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Mediengruppe vor Fusion : Gruner + Jahr zieht es nicht mehr in die Hafencity

Nach mehr als 20 Jahren wieder in der Hamburger Hafencity immer noch fleißig gebaut. Unerwartet erteilt die Verlagsgruppe Gruner + Jahr einem Umzug in das Viertel eine Absage. Bild: dpa

Vollkommen überraschend zieht sich Gruner + Jahr aus dem lange geplanten Neubauprojekt in der Hamburger Hafencity zurück. Die Hansestadt bleibt aber Heimat für die Mediengruppe. Der Schritt habe mit den Gesprächen über eine Fusion mit RTL nichts zu tun, heißt es.

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          Die Verlagsgruppe Gruner + Jahr zieht sich überraschend aus dem Neubauprojekt in der Hamburger Hafencity zurück, in das das Medienunternehmen umziehen wollte. Das Bauprojekt liege schon mehr als drei Jahre hinter dem Zeitplan zurück, sagte Gruner + Jahr Geschäftsführer Oliver Radtke am Donnerstag in Hamburg. „Wir können und möchten hier nun nicht länger warten.“

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Vor dem Hintergrund einer geplanten Fusion der Hamburger Mediengruppe mit dem Fernsehsender RTL sorgte die Mitteilung auf einem Mitarbeitertreffen für Besorgnis, die Entscheidung könne mit dem von Bertelsmann erwogenen Zusammenschluss zu tun haben.

          Radtke widersprach dem nachdrücklich. „Hamburg ist und bleibt eine gute Stadt für Gruner + Jahr“, sagte er. Da das Unternehmen seinen alten Standort am Hamburger Baumwall verlassen werde, „suchen wir gemeinsam mit der Stadt geeignete zeitgemäße Flächen für uns“. Gruner + Jahr sei zuversichtlich, eine andere passende Immobilie in der Hansestadt zu finden. Das Medienunternehmen mit rund 2500 Mitarbeitern gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern in Hamburg.

          Verlag will in der Hansestadt bleiben

          Der F.A.Z. sagte Radke auf Nachfrage, „wir bleiben in Hamburg“. Die Entscheidung gegen den Neubau habe nichts mit dem RTL-Projekt zu tun. Bertelsmann Vorstandschef Thomas Rabe, der in Personalunion auch die RTL-Group in Luxemburg führt, hatte während der Vorlage der Jahresbilanz für 2020 angekündigt, dass im Laufe des Sommers bei von Bertelsmann angestrebten engeren Zusammenarbeit entschieden werden soll, „was für die beiden Häuser jeweils und dann auch gemeinsam die beste Lösung und die beste Aufstellung ist“. Im vierten Quartal solle dann die Umsetzung beginnen.

          Die engere Zusammenarbeit könnte bis zu einem Zusammenschluss gehen. Nach dem Rückzug von Julia Jäkel wurde der Geschäftsführer Inhalte und Marken der Mediengruppe RTL Deutschland, Stephan Schäfer, auch neuer Vorstandschef von Gruner + Jahr, der Geschäftsführung gehört er seit 2013 an. Radtke verantwortet als COO das operative Geschäft. Beide gelten als treibende Kraft hinter dem Zusammenschluss.

          Bertelsmann steigert Umsätze

          Die RTL Group hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres vom boomenden Streaming-Markt profitiert und hat damit die coronabedingten Rückgänge bei TV-Werbeerlösen im ersten Quartal abgefedert. Bei Bertelsmann als Mehrheitseigentümer der Gruppe machten sich zugleich kräftige Zuwächse in den Buch- und Musikmärkten sowie im Dienstleistungssektor bemerkbar. Aus eigener Kraft steigerte der Konzern den Gesamtumsatz um rund 10 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2020 und um sieben Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019, wie das Unternehmen am Donnerstag in Gütersloh mitteilte. Die Erlöse lagen bei mehr als 4,2 Milliarden Euro.

          Bertelsmann sieht sich in seinem Mediengeschäft in einem immer stärkeren Wettbewerb mit den globalen Internetplattformen wie Netflix, Google oder Amazon. Vorstandschef Rabe setzt deswegen seit einiger Zeit schon darauf, die Content-Geschäfte in der Bertelsmann-Gruppe stärker zu verzahnen.

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