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Handyspiele : Die App-Entwickler aus der Provinz

  • -Aktualisiert am

In Giebelstadt in Unterfranken hat die Firma Handygames ihren Sitz. Bild: Rainer Wohlfahrt

In einem Gewerbegebiet in Unterfranken entwickelt eine kleine Firma die erfolgreichsten Handyspiele Deutschlands. Vom Umzug nach Berlin oder ins Silicon Valley wollen die Gründer nichts wissen.

          Klingeln Sie mit dem Zeigefinger oder mit dem Daumen? Wenn Sie den Zeigefinger benutzen, dann sind Sie höchstwahrscheinlich älter als 30 Jahre. Denn bei jüngeren Menschen kommt an der Haustüre der Daumen zum Einsatz. Die Gehirnregion, die den Daumen steuert, ist bei ihnen fast doppelt so groß wie bei älteren Menschen.

          Diese Geschichte erzählt Christopher Kassulke gerne, um zu erklären, wie sehr Handys und Smartphones in den vergangenen 15 Jahren unser Leben umgekrempelt haben. Denn der Grund für die Veränderung im Gehirn jüngerer Menschen liegt in den Tastenfeldern und Touchscreens, die uns eine höhere Fingerfertigkeit abverlangen.

          22,3 Millionen Deutsche spielen am Smartphone

          Für Kassulke ist die Geschicklichkeit der Daumen das tägliche Geschäft. Seine Firma Handygames produziert Spiele-Apps fürs Smartphone, die seine Kunden mit dem Daumen daddeln. Und sie ist damit sehr erfolgreich: 12 der 50 meistverkauften Apps im Google Play Store stammten im April dieses Jahres von Handygames. Das erfolgreichste Spiel der Unterfranken ist „Clouds&Sheep“, in dem der Spieler zum Hirten einer Schafherde wird. Er muss seine Schafe vor drohendem Unheil wie Giftpilzen und Blitzschlag bewahren. Gelingt ihm das, wird er mit Glückssternen und Nachwuchs belohnt.

          Handygames-Entwickler bei der Arbeit

          Eine Firma wie die von Kassulke würde man im kalifornischen Silicon Valley oder in der Berliner Start-up-Szene vermuten. Doch die Entwicklerwerkstatt von Handygames liegt hinter dunklen Eichen und Buchen verborgen im Gewerbegebiet „Klingholz“ in der fränkischen Provinz. In der Nähe des 700-Seelen Dorfs Essfeld, einem Ortsteil von Giebelstadt, haben Kassulke und sein Bruder Markus gemeinsam mit Geschäftspartner Udo Bausewein 2000 die Firma „Handygames“ gegründet. In einer Zeit, als mit Handyspielen noch kaum jemand etwas anfangen konnte und die Daumen der Jugend noch ungeübt waren.

          Angefangen haben sie als Haus- und Hoflieferant von Siemens, wo sie für die vorinstallierten Spiele auf den Handys zuständig waren. Dann stellte Siemens die Produktion der Mobiltelefone ein. Handygames stand plötzlich ohne seinen Hauptabnehmer da und musste mehr als ein Drittel der Mitarbeiter entlassen. Doch mit dem Smartphone tat sich für die Unterfranken ein neues Geschäft auf: der Markt für Spiele-Apps. 22,3 Millionen Deutsche nutzen ihr Smartphone mittlerweile zum Daddeln. Und es werden stetig mehr: Allein im Jahr 2014 ist der Umsatz mit Smartphone- und Tablet-Spielen nach Angaben des Bundesverbands für interaktive Unterhaltungssoftware in Deutschland um 153 Prozent auf 263 Millionen Euro gestiegen.

          Markt für Wearables wird sich verzehnfachen

          Bei Handygames sind derzeit mehr als 60 Mitarbeiter damit beschäftigt, Apps in den Kategorien „mobile“ und „beyond mobile“ zu entwickeln. Denn während der Spielemarkt für Smartphone und Tablet boomt, hat in Unterfranken die Suche nach neuen Plattformen längst begonnen. Große Erwartungen haben die Spieleentwickler vor allem an den Trend zu sogenannten „Wearables“: elektronische Systeme, die direkt am Körper getragen werden. Bekannteste Variante ist die intelligente Uhr. „Wir glauben, dass das der nächste große Trend wird“, sagt Kassulke. „Bis 2020 wird sich der Markt für Wearables verzehnfachen“, schätzt auch Damjan Stamcar, Marketing-Manager des Sony-Konzerns, der schon seit Jahren eng mit Handygames zusammenarbeitet. Vor allem in Fitness und Gesundheit sieht er viele Anwendungen für die neuen Geräte, die vollgestopft sind mit Messtechnik vom Pulsmesser bis hin zum Bewegungssensor.

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