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Debatte um Clickworker : Myhammer wehrt sich gegen Sozialversicherungspflicht

Rund 440.000 „Clickworker“ gibt es in Deutschland, darunter auch Reinigungskräfte und Handwerker. Bild: dpa

Etwa eine halbe Million Menschen arbeiten in Deutschland als „Clickworker“: Sie sind weder angestellt noch klassische Unternehmer. Das Handwerkerportal Myhammer kritisiert jetzt neue Vorschläge zu ihrem Schutz.

          Die gesetzliche Unfallversicherung sorgt mit einem Vorstoß zur Sozialabgabenpflicht für sogenannte Clickworker und deren Vermittlungsplattformen für Kontroversen. Einschlägige Plattformbetreiber wie das Handwerkerportal Myhammer zeigten sich am Mittwoch irritiert und mahnten einen differenzierten Blick auf Veränderungen der Arbeitswelt an. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der die Ausbreitung neuer Erwerbsformen jenseits des Normalarbeitsverhältnisses schon lange kritisch verfolgt, reagierte auf den Vorstoß hingegen demonstrativ erfreut.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Es ist ermutigend, dass die gesetzliche Unfallversicherung so klar Position bezieht“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der F.A.Z. Die betreffenden Plattformen hätten „in der Regel Arbeitgeberfunktion, da dürfen sie sich nicht einfach an ihren Verpflichtungen vorbeidrücken“, forderte sie. „Gerade Selbständige in prekärer Lage – auch Click- und Crowdworker – gehören in den Schutz der Sozialversicherung.“ Buntenbach bezog sich damit auf Überlegungen, die Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), in der F.A.Z. geäußert hatte.

          Unterschiedliche Geschäftsmodelle in einen Topf geworfen

          Die Diskussion betrifft die wohl steigende Zahl Erwerbstätiger, die weder angestellt sind noch dem klassischen Unternehmerbild entsprechen: Sie bieten ihre Arbeitsleistung auf Internetplattformen an und bewerben sich laufend neu um Aufträge. Bisher gelten „Clickworker“, Schätzungen zufolge rund 440.000 an der Zahl, als Selbständige und unterliegen nicht der Sozialversicherungspflicht; erst recht müssen ihre Auftraggeber keine gesonderten Sozialabgaben auf den Rechnungsbetrag zahlen. Auch Breuer schlug nun aber vor: Wo im Angestelltenverhältnis der Arbeitgeber Beiträge zur Unfall-, Renten- oder Krankenversicherung abführt, solle dies bald der Plattformbetreiber tun. Trotz vieler politischer Debatten seien leider „konkrete Schritte zur sozialen Absicherung bisher nicht gemacht worden“.

          Das Portal Myhammer ist eine der Plattformen, auf die dies zielen könnte – ebenso wie etwa den Taxidienst Uber oder den Wohnungsvermittler Airbnb. Claudia Frese, Vorstandschefin von Myhammer, zeigte sich auf Anfrage vor allem irritiert darüber, wie in der Debatte über die Plattformökonomie „völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle in einen Topf geworfen werden“. Einerseits gebe es Plattformen, die den Preis der vermittelten Leistung bestimmten und auch selbst Vertragspartner des Endkunden würden. Das gilt etwa für Uber; mit entsprechend geringeren Freiheitsgraden für die Fahrer. Andere hingegen beschränkten sich auf die Vermittlung einer Vertragsbeziehung zwischen Anbieter und Kunden – so auch Myhammer.

          Wie in diesem Fall aber der Vermittler mit Sozialabgaben belegt werden könne, sei schleierhaft, urteilt Frese. Eine Bemessungsgrundlage könne dann ja wohl allenfalls die Mitgliedsgebühr sein, die Myhammer von den Handwerkern erhebe. „Ich bin der Diskussion über Modernisierungen des Sozialstaats ja gar nicht abgeneigt“, betonte Frese. „Ich warne aber davor, dies polarisierend und ohne genauen Blick auf die Wirklichkeit zu tun.“

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