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Halbleiter-Manufaktur : Handgefertigte Chips für den Mars-Roboter

Schöööön: Mars-Rover Curiosity hat ein Selfie gemacht. Bild: dpa

Ohne sie könnte der Roboter Curiosity nicht den Mars erkunden: Eine Manufaktur von Infineon stellt Edelhalbleiter für Luft- und Raumfahrt her. Doch das Wachstumspotential ist begrenzt.

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          Die Mengen sind kaum vorstellbar: Im Werk Dresden fertigt Infineon bis zu 40.000 Halbleiter auf einer Siliziumscheibe (Wafer) mit einem Durchmesser von 200 Millimeter. Die Menge variiert stark je nach Einsatz – ob für Autos, Waschmaschinen, Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Smartphones oder etwa Transformatoren. Mehrere 100.000 dieser Wafer verlassen im Jahr die Produktion. Etwa 10.000 Kilometer weiter westlich, in der Junction Avenue im kalifornischen San José, sieht die moderne Chip-Welt anders aus. Dort verlassen 30.000 Halbleiter die Produktion – im Jahr. Die kosten auch nicht einen zweistelligen Eurocent-Betrag wie die Mini-Chips aus Dresden, sondern bis zu 8000 Dollar. Dafür sind sie auch deutlich größer.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Es sind Edelprodukte aus einer „Manufaktur“. Ohne die würde Raumsonde New Horizons, die gerade den Pluto erforscht, nicht arbeiten; ebenso wenig Rosetta auf ihrer Kometen-Mission „Tschuri“ oder der Mars-Roboter Curiosity, der seit drei Jahren auf dem roten Planeten herumkurvt und die Wissenschaftler immer wieder mit überraschenden Ergebnissen begeistert. New Horizons ist mit 600 Teilen aus San Jose bestückt, Curiosity nur mit 70 Konvertern. Ohne die Entwicklungen aus dem Hause International Rectifier (IR) wären sie nicht ins All gekommen. Amerikanische Trägerraketen benötigen die Bauteile genauso wie die europäische Ariane 5 oder die russische Sojus-Rakete. Mehr als 2000 Satelliten hätten ohne IR nicht ihre Erdumlaufbahn erreicht und könnten nicht arbeiten.

          Halbleiter müssen extrem widerstandsfähig sein

          „Unsere Produkte sind in nahezu jedem Weltraum-Projekt vertreten“, sagt Doug Russell, Vertriebschef der IR-Sparte „HiRel“, was für „High Reliability“ oder hochzuverlässig steht. „Was wir hier machen, ist nicht Massenfertigung, das meiste ist handgefertigt.“ Russell ist streng genommen nicht mehr Mitarbeiter von International Rectifier, sondern von Infineon. Der Dax-Konzern hatte Mitte Januar den einst börsennotierten, kleineren amerikanischen Chiphersteller für 2,3 Milliarden Euro übernommen. Mit „HiRel“ haben die Deutschen ihr Produktportfolio um eine Perle erweitert. Etwas mehr als 220 Millionen Dollar bringt das Geschäft mit ausfallsicheren Chips ein, die in militärischen Bereichen, in der Luft- und Raumfahrt, in der Medizintechnik sowie in der Öl- und Gasindustrie eingesetzt werden. Damit bestreitet das Segment ein Viertel der ehemaligen IR-Geschäfte von insgesamt 900 Millionen Dollar, ist aber der Gewinnträger, mit üppigen Bruttomargen von bis zu 80 Prozent.

          Es sind die kleinen Mengen und die kundenspezifischen Entwicklungen, die diese Halbleiter teuer und zu etwas Besonderem machen. Sie werden vor allem für das Energiemanagement der Geräte benötigt. Die Halbleiter wandeln höhere Stromspannung in niedrigere um. Der sparsame Einsatz von Energie hat in einem Raumfahrzeug wie New Horizons höchste Priorität. Im Flugzeug, wo immer mehr Strom zehrende Elektroniksysteme die Mechanik ersetzen und der Komfort für Passagiere in der Bordunterhaltung mit großen Bildschirmen zunimmt, sind zuverlässige und energiesparende Chips nicht mehr wegzudenken.

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