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Hannover Messe : In der Fabrik der Zukunft

Es ist ein Kennzeichen der neuen Produktionstechnik, dass sie immer stärker von Entwicklungsverbünden angeboten wird. Das - erstmals auf der Hannover Messe ausstellende - Softwarehaus SAP präsentiert sich mit zwei Kooperationen. Gemeinsam mit Festo und Elster wird demonstriert, wie Werkstücke mit Maschinen kommunizieren. Gemeinsam mit Harting und ifm zeigt SAP ein „intelligentes Instandhaltungs- und Wartungsszenario mit vorhersagender Analysefunktion“. Damit trifft man einen Brennpunkt der vernetzten Fabrik - die Datenanalyse. Industrie 4.0 funktioniert nur, wenn alle Daten aus der Produktion von Materialeigenschaften bis zu Geschwindigkeiten und deren Umwelt bis hin zur Personenerkennung oder zu räumlichen Bedingungen wie Schwellen im Raum jederzeit digital erfasst und verarbeitet werden. Dafür braucht man Daten erfassende Sensoren und Messgeräte, aber auch die Software, die diese Daten auswertet und richtige Schlüsse daraus zieht. Gerade in ihrer analytischen Ausrichtung hinke die produzierende Industrie aber anderen Branchen hinterher, ist das Ergebnis einer Studie der Universität Potsdam (Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government) und des Softwarehauses SAS. Professor Norbert Gronau fand heraus, dass gerade in der Industrie das Thema Big Data noch zögerlich behandelt wird. „Neben den unzureichenden Fähigkeiten, sich den Anforderungen der Industrie 4.0 zu stellen, versäumt die Industrie damit auch die Möglichkeiten, die Geschwindigkeit bei der Markteinführung zu erhöhen oder auf Veränderungen in neuen Geschäftsfeldern schnell reagieren zu können.“

Diese Notwendigkeit könnte schnell auf die deutsche Industrie zukommen. Industrie 4.0 wurde in Deutschland geboren und ist die logische Konsequenz der hier beheimateten Automatisierungsindustrie. „Deutschland hat heute bei der Vernetzung der Produktion einen Vorsprung von ein bis zwei Jahren“, vermutet Peter Köhler, Vorstandssprecher der Weidmüller Holding in Detmold. Diesen Vorsprung dürfe man aber nicht verspielen, denn gerade die Konkurrenz in den Vereinigten Staaten und in China tut alles, um zu den deutschen Herstellern aufzuholen. China stellt mit mehr als 500 Ausstellern auf der Hannover Messe schon heute das größte nationale Kontingent nach Deutschland - vor Italien, dem Gastland Niederlande und der Türkei. Aus den Vereinigten Staaten kommen knapp 100 Aussteller nach Hannover. Mit dem Besuch des Präsidenten der amerikanischen Handelskammer und dem Präsidenten der National Association of Manufacturers (vergleichbar dem deutschen BDI) zeigt die Spitze der amerikanischen Industrie, welche Bedeutung sie dem Thema Industrie 4.0 und auch der Hannover Messe beimisst. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch China geben viel Geld zur Entwicklung moderner Produktionstechnik in ihren Ländern aus. Da die Techniken für vernetzte Produktionen zur Verfügung stehen, „könnte die Entwicklung zur Industrie 4.0 jetzt schneller voranschreiten, als viele glauben“, sagte Lucas Wintjes, Geschäftsleiter Vertrieb Fabrikautomation der Bosch Rexroth AG. „Industrie 4.0 mag Zukunftsmusik sein, aber die Musik hat schon angefangen zu spielen“, ist er überzeugt. Detlef Zühlke, Wissenschaftlicher Direktor Innovative Fabriksysteme am DFKI, ist auch überzeugt, dass „wir jetzt in der Weiterentwicklung schnell sein müssen“. Aber er geht davon aus, dass trotz aller Geschwindigkeit erst in drei Jahren erste Teilanlagen vernetzt sein werden, in fünf Jahren erste Produktionsstraßen und die erste vollvernetzte Fabrik erst in 20 Jahren zu besichtigen sein wird. Für das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik in Chemnitz ist es eine verkürzte Sicht, bei Industrie 4.0 nur an die vernetzte Produktion zu denken. Die Forscher aus Sachsen zeigen in Hannover eine Forschungsfabrik, in der neben der intelligenten Fabrik auch ultrakurze Prozessketten und eine optimale Mensch-Maschine-Kooperation verwirklicht werden kann.

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