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Hachez : Hamburgs Schokoladenuniversum

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Hachez verwendet Edelkakao zur Produktion seiner Schokolade Bild: dapd

Der Schokoladenhersteller Hachez startet mit positiven Aussichten ins Jahr 2013. Nach der Übernahme im letzten Jahr durch einen dänischen Süßwarenhersteller hofft das Bremer Unternehmen auf Investitionen.

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          Der erste Energydrink der Geschichte entstand vor rund 3000 Jahren und dürfte sich in Geschmack und Funktion nicht unbedingt von moderneren Versionen unterschieden haben. Das Gemisch aus Vanille, schwarzem Pfeffer, Chili und Kakao war nicht unbedingt lecker, aber mit reichlich Theobromin immerhin ein Wachmacher. So erzählt es Anne Stribeck und zeigt auf der Weltkarte auf Südamerika, die Ursprungsregion des Kakaos.

          Während Columbus die „mandelartige Nuß“ für uninteressant befindet und ihr in seinen Tagebüchern nur einen winzigen Vermerk zukommen lässt, erkennt wenig später der spanische Eroberer Hernán Cortés das Potential der Kakaofrucht und exportiert sie kurzerhand nach Spanien, wo das bittere Getränk der Olmeken gemischt mit Zucker schon bald zum Modegetränk des europäischen Adels wird. Um die Anfänge der eigentlichen Schokoladenverarbeitung ranken sich mehrere Legenden. Stribek gefällt die französische Version am besten. Der zufolge soll Ludwig XIV. den ersten europäischen Chocolatier eingestellt haben. Als die Frau des Monarchen stirbt, vergeht auch Ludwig der Appetit auf Süßes. Er erlässt ein Schokoladenverbot für ganz Frankreich.

          Übernahme im letzten Jahr

          All diese Anekdoten erzählt Anne Stribeck im Chocoversum Hamburg. Hier im Chile-Haus kann man sich seit September 2011 über die Schokoladenherstellung informieren. Finanziert wird die 1200 Quadratmeter große Dauerausstellung vom Schokoladenhersteller Hachez. Die Hanseatische Chocolade GmbH mit Sitz in Bremen wurde 1890 vom belgischen Chocolatier Joseph Emil Hachez und Gustav Linde gegründet. Später stieß Friedrich Otto Hasse, der Großvater des gegenwärtigen Mitinhabers Hasso Nauck, dazu. Heute beschäftigt Hachez rund 450 Mitarbeiter und gehört den Kaufleuten Hasso Nauck und Wolf Kropp-Büttner. Sie wollen noch bis mindestens 2015 die Geschäfte führen. Im April 2011 wurde Hachez vom dänischen Süßwarenhersteller Toms übernommen. Eine Übernahme, die früher kam als geplant: Es gab keine Nachfolger aus den eigenen Familien, die Kinder der beiden Kaufleute haben sich für andere Berufe entschieden. Für Kropp-Büttner ist das nicht tragisch. Die Gemeinsamkeiten mit Toms seien groß. So seien beide Unternehmen im Premium-Segment tätig und hätten ein großes Traditionsbewusstsein. Auch die Art der Schokoladenverarbeitung habe bei den Dänen großen Anklang gefunden, sagt Kropp-Büttner. Bei Hachez sei man für 2013 optimistisch gestimmt. Toms habe versprochen, in den kommenden Jahren in die Marken Hachez und Feodora zu investieren.

          Noch im November 2012 hatte man bei Hachez heftig gegen die Ergebnisse der Stiftung Warentest protestiert. Die hatte Rückstände von Mineralöl in mehr als 20 Schokoladen-Adventskalendern diverser Hersteller festgestellt. „Es sind von Stiftung Warentest so mikroskopisch kleine Mengen an Rückständen identifiziert worden, die bei der unsicheren Testmethode auch noch um plus oder minus 30 Prozent schwanken können, so dass erneut gesagt werden muss, dass unsere Adventskalender vollkommen unproblematisch und keinesfalls gesundheitsgefährdend sind“, schrieb Nauck damals in einer Stellungnahme.

          Edle Bohnen aus Südamerika

          Bei Hachez wird man nicht müde, das Edle am eigenen Kakao zu betonen. Und zieht klare Grenzen zum Konsumkakao. Der macht immerhin 80 Prozent des gesamten Kakaoangebotes aus. Nur drei bis fünf Prozent der verkauften Menge fallen unter die Kategorie Premiumschokolade. Edelkakao ist ein geschützter Begriff. Maximal drei Prozent Konsumkakao darf untergemischt sein, ansonsten darf die Schokolade nicht länger als Edelmischung deklariert werden. Auch die Anbaubedingungen seien sehr unterschiedlich, sagt Stribek, schneidet eine Kakaofrucht der Länge nach auf und pult vorsichtig das Fruchtfleisch heraus. Es schmeckt bitter und krümelig. „Bei Konsumkakao kann man bis zu 2000 Bäume je Plantage rechnen. Die Bäume tragen durchschnittlich fünfzig Früchte je Jahr. Die Plantagen für Edelkakao in Südamerika dagegen haben höchstens 200 Pflanzen pro Plantage, die auch nur die Hälfte der Früchte bringen.“ Zudem seien die Bäume besonders anfällig für Schädlinge und Krankheitserreger. In den Hauptproduktionsländern für Kakao, der Elfenbeinküste und Ghana, kauft Hachez nicht ein.

          Das Bremer Unternehmen importiert hauptsächlich aus Ecuador, Venezuela und Madagaskar. Besonders stolz ist man in Bremen auf sein neuestes Projekt: Wildkakao aus dem Amazonas-Gebiet. Trotz allem ist man in Bremen von den Entwicklungen in Westafrika abhängig, wo besonders Schmuggel von Kakaobohnen zwischen der Elfenbeinküste und Ghana ein Problem ist. Fachleute schätzen, das von dem in Westghana angebauten Kakao rund 60 Prozent in die benachbarte Elfenbeinküste geschmuggelt werden. Kakaobauern in Ghana sind zwar verpflichtet, ihren Kakao an das staatliche Ghana Cocoa Board zu verkaufen. Der Preis, den das Ghana Cocoa Board zahlen kann, liegt aber häufig weit unter dem Preis, den die Kakaobauern im Nachbarland erziehlen können. Manchmal läuft es auch umgekehrt. Durchlässige Grenzen und unterschiedliche Preispolitik seien daran schuld, sagt Kropp-Büttner.

          Positiv in die Zukunft

          Auch Spekulanten machen es Firmen wie Hachez nicht einfach. Etwa alle zehn Jahre, sagt Stribek, gebe es „den großen Coup“. Dann, wenn sich ein Investor große Mengen an Kakao sichert und den Preis für die Mitbieter in schwindelerregende Höhen treibt. Zuletzt geschah das im Juli 2010. Der Preis für Edelkakao ist an den von Konsumkakao gekoppelt. Orientierungspunkt für Hachez ist die Rohstoffbörse in London. Der kleine Markt mache es Spekulanten sehr einfach, sagt Kropp-Büttner. Wer den Markt manipulieren wolle, muss kaum Geld investieren.

          Trotz Preisschwankungen ist man im Hamburger Chocoversum zuversichtlich, dass die Genussgeschichte des Kakaos noch lange fortgesetzt wird. 30 bis 50 Jahre lässt sich Kakao lagern, meint Stribeck. „Aber so lange lassen wir ihn nicht warten.“

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