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IT-Sicherheit : Großkonzerne hilflos gegenüber Hackern

Ein Media Markt in Berlin Bild: Bloomberg

Die Hacker haben die Systeme der Handelskette MediaMarktSaturn gekapert und bis auf weiteres Daten eingefroren. Seit Ausbruch der Corona-Krise sind Unternehmen vermehrt Ziele solcher Angriffe.

          2 Min.

          Die führenden Elektronikhandelsketten Deutschlands sind von einem Hacker-Angriff schwer getroffen worden. Die Läden von Media Markt und Saturn mit mehr als einem Dutzend Landesorganisationen und Hunderten Geschäften in ganz Europa waren in der Nacht auf Montag das Ziel einer Cyberattacke, bei der es den Angreifern offenbar gelungen war, bis in Kernbereiche der IT der Handelsketten vorzudringen, um dort Schaden anzurichten, indem Daten gezielt eingefroren wurden und so bis auf weiteres unbrauchbar gemacht wurden.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die zur Düsseldorfer Ceconomy Holding gehörenden Gesellschaften haben unverzüglich die zuständigen Behörden informiert und arbeite nun mit Hochdruck daran, die von den Hacks betroffenen Systeme zu identifizieren, die entstandene Schäden zu evaluieren und gegebenenfalls zu beheben. Das aber kann dauern. Denn zumindest ein Teil der Systeme soll aufgrund massenhaft eingefrorener Daten momentan nicht mehr arbeiten.

          So können in den Filialen und Läden derzeit zahlreiche Dienstleistungen wie etwa Finanzierungen oder Garantien nur eingeschränkt abgewickelt werden. Für die Kunden bestehe derzeit kein Handlungsbedarf, lässt sich ein Sprecher zitieren. Auch seien die Online-Shops aktuell nicht von der Attacke betroffen.

          Jedes zweite Großunternehmen hilflos

          Der Angriff auf die Märkte steht in einer langen Reihe von Attacken auf Unternehmen, Organisationen und staatliche Institutionen in aller Welt. Dazu zählen etwa die deutsche Software AG, Microsoft, Pipelinebetreiber oder auch die amerikanische Regierung. Die sehen seit Ausbruch der Corona-Krise ihre Rechner und IT-Systeme vermehrt von Hackern attackiert und gekapert. Die Angreifer nehmen die Daten auf den betroffenen Computern mit einer Spezialsoftware faktisch in Geiselhaft und fordern für deren Freigabe ein Lösegeld – oft in Form von Kryptowährungen. Die Summen können in die Millionen Euro gehen.

          Den Hackern auf die Spur zu kommen ist nicht ganz einfach. So scheint das Problem viele Unternehmen angesichts der Komplexität ihre technischen Systeme zu überfordern. So steht jedes zweite Großunternehmen in der Welt den ausgeklügelten Cyber-Attacken quasi hilflos gegenüber, heißt es in einer Studie des IT-Beratungshauses Accenture. So seien 55 Prozent der globalen Großunternehmen derzeit nicht in der Lage, solche Angriffe zu erkennen, wirksam gegen sie vorzugehen und deren potentielle Folgen rasch zu begrenzen.

          Die Gründe: Kaum jemand hat noch den vollen Über-, geschweige denn den umfassenden Einblick in die über Jahre hinweg gewachsenen Computersysteme; auch könne man nicht sagen, aus welcher dunklen Ecke des Internet der nächste Angriff komme. So geht es offenbar auch Media Markt und Saturn. Bislang tappe man bei der Aufklärung im Dunkeln. Selbst ein Konzern wie Microsoft brauchte Anfang des Jahres mehrere Wochen, um Licht hinter die Kulissen eines Großangriffes auf seine Systeme zu werfen.

          Vor dem Hintergrund der seit Monaten wachsenden Zahl von Attacken haben 80 Prozent aller großen Unternehmen in der Welt ihre Cyber-Sicherheits-Budgets in den vergangenen Monaten aufgestockt. Doch die Welle der Angriffe rollt nahezu ungebremst weiter. Der Schutz ihrer IT-Systeme sei mittlerweile so teuer, dass der Großteil der im Rahmen der Accenture-Studie befragten knapp 4800 Unternehmen angaben, das die aufzuwendenden Mittel nicht nachhaltig bereitzustellen seien. Mit anderen Worten, Cybersicherheit kostet Milliarden.

          Die Verlagerung der Arbeit während der Corona-Krise ins Homeoffice habe in vielen Systemen schwache Flanken für die Angreifer eröffnet. Diese nutzten das reichlich aus. Der Berliner Branchenverband Bitkom hatte im August den Schaden der Cyberangriffe allein für die deutsche Wirtschaft auf 220 Milliarden Euro im Jahr veranschlagt. Das ist mehr als doppelt so viel wie in den Jahren vor Ausbruch der Corona-Pandemie. So seien seit dem vergangenen Jahr neun von zehn Unternehmen von Hackerattacken getroffen worden. Vor Corona habe man nur drei Viertel aller Firmen als Opfer registriert. Der Verband hatte eine repräsentative Studie erstellen lassen, für die mehr als tausend Unternehmen verschiedenster Branchen befragt worden waren. Nun hat es also auch Media Markt und Saturn getroffen. Die IT-Spezialisten der beiden Häuser werden die kommenden Wochen alle Hände voll zu tun haben.

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