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„Grundlegende Schwächen“ : KfW: Überweisung an Lehman war Fehleinschätzung

Das Gebäude der KfW in Frankfurt am Main Bild: dpa

Die gut 300 Millionen Euro schwere Überweisung der KfW an die bereits Pleite gegangene Investmentbank Lehman Brothers geht nach Darstellung der Förderbank auf eine gravierende Fehleinschätzung zurück. Man habe das Insolvenzrisiko falsch kalkuliert, erklärte das staatseigene Institut.

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          Die Meldungen über das Vorgehen der staatlichen Förderbank KfW im Zusammenhang mit der Millionenüberweisung an die insolvente Investmentbank Lehman widersprechen sich. Während aus mit dem Vorgang vertrauten Quellen verlautet, in der Sitzung am Freitag, dem 12. September sei beschlossen worden, aktuelle Verpflichtungen zu erfüllen, aber kein Neugeschäft mehr einzugehen (F.A.Z. vom 22. September), teilt die KfW nun offiziell mit, die fällige Zahlung sei von den Mitarbeitern nicht erkannt und deshalb auf diesem Treffen nicht behandelt worden.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Im Ergebnis führte dies jedenfalls dazu, dass am Montag, 15. September, ein Swap-Geschäft im Gegenwert von 350 Millionen Euro ausgeführt wurde, obwohl Lehman zu diesem Zeitpunkt schon insolvent war. „Weder aus den Unterlagen noch den Protokollen lässt sich erkennen, dass es sich bei der Überweisung an Lehman um eine bewusste Entscheidung gehandelt hat. Vielmehr lag dem im Rückblick eine Fehleinschätzung der verantwortlichen Abteilungen zum Insolvenzrisiko bei Lehman zugrunde“, heißt es von Seiten der KfW.

          KfW-Chef Schröder diagnostiziert „grundlegende Schwächen“

          In der Verwaltungsratssitzung am 18. September habe der Vorstandsvorsitzende Ulrich Schröder über den Ablauf der Swap-Transaktion informiert. Dabei habe er auch auf die Sitzung der verantwortlichen Abteilungen am 12. September hingewiesen und mitgeteilt, dass die Risikoeinschätzung falsch vorgenommen und das Settlement-Risiko (Zahlungsausgleich) nicht behandelt worden sei. Deshalb sei in den automatisierten Zahlungsverkehr nicht eingegriffen worden.

          Nach Lehman-Überweisung : Zwei KfW-Vorstandsmitglieder suspendiert

          Schröder habe die Situation wie folgt bewertet: „Die Handhabung der Swap-Transaktion mit Lehman offenbart neben fachlichen Fehleinschätzungen der Gefährdungssituation grundlegende Schwächen in der Aufbau- und Ablauforganisation der KfW sowie strukturelle Defizite im Risikomanagement.“ Angesichts der Datenlage zu Lehman am Freitag hätte beschlossen werden müssen, über das Wochenende die Situation zu verfolgen und im Zweifelsfall einzugreifen. Das sei nicht geschehen.

          Zahlung hätte am Wochenende gestoppt werden müssen

          Der Währungsswap war den Angaben zufolge am 10. Juli 2008 mit Lehman abgeschlossen worden. Wie üblich, erfolgte zunächst ein Hintausch von Währungen, der mit einem Termingeschäft für den Rücktausch verbunden ist. Hin- und Rücktausch seien in elektronische Systeme eingespeist worden. Der Hintausch sei am 14. Juli erfolgt, der Rücktausch sei für den 15. September vereinbart gewesen. Die Situation sei dann über das Wochenende nicht überwacht worden. Das nächste Treffen der Fachleute war für Montag um 9.30 Uhr angesetzt. Die Zahlung hatte aber um 8.37 Uhr das Haus verlassen. Die Ausführung der Zahlung hätte also am Wochenende oder am Montagmorgen gestoppt werden müssen. Und da setzten zu Recht die Vorwürfe ein, meint Schröder.

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