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Gucci, Louis Vuitton & Co. : Luxus lief schon mal besser

Taschen von Louis Vuitton Bild: Frank Röth

Mode, Leder und Champagner sind weltweit gefragt. Davon profitiert Frankreichs Luxusindustrie. Doch das Geschäft läuft nicht mehr ganz so rund wie noch im Sommer.

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          Parfüm, Kaschmir und Schuhe sind gefragt, Inflationssorgen hin oder her. Das zeigen die am Donnerstagmorgen veröffentlichten Geschäftszahlen von Hermès. So kletterte der Umsatz des Pariser Modekonzerns im dritten Quartal auf rund 2,4 Milliarden Euro. Verglichen mit dem dritten Quartal 2019 ist das ein Plus von 40 Prozent. Hermès profitierte dabei von einer Umsatzbelebung in Europa, einem beschleunigten Wachstum in Amerika und einer anhaltenden Dynamik in Asien. Die Aussicht für die kommenden Monate bleibt rundum positiv.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Diese Zuversicht teilt in der Branche nicht jeder uneingeschränkt. Wettbewerber Kering etwa setzt die gebremste Reisetätigkeit asiatischer Touristen und vor allem die etwas trübere Konjunktur im Wachstumsmarkt China zu. Von einem „soliden Umsatzwachstum“ sprach der Pariser Modekonzern Kering bei der Vorstellung seiner aktuellen Geschäftszahlen am Mittwoch. Der Umsatz lag im dritten Quartal rund 10 Prozent höher als im Vergleichszeitraum vor der Pandemie, dem dritten Quartal 2019. Gut lief demnach vor allem das Nordamerikageschäft.

          Gucci läuft unterdurchschnittlich

          Das Asiengeschäft dagegen lief weniger rund, gestand Kering ein, was nicht zuletzt an gestiegenen Corona-Fallzahlen in der Region gelegen habe. Finanzvorstand Jean-Marc Duplaix verwies beispielhaft auf den Absatz der Konzernmarke Gucci. Dieser sei deutlich unterdurchschnittlich und deutlich schwächer als das Geschäft mit Marken wie Yves Saint Laurent oder Bottega Veneta ausgefallen – eben weil Touristen in Europas Luxustempeln ausblieben oder Geschäfte aufgrund der Pandemie in Asien schließen mussten.

          Selbst für LVHM wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Zwar vermeldete der Branchenprimus für das dritte Quartal ebenfalls ein kräftiges Umsatzplus im Vergleich zu 2019 in Höhe von 11 Prozent. Das ist aber weniger als jene 14 Prozent, die noch im zweiten Quartal erzielt wurden, und abermals fast ausschließlich dem starken Absatz von Mode- und Lederwaren geschuldet. Die Sparte Wein und Spirituosen, wozu Edelmarken wie Moët & Chandon gehören, konnte hingegen nur leicht zulegen, und das Geschäft mit Parfüm und Kosmetik sowie Uhren und Schmuck trat auf der Stelle.

          Sensible Branche

          Für Anleger kommt das abgeschwächte Wachstum im Luxussegment indes nicht überraschend. Schon seit dem Hoch von Mitte August stehen die Zeichen an der Pariser Börse auf Stagnation, und das nicht zuletzt wegen geringerer Erwartungen an die Geschäftsentwicklung von LVMH & Co. Während sich der Kurs der Hermès-Aktie seit Anfang Oktober wieder berappelt hat, notieren die Papiere von LVMH trotz einer leichten Erholung noch immer rund 8 Prozent und die von Kering unverändert 20 Prozent unter dem Wert von Mitte August, der für alle drei Unternehmen ein Allzeithoch darstellt.

          Wie sensibel die Branche auf die Entwicklung in China reagiert, zeigt die Reaktion auf das verlangsamte Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte. Diese Meldung machte am Montagmorgen europäischer Zeit die Runde, und kurz nach Börsenstart gingen die Kurse der Luxusaktien in die Knie.

          Doch ein rasches Wiederaufbäumen ist wahrscheinlich, sobald die Corona-Sorgen nachlassen. So galten Luxustitel schon immer als konjunkturanfälliger als die Werte aus anderen Branchen. Langfristig dominiert an den Märkten nach wie vor die Zuversicht. „Obwohl wir kurzfristig in Bezug auf den Sektor vorsichtig bleiben, sehen wir LVMH weiterhin als strukturellen Gewinner“, kommentierten die Analysten der amerikanischen Investmentbank Jefferies.

          Raum für Zweifel lassen die Börsenbewertungen ohnehin kaum: LVMH steht mit einer Marktkapitalisierung von rund 330 Milliarden Euro nicht nur unangefochten an der Spitze im französischen Leitindex CAC40, sondern ringt mit den Schweizer Konzernen Nestlé und Roche auch kontinuierlich um die Position als wertvollstes europäisches Unternehmen. Hermès liegt im CAC40 mit einer Marktkapitalisierung von derzeit rund 140 Milliarden auf Rang drei hinter L‘Oréal, und auch Kering schafft es mit 80 Milliarden Euro noch in die französische Top Ten.

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