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Handel : Karstadt-Quelle verkauft Warenhäuser

  • Aktualisiert am

Verkauft und zurückgemietet: Karstadt-Immobilien Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Handelskonzern Karstadt-Quelle hat seine 75 großen Warenhäuser für 4,5 Milliarden Euro an ein Konsortium verkauft, an dem er selbst beteiligt ist. Karstadt will die Warenhäuser zurückmieten und selber weiter betreiben.

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          Karstadt-Quelle hat seine Kaufhäuser für 4,5 Milliarden Euro verkauft und wird dadurch auf einen Schlag schuldenfrei. Das Unternehmen wolle die insgesamt 174 Immobilien, darunter 85 Warenhäuser, zwölf Sportfachgeschäfte, Parkhäuser und Bürogebäude zu gleichen Konditionen wie bisher zurückmieten und weiter betreiben, erklärte Konzernchef Thomas Middelhoff am Montag anläßlich der Vorlage der Bilanz in Düsseldorf.

          Daß Europas größter Warenhaus- und Versandhandelskonzern die Immobilien zum Großteil an sich selbst verkauft, trübte die Laune an der Börse. Zugleich machte der Konzern einen großen Schritt in Richtung schwarze Zahlen.

          Weitere Immobilien sollen verkauft werden

          Die Immobilien seien an ein Unternehmen verkauft worden, an dem der Immobilienfonds der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs zu 51 Prozent und Karstadt-Quelle zu 49 Prozent beteiligt seien, erklärte der Konzern weiter. Von dem Erlös von insgesamt 4,5 Milliarden Euro fließen Karstadt-Quelle demnach 3,7 Milliarden Euro direkt zu. Weitere 800 Millionen Euro erhofft sich das Unternehmen aus seiner Beteiligung an den Wertsteigerungen der Immobilien. Middelhoff kündigte zudem an, weitere Gebäude und Grundstücke für 600 Millionen Euro zu verkaufen. Seit der Sanierung habe Karstadt-Quelle dann Immobilien im Gesamtwert von 7,1 Milliarden Euro veräußert.

          „Durch den Immobilienverkauf ist der Konzern finanzschuldenfrei“, sagte Middelhoff, der dadurch in diesem Jahr mit Sondereinnahmen von zwei Milliarden Euro rechnet. Der Vorsteuergewinn werde sich dauerhaft um mehr als 100 Millionen Euro jährlich verbessern. Das eröffne dem noch vor gut einem Jahr finanziell angeschlagenen Konzern neue Entwicklungs- und Wachstumsspielräume, sagte Middelhoff.

          Konzentration auf Premium-Warenhäuser

          Unter anderem will der Konzernchef die Karstadt-Warenhäuser modernisieren und einige nach dem Vorbild des KaDeWe in Berlin in noble Einkaufstempel verwandeln. Bei den Versandhändlern Quelle und Neckermann werde die Sanierung Ende kommenden Jahres abgeschlossen sein, sagte Middelhoff. Bis 2008 soll das Internet die Hälfte des Geschäfts ausmachen. Derzeit seien es 40 Prozent. „Auch Thomas Cook ist Gott sei dank wieder auf Kurs.“ An Europas zweitgrößtem Reisekonzern sind Karstadt-Quelle und die Lufthansa je zur Hälfte beteiligt.

          Zugleich setzt Karstadt-Quelle seinen Weg aus dem Minus fort: Nach einem Verlust von 1,6 Milliarden Euro 2004 verbuchte der Konzern im vergangenen Jahr noch ein Minus von knapp 317 Millionen Euro und damit knapp 81 Prozent weniger. Der Umsatz sank - vor allem wegen der Einbußen im Kataloggeschäft - um 4,2 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit leicht besseren Umsätzen und einem deutlichen Gewinnanstieg durch den Verkauf der Warenhäuser.

          An der Börse schoß die im MDax notierte Karstadt-Aktie nach den angekündigten Immobilienverkäufen am Morgen um fünf Prozent nach oben. Kurz nach der Vorlage der Bilanz und den Erläuterungen Middelhoffs kippte die Stimmung jedoch und das Papier fiel um bis zu acht Prozent. Am Montagmittag notierte die Aktie bei 21,25 Euro und damit um 6,2 Prozent im Minus. Die Investoren hatten sich teilweise deutlich bessere Zahlen erhofft.

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