https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/gruenderzahlen-in-deutschland-ausserhalb-berlins-ruecklaeufig-13679812.html

Jenseits von Berlin : Gründerklima in Deutschland bestenfalls wechselhaft

Haben Mut bewiesen: die Preisträger des Deutschen Gründerpreises 2015 Bild: dpa

Berlin profiliert sich als Hauptstadt der Jungunternehmer – doch jenseits davon sieht vieles trübe aus. Seit Jahren sind die Gründerzahlen rückläufig. Nun will die Bundesregierung bürokratische Hürden abbauen.

          2 Min.

          Berlin hat seine globale Beliebtheit in den vergangenen Jahren nicht allein mit dem Motto „Arm, aber sexy“ gesteigert oder mit seiner Rolle als politische Hauptstadt. Vielmehr hat es sich auch einen Ruf als Hauptstadt der Existenzgründer erworben. Zwar leidet die Stadt noch darunter, dass sie nach den Jahrzehnten der Teilung kein Zentrum industrieller Wertschöpfung mehr ist. Doch tatsächlich ist Berlin auf gutem Weg, wie sogar das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) inzwischen regelmäßig bestätigt: Tatsächlich gebe es nirgendwo in Deutschland mehr Unternehmer- und Gründergeist. Seit 2011 belegt Berlin im jährlichen Ranking der Forscher vor Hamburg den Spitzenplatz.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Im bundesweiten Durchschnitt ist es um den Gründergeist in den vergangenen Jahren indes nicht so gut bestellt. Dasselbe Bonner Institut hat für 2014 insgesamt einen weiteren Rückgang der Gründerzahlen in Deutschland festgestellt. Seinen Erhebungen zufolge wurden im vergangenen Jahr 561.000 gewerbliche Firmen neu gegründet. Das waren 25.000 weniger als 2013 und sogar 221.000 weniger als 2004. Die Bonner Mittelstandsforscher kommen damit zu schlechteren Ergebnissen als die Förderbank KfW. Nach ihren Erkenntnissen gab es 2014 insgesamt 393.000 Gründungen im Vollerwerb und 5.220.000 Gründungen, die erst einmal nebenberuflichen Charakter hatten. Die Zahl der Gründungen im Vollerwerb hat sich laut KfW im Vergleich zum Vorjahr um 87.000 erhöht, die der Nebenerwerbsgründer ging dagegen um 40.000 zurück.

          Beide Statistiken lassen sich kaum vergleichen, da sie sehr unterschiedlich erhoben werden: Das IfM wertet vor allem Gewerbeanmeldungen aus, die KfW befragt jährlich 50.000 Menschen. Mit den Gewerbeanmeldungen lassen sich die Freien Berufe nicht erfassen. Gerade dort – etwa in den Kommunikations-, IT- und künstlerischen Berufen – spielt aber ein wachsender Teil des Gründungsgeschehens. Laut KfW fallen schon 40 Prozent der Gründungen in den Bereich der Freien Berufe.

          Boom der „Ich-AG“ unerreichbar

          Die Bundesregierung hat in einer aktuellen Antwort auf eine Anfrage der Grünen beide Statistiken zitiert. In Medienberichten vom Mittwoch wurden daraus jedoch nur die Zahlen des Bonner IfM wiedergegeben. Grünen-Fraktionsvize Kerstin Andreae folgerte aus der Antwort der Bundesregierung, dass diese zwar viel über Innovation und Gründungskultur rede, aber wenig dazu beitrage. Besonders ärgerlich sei, dass Gründer gleich im ersten Jahr die Umsatzsteuer monatlich erklären und zahlen müssten.

          Die Regierungskoalition will indes am Donnerstag ein Bürokratieabbaugesetz beschließen, das Entlastungen für kleine Firmen bringen soll. So sollen Umsatz-Schwellenwerte, unterhalb derer doppelte Buchführung und Statistikpflichten entfallen, deutlich steigen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schätzt, dass damit kurzfristig ungefähr 1000 Existenzgründer und insgesamt 140.000 kleine Unternehmen entlastet werden. „Das ist gut, aber viel zu wenig“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Er forderte auch einfachere Abschreibungsregeln im Steuerrecht durch höhere Schwellenwerte für geringwertige Wirtschaftsgüter.

          Sicher ist indes, dass die Gründerzahlen selbst damit kaum wieder auf das Niveau des Jahres 2004 steigen würden. Seinerzeit hatte die als „Ich-AG“ bekannt gewordene Förderung für Arbeitslose eine große Gründerwelle ausgelöst. Diese Förderung wurde jedoch in den vergangenen Jahren um mehr als 80 Prozent gekürzt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mar-a-Lago : FBI durchsucht Trumps Anwesen in Florida

          Es ging wohl um Dokumente, die Donald Trump nach Ende seiner Amtszeit aus Washington mitgenommen haben soll. Der Ex-Präsident empört sich über die Polizeiaktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.