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Kampf um Halbleiter : Softbank scheitert mit 60 Milliarden Dollar schwerem Verkauf

Softbank-Gründer Masayoshi Son Bild: AFP

Für mehr als 60 Milliarden Dollar wollte der japanische Technologieinvestor Softbank Group die britische Chipdesign-Schmiede ARM an den Halbleiterhersteller Nvidia verkaufen. Nun ist der Deal gescheitert.

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          Der japanische Technologieinvestor Softbank Group ist mit dem mehr als 60 Milliarden Dollar schweren Verkauf der britischen Chipdesign-Schmiede ARM an den amerikanischen Halbleiterhersteller Nvidia gescheitert. Das teilte Softbank am Dienstag mit. Danach scheiterte der Verkauf, der schon 2020 angekündigt worden war, an wettbewerbsrechtlichen Einwänden von Aufsichtsbehörden in den Vereinigten Staaten und in Europa.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          ARM stellt keine eigenen Halbleiter her, hat aber die Technik entwickelt, die in den Chips der Smartphones von Apple oder Samsung und zunehmend in anderen Bereichen der Computerwirtschaft verwendet wird. Nvidia entgeht durch das Scheitern der Transaktion die Chance, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten wie Intel oder AMD zu gewinnen. Softbank, dessen Aktie seit dem Hoch vor einem Jahr mehr als 45 Prozent verloren hat, muss auf einen satten Erlös verzichten. Der japanische Investor will ARM nun an die Börse bringen. Softbank erhält von Nvidia wie für den Fall des Scheiterns vereinbart eine Gebühr von 1,25 Milliarden Dollar.

          Im Kreuzfeuer von Industrie- und Wettbewerbspolitik

          Der gescheiterte Kauf kommt zu einer Zeit, in der die Regierungen in den großen Industriestaaten viel Geld in die Hand nehmen, um den Ausbau der Halbleiterindustrie in ihren Volkswirtschaften anzuschieben. Die Europäische Union will an diesem Dienstag Pläne für Investitionen in die Halbleiterwirtschaft von insgesamt 45 Milliarden Euro vorstellen. Vereinigten Staaten haben Subventionen von 50 Milliarden Dollar angekündigt. Japan gibt in einem ersten Schritt umgerechnet 3 Milliarden Euro oder rund die Hälfte der Investitionssumme für den Bau einer Halbleiterfabrik des taiwanischen Anbieters TSMC in Japan.

          Das Streben nach lokaler Produktion von Halbleitern und nach einer sicheren Versorgung mit den Mikrochips ist einer der Gründe, warum grenzüberschreitende Zukäufe von Halbleiterunternehmen derzeit kritischer gesehen werden als sonst. In Deutschland war vergangene Woche die Übernahme von Siltronic durch Taiwans Globalwafers gescheitert, weil das Bundeswirtschaftsministerium die Prüfung der wirtschaftlichen Sicherheit nicht rechtzeitig beendet hatte.

          Ähnliche Bedenken sind hinsichtlich des Verkaufs von ARM an Nvidia auch im Vereinigten Königreich aufgekommen. Dieser industriepolitische Aspekt mischt sich mit wettbewerbspolitischen Bedenken, die Gegenstand von Untersuchungen in Großbritannien oder den Vereinigten Staaten sind. Viele der großen Chiphersteller nutzen Lizenzen von ARM und haben ihre Chipdesigns auf ARM-Basis weiterentwickelt. Unternehmen wie Qualcomm oder Microsoft hatten Bedenken gegen die Fusion erhoben, weil sie fürchten, dass Nvidia unlautere Wettbewerbsvorteile bei einem Zukauf von ARM erhalten könnte.

          Softbank hatte ARM 2016 für 32 Milliarden Dollar gekauft und damals als Kern des künftigen Softbank-Geschäfts beschrieben. Doch 2020 verkaufte Softbank-Gründer Masayoshi Son ARM an Nvidia für rund 38,5 Milliarden Dollar. Einen Teil des Kaufpreises wollte Nvidia mit eigenen Aktien begleichen. Weil der Aktienkurs des amerikanischen Chips- und Grafikkartenspezialisten seither rasant zugelegt hat, lag der Wert der Transaktion im vergangenen Jahr zeitweise bei 80 Milliarden Dollar und mehr. Zuletzt waren es mehr als 60 Milliarden Dollar.

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