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Versorger dreht den Hahn ab : Wassermangel auf der Tesla-Baustelle

Blick über die Baustelle der Tesla Gigafactory Bild: dpa

Seit Monaten warnen Gegner der Fabrik, durch den Elektroautohersteller werde das Wasser in der Region knapp. Jetzt dreht der Wasserversorger Tesla den Hahn ab – aus einem profanen Grund.

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          Noch immer hat der amerikanische Elektroautohersteller Tesla keine offizielle Genehmigung, seine Fabrik in Grünheide zu bauen. Trotzdem wachsen auf dem Areal nahe Berlin schon seit Monaten die Fabrikhallen – vorläufige Einzelgenehmigungen des Landesumweltamtes machen es möglich und die Zusicherung des Unternehmens, notfalls wieder alles abzureißen.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Doch am Donnerstag bekam der ambitionierte Zeitplan von Tesla-Chef Elon Musk zumindest kurzzeitig einen Dämpfer. Der Wasserverband Strausberg-Erkner habe das Wasser abgestellt, weil Tesla eine Rechnung nicht bezahlt habe, sagte eine Sprecherin des Versorgers. Das Unternehmen sei mehrfach gemahnt worden mit Androhung einer Sperrung. Die Frist von 14 Tagen sei abgelaufen. „Da wird Tesla nicht anders behandelt als andere“, hieß es. Wenn das Geld eintreffe, werde das Wasser wieder angestellt. Dem Vernehmen nach soll es um  15.000 Euro gehen.

          Man muss dazu wissen, dass zwischen dem Wasserverband und dem Autohersteller seit Beginn des Projekts, um es vorsichtig zu sagen, nicht die beste Stimmung herrscht. Schon Mitte Januar, da hatte Tesla seinen mehrere tausend Seiten dicken Bauantrag gerade erst eingereicht, warnte der Wasserverband, dass er die Versorgung des Werkes nicht sicherstellen könne.

          Was hat es mit der unbezahlten Rechnung auf sich?

          Bei dieser Position blieb er auch später – zur Freude der Tesla-Gegner, deren Argumentation in den vergangenen Monaten sich maßgeblich auf die Warnungen des Wasserverbands stützte. Der Bürgermeister von Grünheide und auch die Landesregierung in Potsdam teilten die Bedenken dagegen nicht. Hinter den Kulissen wurden Gespräche mit Wasserversorgern aus der Umgebung geführt, die bei der Versorgung des Werkes unterstützen könnten, etwa aus Fürstenwalde. Ende September schien der Streit dann erstmal beigelegt: Nachdem Tesla seinen Wasserbedarf reduziert und die Behörden eine höhere Entnahmemenge erlaubt hatten, billigte der Wasserverband den Erschließungsantrag.

          Unterschrieben hat Tesla selbigen an diesem Mittwoch. Warum erst mit drei Wochen Verzögerung, ist nicht bekannt. In dem Erschließungsantrag geht es allerdings um das spätere Werk, nicht um die Baustelle. Noch erhält Tesla sein Wasser aus einem vorläufigen Anschluss über Standrohre. Besser gesagt: Erhielt.

          Von dem Autohersteller war am Donnerstag zunächst keine Erklärung dafür zu bekommen, was es mit der unbezahlten Rechnung auf sich hat und wann das Unternehmen diese begleicht.

          Vorausgesetzt, es fließt Wasser

          Dass die Bauarbeiten für längere Zeit ruhen, ist jedoch unwahrscheinlich. Bislang hat Tesla alles daran gesetzt, dass die Fabrik wie geplant spätestens im Juli 2021 fertig ist. Mehr als 10.000 Mitarbeiter sollen dann eine halbe Million Elektroautos im Jahr herstellen. Nach weiteren Ausbaustufen könnten in der Fabrik bis zu 40.000 Mitarbeiter arbeiten, schätzt die brandenburgische Landesregierung.

          Ende September hatte in Erkner die mit Spannung erwartete Anhörung des Landesumweltamtes mit Tesla-Gegnern stattgefunden, die eigentlich schon für März geplant war, dann aber wegen Corona abgesagt wurde. Eigentlich sollten die rund 400 Einwände innerhalb von drei Tagen erörtert werden, stattdessen zog sich der Termin über acht Tage hin. Auch dabei standen die Sorgen von Bürgern und Umweltverbänden um die Wasserversorgung im Mittelpunkt.

          Nun muss die Behörde ihr abschließendes Urteil über das Projekt fällen. Damit wird allerdings nicht vor Ende November, eher erst im Dezember gerechnet. Würde Tesla in seinem bisherigen Tempo weiterbauen, könnte die Fabrik dann großteils schon fertig sein. Vorausgesetzt, der Wasserverband dreht Tesla den Hahn wieder auf.

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