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Handelsstreit : EU plant Strafzölle auf Schuhe aus Asien

  • Aktualisiert am

Hoher Absatz, (zu) niedrige Kosten? Bild: REUTERS

Schuhe könnten für deutsche Verbraucher schon bald teurer werden. Die Europäische Union kündigte an, sie erwäge Schutzzölle auf Schuhimporte aus China und Vietnam. Die Anti-Dumping-Maßnahmen könnten bereits am 7. April beginnen.

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          Die Europäische Kommission will Strafzölle auf Lederschuhe aus China und Vietnam erheben. Ein Kommissionssprecher bestätigte am Montag in Brüssel, daß EU-Handelskommissar Peter Mandelson noch in dieser Woche einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten werde.

          Fachleute der Kommission hätten in Untersuchungen, die neun Monate gedauert hätten, genügend Belege dafür gefunden, daß die Schuhhersteller in den betroffenen Ländern von den Regierungen "unfair unterstützt" worden seien. Auf diese Weise hätten die Produzenten die Schuhe unter Herstellungskosten anbieten können, heißt es. Das rechtfertige Anti-Dumping-Zölle der EU. Zu den festgestellten Tatbeständen zählten Steuerbefreiungen, Darlehen zu nicht marktüblichen Konditionen und günstige Mieten. Im untersuchten Zeitraum - zwischen April 2004 und März 2005 - sei der Import in die EU aus Vietnam um 700 Prozent auf 120 Millionen und aus China um 320 Prozent auf 95Millionen Schuhe gestiegen.

          Mehrheit für Strafzölle wahrscheinlich

          Die EU-Mitgliedstaaten müssen dem Kommissionsvorschlag mit einfacher Mehrheit zustimmen. Es gilt als wahrscheinlich, daß die erforderliche Mehrheit zustande kommt, weil viele süd- und osteuropäische Staaten schon länger Strafmaßnahmen gegen die chinesischen Importeure fordern. Ein Beschluß ist für den 9.März geplant. Sollte der Kommissionsvorschlag Zustimmung finden, träten die Strafzölle am 7. April in Kraft und gälten ein halbes Jahr. Betroffen sind etwa 8 Prozent aller in der EU verkauften Schuhe. Offiziell ist die Höhe der Zölle noch offen. Es gilt als wahrscheinlich, daß zunächst nur ein geringer Satz von etwa 5Prozent erhoben werden soll, der dann auf bis zu 20 Prozent steigen soll. Italienische Produzenten hatten wesentlich höheren Schutz gefordert.

          Umstritten waren am Montag die Auswirkungen auf die Verbraucher und den Handel. Der dänische Wirtschaftsminister Bendt Bendtsen warf der Kommission vor, sie vernachlässige die Interessen der Verbraucher. Berechnungen seines Ministeriums hätten ergeben, daß der Preis für ein durchschnittliches Paar Lederschuhe bei Zöllen von 40 Prozent von 67 auf 84 Euro steigen würde. Die Kommission widersprach dieser Darstellung mit dem Hinweis, daß die dänische Regierung von einem unrealistisch hohen Zoll ausgehe. Zudem würden die Zölle nur auf den Importpreis, nicht auf den Einzelhandelspreis erhoben. Der durchschnittliche Importpreis betrage für die betroffenen Schuhe lediglich 8,50 Euro. Ein Zoll von 40 Prozent lasse den Preis demnach nur um 3,50 Euro steigen, wenn der Aufpreis von den Händlern voll an die Verbraucher weitergegeben werde. Es sei außerdem wahrscheinlich, daß die Margen des Handels groß genug seien, um die höheren Preise nicht voll weitergeben zu müssen.

          Handel und Verbraucher betroffen

          In Deutschland gibt es kaum noch Schuhhersteller, so daß sich die Zölle fast ausschließlich auf den Handel und die Verbraucher auswirken dürften. Europas größter Schuhhändler Deichmann warnte bereits vor den Folgen der EU-Pläne. "Solche Schutzzölle würden zu höheren Preisen führen und zehntausende Arbeitsplätze im Handel und in der Logistik gefährden", sagte der Chef der Deichmann-Gruppe, Heinrich Deichmann. Niemand erwarte, daß die Zölle die Schuhproduktion in Europa retten könnten. Die Produktionsstätten würden lediglich von China und Vietnam nach Indien, Kambodscha, Laos und Indonesien verlegt, wo eine neue Infrastruktur aufgebaut werden müsse. "Da ein solcher Prozeß etwa zwei Jahre braucht, müßten wir in Europa zunächst mit einer Angebotsverknappung und höheren Preisen rechnen", sagte Deichmann. Der europäische Sportwarenverband Fesi warnte vor einem drohenden Preisanstieg bei Sportschuhen. Von den Zöllen wären nach Kommissionsangaben allerdings nicht alle Sportschuhe betroffen, sondern nur die Lederschuhe unter ihnen.

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