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Gruner + Jahr : Ein ganz harter Schnitt

Diese Titel werden künftig von einer Zentralredaktion beliefert Bild: dpa

Die Wirtschaftstitel „Financial Times Deutschland“, „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ werden von März 2009 an nicht mehr eigenständig, sondern von einer zentralen Redaktion gestaltet. Ganz vom Markt genommen wird das Gesellschaftsmagazin „Park Avenue“.

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          Der Verlag Gruner + Jahr setzt harte Sparmaßnahmen um. Die Wirtschaftstitel der Gruppe - die „Financial Times Deutschland“, „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ - werden von März 2009 an nicht mehr eigenständig, sondern von einer zentralen Redaktion in Hamburg gestaltet. Die Redaktionsstandorte in Köln und München werden geschlossen, insgesamt sechzig Redaktionsstellen fallen weg, der neuen Gesamtredaktion gehören nur mehr 250 Vollzeit-Mitarbeiter an.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ganz vom Markt genommen wird das erst 2005 gestartete Gesellschaftsmagazin „Park Avenue“, dort sind 23 Stellen betroffen. Das Januar-Heft von „Park Avenue“ wird das letzte sein. Trotz eines „erstklassigen journalistischen Auftritts und einer zufriedenstellenden Auflagenhöhe“ habe „Park Avenue“ die „ambitionierten Ziele im Anzeigengeschäft“ nicht erreichen können. Damit seien die „angekündigten Portfolio-Maßnahmen“ abgeschlossen, sagte der Deutschlandchef von Gruner + Jahr, Bernd Buchholz. Alle anderen Titel hätten zeigen können, dass sie „auch in einem schwierigen Umfeld eine gute Perspektive haben“.

          Korrespondentenbüros der Wirtschaftsmagazine werden geschlossen

          Die neue Zentralredaktion der Wirtschaftstitel wird von einem Chefredakteurskollegium geführt, dessen Leitung der Chefredakteur der FTD, Steffen Klusmann, übernimmt. Die Chefredakteure der anderen Titel, Ursula Weidenfeld („Impulse“), Stefanie Burgmaier („Börse Online“) und der Nachfolger des zum 1. Februar ausscheidenden „Capital“-Chefs Klaus Schweinsberg sollen, wie es bei Gruner + Jahr heißt, die „inhaltliche Verantwortung für ihre Marken“ behalten. Zusammengelegt werden auch die Online-Redaktionen.

          Geschlossen werden aber nicht nur die Standort Köln und München, sondern auch die Korrespondentenbüros der drei Wirtschaftsmagazine. Außenstellen gibt es fortan nur noch für das Ressort Finanzen und Geldanlage in Frankfurt und die Politik in Berlin. Die neue Mantelredaktion wird nicht nach Titeln, sondern nach Ressorts strukturiert, als da wären die Bereiche Unternehmen, Mittelstand/Gründer/Steuern, Geldanlage, Finanzen News, Politik, Lifestyle und Agenda. Die Ressortleiter sollen in den kommenden Wochen benannt werden. Zudem sollen Reporter- und Autorenteams bestellt werden.

          Hundertzehn Redakteure müssen sich um fünfzig Stellen neu bewerben

          Für die hundertzehn Gruner + Jahr-Redakteure an den Standorten in Köln und München wird die Sache besonders bitter. Ihnen steht eine betriebsbedingte Kündigung ins Haus, hernach sollen sie sich auf fünfzig freie Stellen in der Zentralredaktion bewerben, die intern und extern ausgeschrieben werden. Angestellt würden sie dann bei der Gruner + Jahr-Tochter „Wirtschaftsmedien GmbH“, die niedrigere Gehälter als der Mutterkonzern bezahlt.

          Man wolle „den Kern“ der Marken erhalten, heißt es bei Gruner + Jahr. Der Deutschland-Chef Bernd Buchholz kommentiert den Schritt mit einer Beschwörung: „Auch in der aktuellen und noch vor uns liegenden krisenhaften Gesamtsituation glauben wir an das Potential und die positive Perspektive unserer Wirtschaftsmedien. Wir wollen die starken Marken unseres Wirtschaftsportfolios dauerhaft und krisensicher als Qualitätsmedien führen.“ Doch seien „erhebliche Kostensenkungsmaßnahmen“ notwendig. Die Schaffung der Redaktion Wirtschaft sei „der einzige Weg, die nötigen Einsparungen“ zu erzielen und „zugleich die Identität und Qualität der Blätter zu wahren.“ Die Geschäftsführerin der Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien, Ingrid M. Haas, konzedierte, dass die Maßnahme „für viele Mitarbeiter einen harten Schnitt“ darstelle. Sie sei unausweichlich, um allen Titeln“ Perspektiven zu geben.

          Letzter Versuch, die „Financial Times Deutschland“ zu retten

          Marktbeobachter erkennen in dem Schritt aber vor allem den letzten Versuch, die defizitäre „Financial Times Deutschland“ zu retten, deren Minus in diesem Jahr acht Millionen Euro betragen soll. Allerdings soll auch das Magazin „Capital“ Verluste einfahren. Gänzlich eingestellt werden neben dem Magazin „Park Avenue“, dessen Tage schon seit langem gezählt schienen, das Gruner + Jahr-Magazin „Life & Style“ in Russland und „Gala“ in den Niederlanden, wodurch 35 Stellen wegfallen sollen.

          Am 27. November muss der Aufsichtsrat von Gruner + Jahr über die Maßnahmen befinden. Die Redaktion des „Stern“ will sich dem Vernehmen nach mit einer Resolution dafür einsetzen, dass die nun zentralisierten Titel der Wirtschaftskollegen voneinander unabhängig bleiben.

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