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Handel : Schlecker zahlt keine Überstunden aus

Überstunden-Streit: Die Juni-Mehrarbeit wurde nicht abgerechnet Bild: dpa

Neuer Streit bei der Drogeriekette Schlecker: Nach Informationen der F.A.Z. zahlte das schwäbische Unternehmen den Mitarbeitern ohne Angabe von Gründen die im Juni geleisteten Überstunden nicht aus. Nun heißt es, das Guthaben sei in ein Mehrarbeits-Depot geflossen.

          Die Drogeriekette Schlecker bringt ihre Beschäftigten abermals gegen sich auf. Nach Informationen der F.A.Z. zahlte das schwäbische Unternehmen ohne Angabe von Gründen die im Juni geleisteten Überstunden nicht aus. Die Abrechnung der Mehrarbeit hätte eigentlich mit der Juli-Abrechnung erfolgen müssen. Dort waren zwar die Stunden aufgeführt, jedoch nicht abgerechnet. Die Mitarbeiter erhielten später den Hinweis, das Stundenguthaben werde in ein Mehrarbeits-Depot überführt.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Auf Anfrage der F.A.Z. bestätigte Schlecker die Vorgänge. „Es ist seit Jahren in sehr vielen Unternehmen in Deutschland gängige Praxis und selbstverständlich, dass Mehrstunden nicht mehr pauschal ausgezahlt, sondern auf ein Arbeitszeitkonto überführt werden“, heißt es unter anderem in einer schriftlichen Stellungnahme des Managements. „Auch Schlecker ist aus Gründen einer höheren Auslastungsflexibilität auf dieses System angewiesen und wird dies dort, wo erforderlich, auch weiter praktizieren. Dies ist in keiner Weise unanständig, da wir sehr großen Wert darauf legen, dass sämtliche geleisteten Mehrstunden erfasst werden und den Mitarbeitern im Rahmen der Lohn- und Gehaltsabrechnung jeweils der Stand des Arbeitszeitguthabens ausgewiesen wird.“ Dieses Guthaben könne, wenn es die Auslastungssituation zulasse, von den Mitarbeitern abgebaut werden. Warum keine Rücksprache mit den Beschäftigten stattfand, geht nicht aus dem Schreiben hervor. Auch die Frage nach der Zahl der Betroffenen und nach dem Volumen des zurückgehaltenen Geldbetrages blieben unbeantwortet.

          Verdi will die Sache im Auge behalten

          Der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sind die Vorfälle ebenfalls bekannt, wie Einzelhandelsexperte Ulrich Dalibor bestätigte. Das Management habe zugesichert, die Überstunden mit dem Augustgehalt zu überweisen, sagte er. Aus der Schlecker-Stellungnahme geht dies jedoch nicht hervor. „Wir werden die Sache im Auge behalten“, sagte Dalibor. Offenbar hofft die Gewerkschaft darauf, sich mit Schlecker noch gütlich zu einigen: „Wir wollen Schlecker die Gelegenheit geben, dumme Gedanken zu verwerfen, bevor wir ihn in die Pfanne hauen“, sagte ein Gewerkschaftssekretär. Er bestätigte, dass es sich bei der Nichtauszahlung nicht um Einzelfälle handele, sondern dass Mitarbeiter bundesweit betroffen sind.

          Für rund 34.000 Mitarbeiter in den knapp 9000 deutschen Schlecker-Filialen gibt es erst seit Anfang Juni einen Tarifvertrag. In diesem hat sich der Drogerie-Filialist verpflichtet, den Einzelhandelstarifvertrag anzuwenden. Zu den Überstunden wurde geregelt, dass diese auch in Freizeit abgegolten werden können, aber nur wenn beide Parteien einverstanden sind. Üblicherweise sind die häufig nur mit geringen Stundenzahlen beschäftigten Schlecker-Mitarbeiterinnen an einer Auszahlung interessiert.

          „Grundsätzlich werden alle Mitarbeiter/-innen, die der Tarifbindung unterliegen, auch entsprechend der jeweils gültigen Tarifverträge vergütet“, versichert Schlecker in dem Schreiben an die F.A.Z. Die Deutung der Gewerkschaft: Jeder Mitarbeiter, der auf seine Rechte pocht, müsste sich als Gewerkschaftsmitglied zu erkennen geben und zöge möglicherweise erst Recht den Zorn auf sich.

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