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Mobike verliert seine Chefin : „Bikesharing ist nicht so einfach wie wir gedacht haben“

Mobike-Gründerin Hu Weiwei am Samstag auf der Tech-Konferenz DLD in München Bild: Dominik Gigler for DLD

Die chinesische Jungunternehmerin Hu Weiwei hat den Leihfahrraddienst Mobike gegründet. Nun hat sie ihn überraschend verlassen. Ihr Abschiedsbrief zeigt einige Probleme.

          Wer in Berlin, Hannover, Köln oder Düsseldorf wohnt, dürfte die orange-silbernen Fahrräder von Mobike schon einmal gesehen haben. Denn sie sind nicht nur an Stationen, sondern überall in den Städten verteilt. Der Leihfahrraddienst stammt aus China, in seinem Heimatmarkt kontrolliert das Unternehmen gemeinsam mit dem Konkurrenten Ofo rund 90 Prozent des Marktes. Der Internetgigant Tencent, der hinter der Chatapp Wechat steht, steckte mit anderen Investoren einst 600 Millionen Dollar in das Start-up. Kein Wunder, dass es schnell und aggressiv expandierte und davon träumte, auch Europa zu erobern. Doch das könnte nun ins Stocken geraten.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn die Jungunternehmerin Hu Weiwei, die in China sehr bekannt ist, ist als Vorstandchefin des von ihr gegründeten Leihfahrraddiensts zurückgetreten und hat das Unternehmen verlassen. Mobike war im April vergangenen Jahres für 2,7 Milliarden Dollar vom chinesischen Internetkonzern Meituan-Dianping übernommen worden. Damals sagte Hu noch, sie wolle das Geld für eine weitere Expansion nutzen. Ein Sprecher von Mobike sagte FAZ.NET nun, sie habe acht Monate lang geholfen, den Übergang zu begleiten und verlasse das Unternehmen nun einvernehmlich. Der Rücktritt fand demnach schon am 22. Dezember statt.

          Mobikes in der amerikanischen Hauptstadt Washington. In Deutschland gibt es die Räder in Berlin, Köln, Düsseldorf und Hannover.

          In einem Brief an alle Mobike-Mitarbeiter schrieb Hu, es sei wichtig, dass die Branche der Bikesharing-Dienste ihre radikale Expansionsstrategie aufgegeben habe. Mobike müsse nun stärker seine „grundlegenden Fähigkeiten“ kultivieren. Das sei eine schwere Aufgabe. „Ich hoffe, dass jedem klar ist, dass man als Organisation stirbt, wenn man keinen Fortschritt macht“, schrieb die Gründerin.

          Aggressives Wachstum auch in Deutschland ein Problem

          Das aggressive Wachstum von asiatischen Leihfahrraddiensten wurde in der Vergangenheit auch in deutschen Städten zum Problem. Nach der Insolvenz des aus Singapur stammenden Dienstes Obike klagten deutsche Städte etwa darüber, dass bei ihnen hunderte Fahrräder die Gehwege blockierten und das Unternehmen schlicht nicht mehr zu erreichen sei. In chinesischen Großstädten türmen sich zurückgelassene und schrottreife Leihfahrräder sogar zu riesigen Fahrradbergen.

          Hu schrieb an ihre ehemaligen Mitarbeiter weiter, dass Bikesharing anscheinend „nicht so einfach ist, wie wir ursprünglich gedacht haben“. Dennoch solle man das Geschäft „nicht so pessimistisch sehen, wie viele Beobachter es tun“. Der Mobike-Sprecher sagte weiter, das Unternehmen werde nun vorläufig von einem Interimschef geführt, ein dauerhafter neuer Vorstandschef sei noch nicht bestellt.

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