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Händler in Sorge : Die gute Ski-Laune schmilzt dahin

Weiße Pracht? Gibt’s nur noch selten. Bild: © Sandra Raccanello/SIME/Schapow

Wieder ist die Wintersaison schlecht gestartet. Die Geduld der Händler geht langsam zu Ende. Mancher will Ski gar aus dem Sortiment streichen. Für die Verbraucher kann sich das auszahlen.

          Die grünen Hänge in den Bergen verleiten manchen Ski-Verkäufer zu verzweifelten Argumenten. Schnee gebe es doch reichlich, hoch oben auf dem Gletscher, meint einer im Sporthaus Schuster in München zu einem Kunden. Der grübelte gerade, ob er sich angesichts der Schneeödnis in etlichen Bergregionen überhaupt neue Bretter zulegen soll. Zum Schlittschuh-Laufen, schiebt der Verkäufer zur Unterstützung seiner These nach, müsse man ja auf die Eisbahn und könne sich nicht mit dem nächst gelegenen See um die Ecke begnügen. Das mag begeisterte Ski-Fahrer im Süden Deutschlands überzeugen, wo die Lifte nah sind. Die Masse der Freunde des Pistensports, bis dato zwei Drittel der Käufer, kommt jedoch von weit her und fährt ein- bis zweimal im Jahr Ski.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Zum dritten Mal in Folge ist auch diese Wintersaison 2016/2017 denkbar schlecht gestartet. Und nicht nur diejenigen aus weiter Ferne, auch die Ski-Begeisterten nahe den Wintersportregionen sind noch nicht in Kauflaune verfallen. Die Folgen für das Geschäft bleiben, wie in den beiden vorangegangenen Jahren, nicht aus. Schon sind Stimmen zu vernehmen, dass sich nach dem wichtigen, aber schwach verlaufenen Dezember eine verkorkste Wintersaison abzeichnet.

          „Das Weihnachtsgeschäft hat unseren Händlern nicht den erwarteten Schub gebracht“, sagt Kim Roether, Vorstandsvorsitzender des größten europäischen Sporthandelsverbundes Intersport, dieser Zeitung und drückt sich noch vorsichtig aus. Wille und Interesse seien ja da: „Die Kunden schauen gerne in unsere Schaufenster, kaufen im Geschäft dann aber nur zurückhaltend.“

          Verkauf im Dezember lahmte

          Im Monat Dezember ist bis Weihnachten ein Minus gegenüber dem Vorjahr von schätzungsweise 3 Prozent im Wintersportgeschäft der Intersport-Händler aufgelaufen. Dabei hat es wegen der Feiertage am Wochenende gegenüber dem Vorjahr sogar zwei Verkaufstage mehr gegeben. Der Rückgang erfolgte gegenüber einer ohnehin geschrumpften Basis von minus 8 Prozent im Dezember 2015 und gar einem zweistelligen Rückgang 2014. Das geschieht in einem Umfeld, in dem eigentlich der Konsum so floriert.

          Wer aber soll sich Ski kaufen, die er nicht richtig nutzen kann. Wie sensibel die Kundschaft auf Wetter reagiert, zeigt der Verlauf im Herbst. Den Beobachtungen von Intersport zufolge, gab es bereits im September und Oktober leichte Absatzrückgänge im Ski-Geschäft. Im November jedoch verzeichneten die Händler ein kleines Plus: In jenem Monat gab es schon kalte Tage und ersten Schnee in den Bergen, was die Hoffnung auf einen weißen Winter schürte.

          Dahingeschmolzen. Im warmen Dezember brach der Verkauf von Ski, Boards, Helmen, Stöcken oder Schuhen brach um 9 Prozent ein. In den Abteilungen mit Kleidungen geht es vergleichsweise lebhaft zu als nebenan bei den Auslagen für die Bretter, wo Verkäufer sich die Beine in den Bauch stehen. Modische Winter-Kleidung, die man nicht nur für das „Schi-Foan“, sondern auch zum Wandern anziehen kann, liefen gut - plus 11 Prozent. Hartware und Ski-Schuhe steuern je ein Viertel zum Winter-Geschäft bei und sind somit ein großer Block; 50 Prozent entfallen auf Textilien.

          Nicht nur die Lust am Kauf nimmt ab

          „Wir liegen unter dem Vorjahresniveau, dabei war das Geschäft im letzten Jahr schon eine Katastrophe“, bestätigt auch Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, die Beobachtungen von Intersport-Chef Roether. „Ski stehen wie Blei in den Regalen.“ Indirekt unterstützt er die Aussage jenes Verkäufers vom Sporthaus Schuster in München. „Wir hier im Süden können dem Winter ja hinterherfahren“, sagt er. „Aber der Sportfachhandel lebt schließlich von der Masse im gesamten Land.“

          Das Wintergeschäft macht unter Umständen bis zu einem Fünftel des Gesamtjahresumsatzes für Händler aus. Und da hinterlassen drei schlechte Saisonstarts hintereinander Spuren im Sportfachhandel Spuren. Die Lust nimmt nicht nur am Kauf von Ski ab, sondern auch an deren Verkauf. „Viele Händler überlegen schon, auf andere Sortimente umzusteigen“, sagt Ohlmann. Statt Wintersportartikel würden sie den Fokus auf Fitness, Outdoor oder Fahrräder richten. Eine ähnliche Aussage trifft Kim Roether von Intersport. „Wintersport ist ein Kompetenzthema, darauf setzen wir“, gesteht er noch zu. Aber: „Gleichzeitig verabschieden sich immer mehr Marktteilnehmer vom Wintersport.“ Wen wundert das. Im Vorweihnachtsgeschäft florierte das Geschäft mit Fitness weiter. Die Intersport-Händler verzeichneten ein Plus im Dezember von 9 Prozent.

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