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Handelskonzern Douglas : Appelrath Cüpper steht zum Verkauf

Noch ein Teil des Douglas-Konzerns: Appelrath Cüpper auf der Zeil in Frankfurt Bild: Finger, Stefan

Gerade erst trennte sich der Handelskonzern Douglas von dem Süßwarenhändler Hussel. Nun verkauft er eine zweite Sparte - die Modekette Appelrath Cüpper. Was folgt als Nächstes?

          Der Handelskonzern Douglas stellt nach Informationen dieser Zeitung seine Modekette Appelrath Cüpper zum Verkauf. Das Mandat dafür habe die Investmentbank Lincoln erhalten, verlautete aus Finanz- und Branchenkreisen. Damit leitet das Handelskonglomerat die Trennung von der zweiten der fünf Sparten ein, die es bis vor kurzem noch unterhielt. Die Eigner treiben so den Umbau des Mischkonzerns weiter voran, den der 2012 mehrheitlich eingestiegene Gesellschafter Advent angestoßen hat.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Damals bestand Douglas aus der namensgebenden Parfümeriekette, dem Schmuckhändler Christ, der Buchhandelskette Thalia, Appelrath Cüpper und dem Süßwarenhändler Hussel. Douglas wurde von der Börse genommen, die Unternehmerfamilie Kreke hält rund 20 Prozent und stellt den Vorstandsvorsitzenden, in Person von Henning Kreke. Seit dem Einstieg der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft wird die Strategie auf den Kopf gestellt – unter der Ansage, dass der Konzern vor allem das Parfümerie- und Schmuckgeschäft voranbringen wolle.

          Douglas kappte seine historischen Wurzeln

          Die anderen Geschäfte mussten beziehungsweise müssen seitdem um ihren Verbleib im Konzern bangen. Den Anfang machte Hussel. Ende vergangenen Jahres beauftragten die Eigner die kleine Münchener Fusionsberatung Ferber damit, nach einem Interessenten für die Schokoladenkette mit rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz zu suchen; im März wurde der neue Eigentümer präsentiert: der Finanzinvestor Emeram Capital Partners, gegründet unter anderen vom ehemaligen Metro- und Daimler-Vorstand Eckhard Cordes.

          Damit kappte Douglas immerhin seine historischen Wurzeln, denn aus dem 1949 gegründeten Süßwaren-Filialisten war der Handelskonzern entstanden, bis 1989 firmierte das kleine Handelsimperium sogar noch als Hussel-Holding. Für den zweiten Verkauf wählten die Eigner nun in Form von Lincoln eine weitere Investmentbank, die auf kleine bis mittelgroße Transaktionen spezialisiert ist. Bei der Austüftelung der gesamten Strategie hatte man auf den Rat von Altium gesetzt, genau wie Ferber eine Münchener „Boutique“, wie diese kleinen Investmenthäuser gerne genannt werden.

          Insider berichten von einem erneuten Börsengang

          Altiums Münchener Geschäftsführer Michael Hinderer ist mit Henning Krekes Schwester verheiratet und sitzt im Douglas-Aufsichtsrat. Appelrath Cüpper vertreibt Damenmode, mit einem breiten Spektrum an mittleren und gehobenen Modemarken. Die Kette mit Sitz in Köln gehört seit 1986 zum Konzernverbund und betreibt dreizehn Modehäuser, mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen. 2007 hatte Douglas schon einen Schlussstrich unter das Geschäft mit Herrenmode gezogen und die Beteiligung an der Pohland-Gruppe verkauft.

          Detaillierte Zahlen veröffentlicht Douglas seit dem Börsenrückzug nicht mehr; im letzten Geschäftsbericht über das Jahr 2011/12 wird für die Modekette ein Umsatz von 122 Millionen Euro genannt, bei einem operativen Ergebnis (Ebitda) von 7 Millionen Euro und einem Vorsteuergewinn von etwas weniger als 1Million Euro. Advent und Douglas lehnten einen Kommentar ab. Douglas wird, so berichten Insider, darauf vorbereitet, mittelfristig wieder an die Börse zu gehen.

          Darin dürfte auch die Investitionslogik aus Sicht Advents liegen: erst das Unternehmen von der Börse nehmen, anschließend margenschwache und kleine Sparten verkaufen, dann den Konzern zu einem höheren Wert wieder an die Börse bringen – zumal dann der „Konglomeratsabschlag“ entfällt, den Mischgesellschaften am Kapitalmarkt üblicherweise ertragen müssen.

          Thalia muss als nächstes bangen

          Als Nächstes muss Thalia um den Verbleib im Konzern bangen – auch wenn ein eventueller Verkauf noch eine Weile dauern dürfte. Insider berichten, dass Douglas durchaus auch noch mit der Buchhandelssparte im Portfolio an die Börse gehen könnte. In der Zwischenzeit soll der Filialist strategisch aufgehübscht werden. Thalia, Marktführer im deutschsprachigen Raum, war Auslöser des tiefgreifenden Umbaus gewesen. Denn die scharfe Konkurrenz des Online-Handels und der Vormarsch der elektronischen Lesegeräte hatten das Geschäftsmodell in Frage gestellt.

          Am Ende rissen die harte Sanierung und der hohe Wertberichtigungsbedarf sogar den gesamten Douglas-Konzern vorübergehend tief in die Verluste. Die Neuausrichtung von Thalia soll Fortschritte machen. Gut zwanzig der ehedem mehr als 300 Filialen wurden geschlossen, in anderen die Verkaufsflächen verkleinert. Vergrößert hingegen wird der Produktmix: Der Umsatz jenseits des Buchgeschäfts, etwa mit DVDs oder Papierwaren, steuert dem Vernehmen nach ein Viertel zum Geschäft bei.

          Expansion im Kerngeschäft

          Zudem hat Thalia gemeinsam mit anderen Buchhändlern und der Deutschen Telekom ein Lesegerät für elektronische Bücher – „Tolino“– etabliert, das es mit dem Marktführer Kindle aus Amerika aufnimmt. Der Marktanteil in Deutschland soll über einem Drittel liegen. Gleichzeitig ist Advent offenkundig bereit, Thalia Geld für Zukäufe zu geben: So hatte sich das Unternehmen zum Beispiel für einige Filialen des Weltbild-Verlags interessiert, kam aber nicht zum Zuge.

          Die ganz große Expansion ist indes ohnehin im erklärten Kerngeschäft vorgesehen, wo die Parfümeriekette Douglas gerade den französischen Wettbewerber Nocibé erwirbt. Douglas als europäischer Marktführer rückt damit zumindest nach der Filialzahl zur Nummer eins in Frankreich auf. Und das für die Expansion des Parfümeriegeschäfts reservierte Budget von rund 500 Millionen Euro ist damit nicht erschöpft, wie es heißt. In der Zentrale senken die Eigner unterdessen die Kosten: Arbeitsplätze in der Holding werden abgebaut.

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