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Handel : Insolvenzverwalter empört über Arcandor-Vorstand

  • -Aktualisiert am

Bei Arcandor ist nicht mehr viel zu holen Bild: Reuters

„Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden.“ Der vorläufige Insolvenzverwalter der Arcandor-Gruppe, Klaus Hubert Görg, ist geschockt vom Ausmaß der Pleite des Unternehmens und kritisiert den Vorstand.

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          Der vorläufige Insolvenzverwalter des zusammengebrochenen Essener Handels- und Touristik-Konzerns Arcandor, Klaus Hubert Görg, schließt rechtliche Schritte gegen frühere Vorstände des Unternehmens nicht aus. Wie er der „Welt am Sonntag“ sagte, gebe es Hinweise, die man sammeln und zu gegebenem Zeitpunkt bewerten wolle. Derzeit habe Vorrang, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, Konzepte zu erstellen und Investoren für die Einzelteile zu suchen.

          Görg übt harsche Kritik an ehemaligen Vorstandsmitgliedern. Trotz der schlecht laufenden Geschäfte sei viel Geld ausgegeben worden. Der vom Vorstand betriebene Aufwand sei für ein Unternehmen in der wirtschaftlichen Verfassung wie Arcandor sehr hoch gewesen. Er habe schon sparsamere Vorstände erlebt, spielt er auf den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff an. In seiner beruflichen Praxis ist ihm nach eigenen Worten auch noch nie begegnet, dass in einem so großen Unternehmen nichts Nennenswertes an Substanz gefunden werden konnte. „Dem Vorstand ist erstaunlich lange gelungen, den Staub aus den Ecken zu kehren und auch den noch zu Liquidität zu machen.“ Es gebe nichts mehr, was nicht anderen Leuten gehöre.

          Noblere Adressen gibt´s nur im Paket

          Entgegen den ursprünglichen Planungen des derzeitigen Arcandor-Vorstandsvorsitzenden Karl-Gerhard Eick plant Görg derzeit nicht mehr den getrennten Verkauf der Nobelkaufhäuser von Karstadt, zu denen das KaDeWe in Berlin, das Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg gehören. Diese Top-Häuser seien attraktive Bestandteile des Warenhausportfolios, und die Investoren zahlten nur für Attraktives, sagte er der „Berliner Morgenpost“. Görgs Sprecher wies am Wochenende zudem Spekulationen zurück, die Lage in den Karstadt-Häusern habe sich in den vergangenen Monaten verschlechtert. Der Handelsriese Metro hatte in der vergangenen Woche entsprechende Vermutungen geäußert.

          Der vorläufige Insolvenzverwalter, Klaus Hubert Görg, spart nicht mit Kritik am Arcandor-Vorstand
          Der vorläufige Insolvenzverwalter, Klaus Hubert Görg, spart nicht mit Kritik am Arcandor-Vorstand : Bild: AP

          Der Düsseldorfer Konzern steht Gesprächen mit dem Ziel der Bildung einer Deutschen Warenhaus AG aus Karstadt und Kaufhof zwar weiterhin offen gegenüber. Doch will sich Metro nicht mehr auf eine Anzahl von möglicherweise zu übernehmenden Häusern festlegen. Es lägen nach wie vor keine betriebswirtschaftlichen Fakten über die Lage von Karstadt vor, hat der Sprecher der Metro die Abkehr vom ursprünglichen Plan, rund 60 Häuser übernehmen zu wollen, gegenüber dieser Zeitung begründet. Man müsse sich die Bücher und die wirtschaftlichen Perspektiven zunächst anschauen.

          Die Gespräche über ein Zusammengehen der beiden Warenhausunternehmen legte Eick Ende Mai auf Eis, weil dieser den Arcandor-Konzern zunächst als Ganzes erhalten wollte. Bei Metro wird heute kritisiert, dass dadurch wertvolle Zeit verloren worden sei. Die von den Düsseldorfern favorisierte Lösung sieht die Bildung einer Holding vor, in die beide Gesellschaften die Warenhäuser einbringen. An dieser Gesellschaft würde sich Metro zu 49 Prozent beteiligen. Als weitere Gesellschafter könnten die Vermieter der Karstadt-Häuser und Investoren aufgenommen werden.

          Die Investmentbank Merrill Lynch durchleuchtet derzeit Karstadt im Auftrag von Görg. Die Warenhausgruppe soll voraussichtlich als Ganzes in einem Bieterverfahren abgegeben werden. Das jedoch könnte den Interessen von Metro zuwiderlaufen. Görg hatte am Donnerstag gesagt, dass von den derzeit 126 Waren- und Sporthäusern 19 unrentable Standorte von der Schließung bedroht seien.

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