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Handel : Sanierung trifft jeden vierten Arcandor-Job

  • Aktualisiert am

Im Abwärtstrend: Arcandor-Chef Eick erläutert seinen Sanierungsplan Bild: ddp

Die Finanzierung durch Bankenkredite reicht nicht mehr, sagt der neue Vorstandschef des Handelskonzerns Arcandor. Das Kadewe, das Alsterhaus und Oberpollinger, einige Karstadt-Filialen und die Quelle-Technik-Läden werden ausgegliedert. Vom Umbau werde fast jeder vierte Mitarbeiter betroffen sein.

          Der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern Arcandor (Karstadt, Quelle, Thomas Cook) braucht für die Sanierung des Konzerns in den kommenden fünf Jahren weitere Kredite. Für die Maßnahmen des Konsolidierungsprogramms seien zusätzlich zur anstehenden Refinanzierung im Sommer 2009 in den kommenden fünf Jahren finanzielle Mittel in Höhe von 900 Millionen Euro notwendig, teilte das Unternehmen am Montag in Essen mit. Der Konzern wolle künftig in allen drei Kerngeschäftsbereichen positive Ergebnisse erzielen.

          Zu einer Gesundung der Finanzen würden alle Möglichkeiten geprüft. Derzeit basiere das Refinanzierungskonzept für Arcandor im Wesentlichen auf einer weiteren Bankenfinanzierung, dies reiche jedoch nicht, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick am Montag. Auch das Thema Kapitalerhöhung werde geprüft. Insgesamt sei die Unterstützung „aller Stakeholder“ notwendig, um die langfristige Finanzierung zu sichern. Zusätzlich prüfe der Essener Handels- und Touristikkonzern die Möglichkeit einer staatlichen Unterstützung. Erste Sondierungsgespräche mit Vertretern des Bundes und der entsprechenden Landesregierungen seien geführt worden (lesen Sie dazu auch den Kommentar: Dicke Hunde, arme Hunde).

          Arcandor hat in der Tat Chancen auf Hilfen der Bundesregierung aus dem Rettungsschirm für Unternehmen. „Natürlich stünde der Wirtschaftsfonds auch Arcandor offen, sofern sich das Unternehmen entscheidet, die Möglichkeiten zu nutzen“, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Montag in Berlin. Der mit dem zweiten Konjunkturpaket der Regierung eingerichtete Fonds biete verschiedene Möglichkeiten wie Bürgschaften und Kredite, um Firmen in schwieriger Lage zu helfen. Die Bundesregierung führe Gespräche mit Unternehmen aller Branchen, die von der konjunkturellen Lage betroffen seien.

          Die repräsentativen Nobel-Kaufhäuser wie das Alsterhaus gliedert Arcandor aus

          Konzentration auf Kernbereiche

          Arcandor will sich auf profitable Kernbereiche seiner Versandhandelssparte Primondo und seiner Warenhaussparte Karstadt konzentrieren. Im Rahmen des Sanierungskonzeptes werden acht Karstadt-Filialen in Kiel, Hanau, Kaiserslautern, Hamburg, Bottrop, Leipzig, Ludwigsburg, München und die drei Premium-Kaufhäuser - das Kadewe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und der Oberpollinger in München - ausgegliedert und „in einem zukünftigen Vorstandsressort weiterentwickelt“. In die neue Gesellschaft ATRYS sollen insgesamt zwölf der derzeit noch 108 Waren- und Sporthäuser ausgegliedert werden.

          Vom Umbau des angeschlagenen Essener Konzerns Arcandor wird fast jeder vierte Mitarbeiter im Handelsgeschäft betroffen sein. Das kündigte der seit Anfang März amtierende neue Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick am Montag in Düsseldorf an. Es gehe um rund 12.500 der derzeit 51.600 Mitarbeiter bei Karstadt und im Versandhandel. Zu einem möglichen Personalabbau machte Eick keine Angaben.

          Thomas Cook „ist und bleibt Kerngeschäft“

          Die noch verbliebenen rund 115 Quelle-Technik-Center zählt Arcandor ebenfalls nicht mehr zum Kerngeschäft und will sie „individuell weiterentwickeln“. Diese Quelle-Technik-Läden sind in ihrer Struktur sehr inhomogen und arbeiten seit Jahren mit Verlusten. Marc Sommer, im Arcandor-Vorstand für den Versandhandel zuständig, hatte schon im vergangenen Herbst eine Bereinigung dieses defizitären Geschäftes angekündigt und dabei auch eine mögliche Trennung in Erwägung gezogen.

          Das Touristikgeschäft Thomas Cook hingegen „ist und bleibt Kerngeschäft von Arcandor“, hieß es weiter. Zuletzt hatte es immer wieder Gerüchte und Spekulationen gegeben, dass sich Arcandor von der Beteiligung an Thomas Cook, an dem Arcandor derzeit rund 52 Prozent hält, trennen könnte, um die Sanierung im Versandhandel und Warenhausgeschäft zu finanzieren.

          Einkauf soll gebündelt werden

          Arcandor will zudem den Einkauf bündeln und dadurch bis zu 350 Millionen Euro sparen. Innerhalb von zwei bis drei Jahren sollen Synergien von bis zu fünf Prozent des Arcandor-Einkaufvolumens (ohne Thomas Cook) in Höhe von mehr als sieben Milliarden Euro erzielt werden, teilte das Unternehmen mit.

          Das Kerngeschäft von Primondo soll künftig aus dem E-Commerce und dem Kataloggeschäft von Quelle in Deutschland und im Ausland, dem Homeshopping-Spezialisten HSE 24 sowie den bestehenden Spezialversendern bestehen. Das Kerngeschäft von Karstadt besteht künftig aus 81 Karstadt-Filialen sowie 27 Karstadt-Sport-Filialen.

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