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Handel : Streit um Wertheim-Erbe verschärft sich

  • Aktualisiert am

Das Beisheim-Center auf dem Lenne-Dreieck Bild: dpa

Der Konflikt zwischen Karstadt-Quelle und den Erben der jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim wird schärfer: Der Direktor der Jewish Claims Conference und die Sprecherin der Wertheim-Erben wandten sich erstmals mit ihren Ansprüchen direkt an Thomas Middelhoff.

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          Der Konflikt zwischen der Karstadt-Quelle AG und den Erben der jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim hat sich am Montag erheblich verschärft. Der Direktor der Jewish Claims Conference, Roman Haller, und die Sprecherin der Wertheim-Erben, Barbara Principe, wandten sich in einer internationalen Pressekonferenz in Berlin erstmals mit ihren Ansprüchen auf eine Millionen-Entschädigung für in der Nazizeit enteigneten Grundbesitz direkt an den Vorstandsvorsitzenden der Karstadt-Quelle AG, Thomas Middelhoff.

          Sie forderten ihn persönlich auf, die seit Jahren ablehnende Haltung aufzugeben. Der Karstadt-Quelle-Konzern übte seinerseits „scharfe Kritik an der Pressekampagne der Jewish Claims Conference“. Sprecher Jörg Howe sagte in Essen: „Derzeit versucht die JCC mit Emotionen Druck auf die Karstadt-Quelle AG auszuüben.“ Dies sei ein „untauglicher Versuch“.

          Bis zur letzten Instanz

          Howe bekräftigte die Rechtsauffassung des Unternehmens, wonach es „ohne letztinstanzliche juristische Klärung für uns als Aktiengesellschaft keine Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung gibt“. Das Unternehmen strebe „eine präzise juristische Lösung an, um die strittigen Fragen ein für alle Mal rechtsverbindlich zu klären“.

          Kämpft für die Millionen-Ansprüche der Wertheim-Erben: Barbara Principe
          Kämpft für die Millionen-Ansprüche der Wertheim-Erben: Barbara Principe : Bild: REUTERS

          Dem hielten Haller, Principe sowie der Publizist Henryk M. Broder und der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum bei ihrem Auftritt in Berlin vor allem moralische Appelle und Forderungen entgegen. Haller, dessen Organisation mit gerichtlicher Bestätigung durch das Bundesverwaltungsgericht die Ansprüche der während der Nazi-Zeit enteigneten jüdischen Eigentümer vertritt, stellte an Karstadt-Quelle-Chef Middelhoff die Frage: „Wie können Sie es mit Anstand und Moral vereinbaren, daß Sie sämtliche Gerichtsurteile ignorieren? Anerkennen sie diese, das wäre gut für die jüdischen Überlebenden, für Deutschland und die Firma Karstadt.“ Baum sagte, Karstadt spiele auf Zeit, dies sei „in Wiedergutmachungsfällen nicht moralisch“.

          Karstadt droht ein Schaden von 609 Millionen Euro

          Kernpunkt des jahrelangen Konflikts ist der Streit um die Entschädigung für das so genannte Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte. Das Gebiet gehörte ursprünglich zur DDR und kam 1988 im Zuge eines Austauschs in die Hände des Berliner Senats. Dieser gab es zum symbolischen Preis von einer Mark an das Warenhaus Hertie weiter. Karstadt-Quelle übernahm das Areal nach der Wende und verkaufte es für 145 Millionen Euro an den Metro-Gründer Otto Beisheim. Er errichtete auf dem Filetstück im neuen Zentrum der Hauptstadt das Beisheim-Center, auf dem sich u.a. die Luxushotels Marriott und das Ritz-Carlton befinden.

          Das Bundesamt für offene Vermögensfragen hatte das Eigentumsrecht der Wertheim-Erben an den fraglichen Grundstücken im August bestätigt. Karstadt-Quelle hatte angekündigt, Rechtsmittel einzulegen. Der Berliner Anwalt der Wertheim-Familie, Matthias Druba, veröffentlichte Zahlen, wonach im Fall einer letztlichen Niederlage der Schaden für Karstadt-Quelle sich, falls Beisheim ebenfalls Entschädigung fordert, in den nächsten fünf Jahren bis auf 609 Millionen Euro summieren könnte. Principe sagte, für sie und ihre Familie sei es am Schlimmsten, „daß Karstadt nicht ernsthaft erwartet, vor Gericht zu gewinnen und trotzdem weitermacht“.

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