https://www.faz.net/-gqe-12vns

Handel : Bund lehnt Bürgschaft für Arcandor ab

  • Aktualisiert am

Hemdsärmelig und emotional: Arcandor-Chef Eick vor der Belegschaft in Essen Bild: dpa

Der ums Überleben kämpfende Touristik- und Handelskonzern Arcandor kann endgültig nicht mehr mit Hilfen aus dem „Wirtschaftsfonds Deutschland“ rechnen. Jetzt bleibt dem Unternehmen nur die Hoffnung auf einen Notkredit für das operative Geschäft von 437 Millionen Euro. Die Zeit drängt.

          3 Min.

          Der Lenkungsausschuss des Bundes hat sich am Montag gegen Bürgschaften und Kredithilfen aus dem Deutschlandsfonds für den angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor entschieden. Die Bürgschaft hätte 650 und der Kredit 200 Millionen Euro umfassen sollen. „Das ist abgelehnt“, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Staatssekretär Walther Otremba erläuterte, die Entscheidung sei einstimmig gefallen, da wichtige Voraussetzungen für einen positiven Bescheid nicht vorgelegen hätten.

          Vor der Essener Zentrale schwor Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick die Belegschaft des Konzerns auf einen Kampf um jeden Job ein. Eick hielt auf einer roten Leiter stehend eine emotionale Rede per Megafon an die Essener Belegschaft. Die Absage aus Berlin bedeute keineswegs die Insolvenz, rief der Manager, der auf Anzug und Krawatte verzichtet hatte.

          Hoffen auf die Rettungsbeihilfe

          Der Karstadt- und Quelle-Mutterkonzern hofft vielmehr weiter auf staatliche Rettungsbeihilfen in Form eines Notkredits von 437 Millionen Euro, mit dem Arcandor nach eigener Aussage das operative Geschäft für sechs Monate am Laufen halten könnte. Hier ist eine Entscheidung des Bundes weiter offen. Kommt auch hier eine Absage, gilt eine Insolvenz von Arcandor als unausweichlich. Der interministerielle Arbeitsausschuss für Bürgschaften ist an diesem Montagnachmittag zusammengekommen, um sich mit dem Thema zu befassen - bislang sind noch keine Ergebnisse bekannt. Der Ausschuss wird dann eine Empfehlung abgeben - die endgültige Entscheidung müsse bis Mittwoch fallen, da Arcandor nicht viel Zeit bleibe, sagte Otremba.

          Handel : Bund lehnt Bürgschaft für Arcandor ab

          Die Chancen auf ein Ja des Ausschusses galten zuvor bereits als gering, da solche Hilfen für Unternehmen gedacht sind, die wegen der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten sind. Regierungssprecher Thomas Steg sagte, Arcandor sei für das Kredit-und Bürgschaftsprogramm des Deutschlandfonds nicht infrage gekommen, weil das Unternehmen schon vor dem Stichtag 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten war. „Jetzt geht es darum, den zweiten Antrag wirklich mit der nötigen Solidität und Gewissenhaftigkeit zu prüfen“, sagte Steg. Er betonte, die Regierung bemühe sich, zu einer Lösung für Arcandor beizutragen. Allerdings äußerte er auch grundsätzliche Vorbehalte. Es sei für die Regierung „nicht ganz einsehbar“, dass die öffentliche Hand ein Risiko übernehmen soll, wenn die Eigentümer selbst nicht bereit seien, ein klares Signal für die Zukunft des Unternehmens zu geben.

          Koalition sieht Arcandors Retter bei Arcandor

          Die Zurückhaltung der Regierung zeigte sich zuletzt in Äußerungen von Politikern an diesem Montag. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich enttäuscht über das Engagement der Eigentümer und Gläubiger. Was fehle, sei „die Dringlichkeit“, mit der sich beide Seiten um eine Lösung bemühten, sagte Merkel in Berlin.

          Weitere Themen

          Fragile Fortschritte

          F.A.Z.-Newsletter : Fragile Fortschritte

          Eine Arbeitsgruppe der Bundesregierung berät heute über erste Öffnungsschritte aus dem Lockdown. Im Streit um die Verhaftung des Kreml-Kritikers Nawalnyj zeigen die EU-Staaten Einigkeit. Alles Wichtige im F.A.Z.-Newsletter.

          Topmeldungen

          Keine Vorverurteilungen: Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

          Kirche und Missbrauch : Wenn Bischöfe herumdrucksen

          Welche Unbedachtheiten ist man bereit in Kauf zu nehmen, solange es gegen den Kölner Kardinal Woelki geht? Sein Amtsbruder Bätzing hält nichts davon, Woelki als Blitzableiter zu benutzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.