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Rekordergebnisse : Die Luxusmaschine LVMH läuft wieder

Das Logo der Luxusmarke Louis Vuitton in Paris Bild: Reuters

Kein anderes europäisches Unternehmen an der Börse ist mehr wert als LVMH. Im ersten Halbjahr hat sich wieder einmal die Kernmarke Louis Vuitton als wichtigster Umsatz- und Margenträger erwiesen.

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          Die Pandemie ist noch gar nicht ausgestanden, da erzielt LVMH schon wieder Rekordergebnisse. Der französische Luxuskonzern legte am Montagabend überraschend gute Ergebnisse für das zweite Quartal und die erste Hälfte dieses Jahres vor. Starke Verkäufe in Asien und den Vereinigten Staaten sowie eine „graduelle Erholung“ in Europa machen es möglich, dass das Unternehmen mit seinen mehr als 80 Marken von Louis Vuitton und Christian Dior über Tiffany und Bulgari und bis zu Hennessy und Veuve Clicquot voller Zuversicht auf das zweite Halbjahr schauen kann.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Während sich andere Unternehmen in diesen Tagen über zweistellige Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr freuen, erzielt LVMH diese auch gegenüber 2019. Der Rekordumsatz von 28,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr lag nicht nur um gut die Hälfte über dem schwachen Lockdown-Jahr 2020, sondern auch 11 Prozent über dem Niveau von 2019. An der Pariser Börse, wo LVMH mit gut 340 Milliarden Euro höher als jedes andere europäische Unternehmen bewertet wird, notierte die Aktie am Dienstag im Plus.

          Nach den Worten von LVMH-Großaktionär und Vorstandsvorsitzender Bernard Arnault trage die Aufrechterhaltung von Innovationen und Investitionen in der Krise nun ihre Früchte. Die Wiedereinweihung des traditionsreichen Pariser Kaufhauses an der Seine, La Samaritaine, vor einigen Wochen sei dafür nur ein Beweis. Der Konzern sei nun in der Lage, sein Gewicht als Weltmarktführer noch auszubauen.

          Setzt auf Kooperationen

          Große Übernahmen seien vorerst zwar nicht vorgesehen, ergänzte der Finanzvorstand Jean-Jacques Guiony; der Kauf des amerikanischen Schmuckherstellers Tiffany vor sechs Monaten, dessen Integration gut verlaufe, müsse erstmal verkraftet werden, zumal sich die Nettoverschuldung dadurch auf gut 15 Milliarden Euro mehr als verdreifacht hat. Doch kleine „opportunistische Zukäufe“ seien dagegen denkbar, sagte Guiony.

          Statt großer Übernahmen setzt LVMH derzeit auf Kooperationen. Sie helfen etwa den digitalen Auftritt zu verstärken, der die pandemiebedingten Verkaufsrückgänge in den Einkaufstempeln noch besser ausgleichen soll als dies zuletzt der Fall war. Die Parfümeriekette Sephora etwa hat mit Zalando eine „strategische Partnerschaft“ ins Leben gerufen, die Ende des Jahres in Deutschland starten soll. Der Uhrenhersteller TAG Heuer kooperiert mit Porsche und hat einen Luxuszeitmesser namens Carrera Porsche herausgebracht.

          Bei den digitalen Plattformen geht LVMH selektiv vor: Beim Umsatz – und Gewinngarant der Lederwaren und Modeartikel lässt LVMH fremde elektronische Plattformen links liegen; denn zu hohe Kommission blieben dort hängen, erläutert der Finanzvorstand; stattdessen gestalte man den elektronischen Auftritt lieber alleine. In anderen Bereichen, „wo die Expansion durch eigene physische Geschäfte zu kostspielig ist“, sehe der Konzern in der Kooperation mit Externen dagegen Zukunft.

          Kernmarke Louis Vuitton

          Im ersten Halbjahr hat sich wieder einmal die Kernmarke Louis Vuitton als wichtigster Umsatz- und Margenträger erwiesen. Der Geschäftssektor der Lederwaren und der verschiedenen Modehäuser erhöhte seine Erlöse gegenüber dem gleichen Zeitraum 2020 um 81 Prozent auf fast 14 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vor-Pandemiejahr 2019 war das – unter Herausrechnung von Zukäufen – noch eine Steigerung von 38 Prozent. Somit konnte LVMH mit Lederwaren und Mode auch nicht weniger als 5,6 Milliarden Euro Betriebsgewinn erzielen – drei Viertel mehr als 2019.

          Der konzernweite Nettogewinn kam bei 5,3 Milliarden Euro heraus, zehnmal so viel 2020 und noch 62 Prozent über dem Niveau von 2019. Neben Louis Vuitton gelten vor allem die Marken Christian Dior, Givenchy, Fendi, Loewe und Celine als margenstark. Danach kommt lange nichts. Der zweitstärkste Gewinnträger im Konzern waren in der ersten Hälfte 2021 Spirituosen und Weine mit einem Betriebsgewinn von 924 Millionen Euro, ein Fünftel mehr als 2019.

          Doch nicht alles glänzt im Reich von Bernard Arnault: Weil das Reisegeschäft an den Flughäfen noch schwach ist, leidet der Einzelhandel mit Duty-Free- und anderen Artikeln, zu denen die Passagiere vor dem Einsteigen gerne greifen. Immerhin hat sich das Einzelhandelsgeschäft jedoch aus der Verlustzone befreit und einen operativen Gewinn von 131 Millionen Euro erwirtschaftet. Make-Up stecke auch noch in der Krise berichtet Guiony. Uhren und Schmuck seien dagegen wieder ein Lichtblick. Tiffany beispielsweise habe durch Verlobungsringe für Männer in hetero- und homosexuellen Beziehungen auf sich aufmerksam gemacht. Der Umsatz in diesem Bereich liegt um gut 70 Prozent über dem Vorjahr und um 5 Prozent über 2019.

          An die Aktionäre zahlt LVMH eine Zwischendividende von 3 Euro je Aktie. Das fällt dem Unternehmen nicht zuletzt deshalb leicht, weil es im ersten Halbjahr wegen der negativen Zinsen der Europäischen Zentralbank 11 Millionen Euro an seinen Schulden verdiente. Im vergangenen Jahr hatte LVMH noch 46 Millionen Euro für Zinsen ausgeben müssen.

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