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Wirtschaftskrise : Härtetest für die Banker

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Wir sind stark genug für die Corona-Rezession, sagen Deutsche Bank und Commerzbank. Aber die wahre Gefahr kommt erst noch.

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          Der Vorstand der Commerzbank wollte es genau wissen: Einen ganzen Nachmittag lang saß die Führungsriege von Deutschlands zweitgrößter privater Bank dieses Frühjahr zusammen und ackerte gemeinsam die Kreditunterlagen von Dutzenden wichtiger Unternehmenskunden durch, die dem Institut Geld schulden und als Wackelkandidaten angesehen werden. „Wir sind das Fall für Fall durchgegangen“, sagt Marcus Chromik, Chief Risk Officer der Commerzbank.

          Normalerweise geht Risikomanagement anders, die Banker stützen sich dabei üblicherweise stark auf Computermodelle. „Aber in der Corona-Krise versagen die Prognosemodelle, weil sie eben so einzigartig ist“, sagt der Commerzbank-Vorstand Chromik. Deshalb werde jetzt verstärkt Einzelfallanalyse betrieben. Im Vergleich zur globalen Finanzkrise, die vor zwölf Jahren nach dem Kollaps von Lehman Brothers losbrach, sei die Corona-Krise „intellektuell viel anspruchsvoller“, findet der promovierte Physiker.

          Die Pandemie und wie sie sich durch die Wirtschaft frisst – das ist Neuland für die Banker. „Noch nie dagewesene Herausforderungen“ müssten die Kreditinstitute meistern, so warnte kürzlich die europäische Bankenaufsicht EBA. Der Industriestaatenverbund OECD veröffentlichte soeben eine weitere düstere Prognose: Um mindestens 6 Prozent werde die globale Wirtschaftsleistung dieses Jahr einbrechen. Das ist doppelt so viel wie der Internationale Währungsfonds Mitte April schätzte – ein Absturz von epochalem Ausmaß, wie es ihn seit fast einem Jahrhundert nicht gegeben hat und der noch vor wenigen Monaten undenkbar erschien. Im Vergleich dazu war die Rezession nach der Weltfinanzkrise ein Sturm im Wasserglas.

          Für die Banken bedeutet das natürlich nichts Gutes: Anders als 2008 sind sie dieses Mal zwar nicht Ausgangspunkt und Verursacher der Krise, aber sie könnten trotzdem zu Opfern werden. Wenn Millionen Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren und ihre Ratenkredite und Hypotheken nicht mehr zahlen können, wenn Hunderttausende Unternehmen – vom Mittelständler bis zum Großkonzern – in Existenznot geraten, Zins und Tilgung nicht mehr bedienen, dann drohen den Instituten hohe Abschreibungen auf ihre Forderungen.

          Milliardenschwere Corona-Risikovorsorge

          Schon jetzt sind die Schäden groß. Im ersten Quartal, das ja nur zum Teil von der Seuche betroffen war, haben führende Banken global rund 80 Milliarden Dollar an Rückstellungen für befürchtete Kreditausfälle gebildet. Allein die drei amerikanischen Bankenriesen JP Morgan, Citigroup und Bank of America stellten dafür insgesamt 20 Milliarden Dollar zurück. Auch europäische Institute wie Santander, HSBC und Barclays legten jeweils Milliarden für den erwarteten Corona-Crash in ihren Kreditbüchern zurück. Doch das ist erst der Anfang.

          Viele Banken in Europa gehen mit Ballast in die Krise: Jetzt rächt es sich, dass es ihnen in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist, profitabler zu werden und ihre Altlasten abzuräumen. Ende 2019 ächzte der Bankensektor der Eurozone unter Problemkrediten von mehr als einer halben Billion Euro. Fast die Hälfte der Institute verdiente noch nicht einmal ihre Kapitalkosten.

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