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Gruner + Jahr : Auf Sparkurs nach Jäkels Abschied

Julia Jäkel Bild: dpa

Für Gruner + Jahr stehen die Vorzeichen nicht gut. Derzeit sind die Berater von McKinsey dabei, die Optionen für die Zukunft der Hamburger auszuloten.

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          Diese Personalie hat es in sich: Julia Jäkel tritt nach acht Jahren an der Spitze von Grunder + Jahr zurück. Wohl nicht nur für Außenstehende kommt dieser Schritt überraschend, den sie als „persönliche Lebensentscheidung“ begründet und der in aller Freundschaft erfolge.

          Inwieweit die aktuelle Lage beim traditionsreichen Hamburger Medienhaus diesen Schritt beeinflusst hat, geht aus ihrem Statement nicht hervor. Man kann aber wohl davon ausgehen, dass die jüngsten Entwicklungen im Mutterkonzern Bertelsmann ihr die Entscheidung nicht erschwert haben. Denn Jäkel galt unter Beteiligten als diejenige, die bei allem Konsolidierungsdruck noch versucht habe, eine gewisse verlegerische Linie aufrecht zu erhalten. Die Macht konzentrierte sich allerdings längst woanders.

          Thomas Rabe, der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, ist dabei, einen der größten Medienkonzerne Europas so umzubauen, dass er im harten Wettbewerb vor allem mit Amerikas Branchengiganten wie Disney oder Netflix auch in Zukunft bestehen kann. Und weil in der Welt der Streamingplattformen vor allem Größe und Skalierung zählen, will Rabe Kräfte bündeln und „nationale Champions“ schaffen.

          Für das Tochterunternehmen Gruner + Jahr sind das keine guten Vorzeichen. Derzeit sind die Berater von McKinsey dabei, die Optionen für die Zukunft der Hamburger auszuloten. Im dritten Quartal soll die Entscheidung fallen, wie es mit dem seit langem auf Sparkurs segelnden publizistischen Flaggschiff weitergeht.

          Im Raum steht, dass RTL und G+J gemeinsame Redaktionsteams bilden. Solange sich mit Titeln wie „Stern“ und „Brigitte“ noch immer gutes Geld verdienen lässt, dürfen sie in Hamburg zwar auf ein Mindestmaß an Eigenständigkeit hoffen. Dass Rabe seit zwei Jahren auch im Chefsessel von RTL sitzt, lässt jedoch erahnen, wohin die Reise gehen wird. Zumal Jäkels Nachfolger an der Spitze von G + J Stephan Schäfer heißt – der agile Manager ist bislang als Geschäftsführer  für Inhalte & Marken der Mediengruppe RTL Deutschland zuständig und gilt als treibende Kraft der Konsolidierung.

          An journalistische Zöpfe gehe er schon einmal mit der Schere ran, sagen seine Kritiker. Künftig wird sein Einfluss in einer Doppelrolle noch viel gewichtiger werden. 

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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