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Haniel-Konzern : Kluge verzichtet auf Vertragsverlängerung

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Wäre es da nicht konsequent gewesen, gleich in einem Aufwasch den kompletten Rückzug zu erklären? „Ich wollte die beiden Prozesse entkoppeln, in Ruhe überlegen und einige Nächte darüber schlafen“, hält er dem entgegen. Nicht allein das Gerangel bei Metro dürfte seinen Entschluss beflügelt haben. Von ihm formulierte Anforderungen, die Beteiligungen an den großen börsennotierten Unternehmen Metro oder Celesio abzubauen, um Haniel wieder manövrierfähiger zu machen, sind bei der Familie offenbar ebenso ins Leere gelaufen wie sein Anliegen, bei dem Familienkonzern professionellere Governance-Strukturen einzuziehen. Zu letzterem zählt beispielsweise die Besetzung des Aufsichtsrats mit mehr Fachleuten von außen.

„Ich werfe nicht die Brocken hin“

Einen Zeitpunkt für seinen Abschied aus dem Haniel-Vorstand nennt er noch nicht. „Ich werfe nicht die Brocken hin, sondern erfülle meine Aufgabe, bis eine geordnete Nachfolge geregelt ist.“ Der Konzern sei nicht führungslos, sein Vertrag laufe noch länger als ein Jahr, kontert er den Vorwurf, nun herrsche nicht nur bei Metro, sondern auch bei Haniel ein Führungsvakuum. Wie er anmerkt, wird das Jahr 2011 ungeachtet aller Querelen für Haniel unter dem Strich alles in allem ein gutes Geschäftsjahr mit einem über dem Vorjahresniveau liegenden Ergebnis.

Der 58 Jahre alte Kluge sieht sich nicht als gescheitert. Geholt worden war er damals, um das von Klumpenrisiken wie die milliardenschwere Metro-Beteiligung geprägte Portfolio des Traditionskonzerns zukunftsfähig zu machen, die Holding umzubauen, die hohen Schulden durch Verkäufe abzutragen und neue aussichtsreiche Geschäfte aufzubauen. „Ich habe seinerzeit eine Menge Probleme geerbt“, resümiert er und verweist unter anderem auf den damaligen Sanierungsfall CWS Boco oder das stotternde Geschäft des Pharmagroßhändlers Celesio. In diesen beiden Tochtergesellschaften sei inzwischen mit neuem Managementteams die Wende eingeleitet worden. Auch seien mittlerweile rund 300 Millionen Euro Schulden zurückgeführt worden. Auf der Ebene der Tochtergesellschaften habe der Konzern mehre kleinere Zukäufe realisiert. Größeren Würfen steht nach seinen Worten nach wie vor die hohe Verschuldung entgegen. An Geschäftsideen mangele es nicht, so rechtfertigt er. Der Umbau der nach dem Verkauf ehemaliger Tochtergesellschaften wie Xella oder Belfor inzwischen zu groß dimensionierten Führungsholding und Konzernzentrale wurde auf den Weg gebracht. Hier wird die Belegschaft um rund 30 Prozent auf rund 175 Mitarbeiter schrumpfen.

Dividenden allein reichen nicht

Mit Blick auf die Metro erwartet Kluge, dass schon sehr bald ein neuer Vorstandsvorsitzender benannt wird, damit auch hier ein personeller Neuanfang gemacht werden kann. „Frühestens am 18. November, spätestens in der Aufsichtsratssitzung im Dezember“, lautet seine zeitliche Prognose. Er lässt offen, ob es auf einen internen Kandidaten hinausläuft - im Gespräch sind Finanzvorstand Olaf Koch sowie der Handelsprofi im Vorstand, Joël Saveuse, oder ob doch noch ein Top-Manager von außen präsentiert werden kann. Der Auftrag der Großaktionäre an den künftigen Metro-Chef sei unverändert, bekräftigt er, nämlich der Umbau des Portfolios. „Das Engagement rechnet sich für Haniel nämlich nur, wenn außerordentliche Erträge generiert werden.“ Dividenden allein reichten nicht. Haniel hatte sich bei der Aufstockung des Aktienpakets auf über 30 Prozent hoch verschuldet. So wurden bei Metro die Tochtergesellschaften Kaufhof und Real auf die Verkaufsliste gesetzt und für die Elektronikkette Media Saturn ein r Börsengang ins Auge gefasst.

Aus Sicht Kluges wird sich das neue Metro-Führungsteam wieder auf eine Vorwärtsstrategie konzentrieren müssen, denn der Konzern kämpfe in seinen wichtigen Geschäften mit ernsten Wachstumsproblemen. Bereut er seinen Ausflug in das operative Management? „Nein, im Gegenteil, es ist eine wertvolle Erfahrung.“

Machtspielchen

Im Machtkampf bei der Elektronikkette Media Saturn hat der Firmengründer und Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals eine Klage gegen Großaktionär Metro zurückgezogen. Kellerhals hatte aus Ärger darüber, dass Metro-Chef Eckhard Cordes den Vorsitz einer Gesellschafterversammlung im August an sich ziehen wollte, eine einstweilige Verfügung beantragt. Da Cordes nun offenbar nicht mehr lange an der Spitze des Metro-Konzerns stehen werde, könne man auf eine gerichtliche Entscheidung verzichten, sagte ein Sprecher Kellerhals’. Unberührt davon bleibe aber der Prozess über die Einrichtung eines Beirats bei Media Saturn, mit dem Metro das Vetorecht der Minderheitsaktionäre Kellerhals und Leopold Stiefel umgehen will. Hier hatte Kellerhals in erster Instanz teilweise Recht bekommen. (caf.)

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