschäft wurde zu einem erstaunlich niedrigen Preis an die dortige Holding verkauft. Der Begründung, die Sparte habe große operative Probleme, ist bis heute seltsamerweise keine Ankündigung einer Restrukturierung gefolgt.

          Trotz dieser Turbulenzen ist der smarte Manager für das öffentliche Bild der Private-Equity-Branche ein Gewinn. In dem traditionell sehr medienscheuen Metier versteht es der redselige Ostmeier, Journalisten gut zuzureden. Daß das Trommeln zum Geschäft gehört, hat er wohl schon durch seine Promotion bei dem Münsteraner Marketing-Guru Heribert Meffert gelernt. Damals befaßte er sich mit dem Marketing von Umweltschutz-Produkten. Dieses Marketingwissen wird ihm wohl auch nicht zum Schaden gereichen, wenn er in der zweimal wöchentlichen Videokonferenz mit Schwarzman und dem zwölfköpfigen Investmentausschuß seine neuen Übernahmevorhaben verteidigen muß.

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