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Handel : Haniel sichert sich mehr Einfluss auf Metro

  • -Aktualisiert am

Der Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes Bild: dpa

Das Duisburger Familienunternehmen Haniel hat seine Beteiligung am Düsseldorfer Metro-Konzern aufgestockt . Damit wird Haniel größter Einzelaktionär. Das könnte Folgen für die Strategie des drittgrößten Handelskonzerns der Welt haben.

          Das Duisburger Familienunternehmen Haniel hat seine Beteiligung am Düsseldorfer Metro-Konzern aufgestockt und wird größter und einflussreichster Einzelaktionär. Das könnte auf mittlere Sicht auch Folgen für die Strategie von Metro, dem drittgrößten Handelskonzern der Welt, haben. Nach Aktienzukäufen von Haniel im Umfang von 15,68 Prozent des Kapitals kommt der breit diversifizierte Mischkonzern nun auf durchgerechnet 34,24 Prozent der Stimmrechte an Metro.

          Ein darüber hinausgehendes Erwerbsangebot sei nicht vorgesehen, teilte Haniel in Duisburg mit. Haniel hat zugleich seine Interessen mit denen der Familie Schmidt-Ruthenbeck als weiterem Metro-Großaktionär gebündelt, so dass beide künftig mit 50,01 Prozent die Mehrheit haben. Der Schweizer Milliardär Otto Beisheim als einer der Gründer des Metro-Konzerns hält rund 18,5 Prozent am Unternehmen. Die drei Gründerfamilien – Beisheim, Haniel und Schmidt-Ruthenbeck – halten zusammen nun rund 68,5 Prozent statt zuvor 50,2 Prozent von Metro.

          Zeichen für gemeinsames Handeln

          Zwei Gründe hätten Haniel zum Zukauf bewegt, erläuterte der Haniel-Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes am Freitag im Gespräch mit dieser Zeitung. Nicht zuletzt wegen des fortgeschrittenen Alters des kinderlosen Gründers Beisheim wollte man eine langfristig stabile Aktionärsstruktur sicherstellen. Mit der Bündelung von 50,01 Prozent der Stimmen solle auch ein psychologisches Zeichen für gemeinsames Handeln gesetzt werden. Cordes begründete den Zukauf ferner mit dem Interesse Haniels an einer größeren unternehmerischen Einflussnahme.

          Die bisherige Beteiligung von 18,56 Prozent an Metro bildete zwar ein Schwergewicht im breit diversifizierten Portfolio des Mischkonzerns Haniel. „Dieses große Engagement war aber ohne ausreichende unternehmerische Kontrolle“, sagte Cordes. Von der neuen Konstellation erwartet er mehr Einflussnahme. Cordes hatte die neue Aktionärskonstellation mit dem Vertreter von Schmidt-Ruthenbeck, Peter Küpfer, vorangetrieben. Beide waren erst 2006 in den Metro-Aufsichtsrat eingerückt. Cordes sagte, die beiden Aktionärsfamilien verfolgten dasselbe strategische Interesse. Auch bei dem börsennotierten Pharmahändler Celesio hält Haniel etwas mehr als 50 Prozent.

          „Cash-&-Carry“, Media Markt und Saturn treiben das Geschäft an

          „Wir glauben an die Zukunft der Metro, und wir glauben, dass der Konzern noch Wertsteigerungspotential hat“, sagten Cordes und Küpfer dieser Zeitung. Detailpläne lägen zwar noch nicht vor. Ohne Tabu und ohne Denkhürde sollten alle wertsteigernden Maßnahmen und strategischen Optionen geprüft, entschieden und umgesetzt werden. Im Vordergrund sollen die langfristige Wertsteigerung und Kapitalmarktorientierung stehen. Haniel selbst betreibe seit jeher ein aktives Portfoliomanagement, sei aber immer mit großer Ruhe und ohne Hektik vorgegangen, sagte der ehemalige Mercedes-Manager Cordes, der seit vergangenem Jahr an der Spitze von Haniel steht. „Wir neigen nicht zu Schnellschüssen.“

          Der Metro-Konzern ist breit aufgestellt. Sein internationales Wachstum treiben vor allem das Cash-&-Carry-Geschäft sowie die Elektronikfachmärkte Media Markt und Saturn. Weniger Freude auch hinsichtlich des Ertrags bereiten hingegen die Geschäftsfelder Lebensmittelhandel (Real) und Warenhäuser (Galeria Kaufhof). Haniel dürfte für die Aktien insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro bezahlt haben; mit dem Kauf beauftragt war die Investmentbank Goldman Sachs. Auch nach dem Kauf behalte man die volle finanzielle Flexibilität, sagte Cordes und verwies auf das am Freitag mit A- bestätigte Rating durch Standard & Poor’s. Zu einem Übernahmeangebot an die außenstehenden Metro-Aktionäre sind die Großaktionäre nach Angaben von Cordes wegen der schon zuvor vorhandenen Beteiligungsverhältnisse nicht verpflichtet. Ein freiwilliges Erwerbsangebot werde es nicht geben.

          An der Börse wurde das langfristige Bekenntnis von Haniel zu Metro gut aufgenommen. Die Metro-Aktie stieg zunächst auf rund 66 Euro, gab dann aber wieder nach. Die Gerüchte, dass Haniel sich aus seinem Engagement zurückziehen und ein neuer Investor Metro zerlegen könne, seien nun entkräftet, hieß es.

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