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Start-ups : Gründerinnen bekommen viel weniger Kapital – machen aber trotzdem mehr Umsatz

  • -Aktualisiert am

Karsten Ottenberg, BSH-Chef, mit Mengting Gao und Verena Hubertz, Gründerinnen von Kitchen Stories. BSH ist mit 65 Prozent an dem Start-up beteiligt. Bild: obs

Dass Frauen weniger verdienen als Männer, ist ebenso traurig wie bekannt. Auch Gründerinnen haben es schwerer als Männer – liefern aber offenbar trotzdem bessere Arbeit ab.

          Über den sogenannten Gender Pay Gap wurde und wird viel berichtet und gestritten. Frauen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen, selbst wenn man aus der Statistik Qualifikation und Position im Unternehmen herausrechnet. Weniger oft diskutiert: Nicht nur in lange bestehenden Unternehmen werden Frauen diskriminiert, die Diskriminierung fängt schon bei der Gründung an.

          Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group hat sich zusammen mit der amerikanischen Organisation MassChallenge angeschaut, wie unterschiedlich Gründerinnen und Gründer mit Geld umgehen. Dabei zeigt sich: Frauen werben im Schnitt weniger als halb so viel Kapital ein – machen aber trotzdem mehr Umsatz als ihre männlichen Kollegen.

          Männer sammeln mehr Geld ein

          MassChallenge ist ein Accelerator, also eine Organisation, die Start-ups in der Gründungsphase unterstützt, etwa durch Coaching. Eigenen Angaben zufolge hat sie schon mehr als 1500 Start-ups beraten. Zusammen mit BCG hat sie sich nun in der aktuellen Studie eingesammeltes Kapital und Umsatz von 350 Start-ups angeschaut. Davon wurden 258 von Männern und 92 von Frauen gegründet oder mitgegründet.

          Insgesamt haben die (männlichen) Gründer über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg durchschnittlich 2,12 Millionen Dollar eingesammelt, die Gründerinnen 935.000 Dollar. Frauen machen also entweder einen sehr viel schlechteren Job als Frauen beim Vorstellen ihrer Projekte als Männer – oder aber sie werden aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert. Denn den Autoren der Studie zufolge sind die Ergebnisse selbst dann statistisch signifikant, wenn man das Bildungsniveau sowie die Qualität der Produktideen herausrechnet. (Die Autoren beurteilten die „Qualität“ anhand der Bewerbung an MassChallenge.)

          Männliche Investoren verstehen Frauenprodukte nicht

          Die Autoren nennen dafür drei mögliche Gründe. Erstens würden Investoren oft zumindest grundlegende technische Kenntnisse von den Gründern erwarten. Und die würden Männern offenbar deutlich eher zugetraut als Frauen - unabhängig von den tatsächlichen Kenntnissen. Zweitens würden Männer in ihren Pitches ihre Überprojekte oft überverkaufen - oder, positiv ausgedrückt: Sie sind in der Präsentation mutiger. Frauen würden ihre Ausblicke oft konservativ kalkulieren.

          Und drittens: Offenbar verstehen viele (männliche) Investoren die Produkte einfach nicht, die Gründerinnen auf den Markt bringen wollen. Frauen würden oft Ideen aus ihren eigenen persönlichen Erfahrungen weiterentwickeln, etwa Mode, Kosmetik oder Kindererziehung. Männliche Investoren unterschätzten dann oft das Potential der Idee. Das sei etwa auch der Fall, wenn die Zielgruppe der Produkte ein niedrigeres sozioökonomisches Level als die Investoren besitzen.

          Wirklich überraschend allerdings: Aus dem wenigen zur Verfügung stehenden Kapital machten die Gründerinnen mehr Umsatz als ihre männlichen Kollegen, nämlich innerhalb der betrachteten fünf Jahre durchschnittlich 730.000 vs. 662.000 Dollar. Aus jedem Dollar eingesammelten Kapitals generierten sie also 78 Cent Umsatz – im Gegensatz zu 31 Cent bei den Männern.

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